© Jens Nieth/plainpicture

Dating Wie kann man sich mit 50 nur benehmen wie 1 Student?

Indem man Spaß am Dating hat. Indem man sich auch mit jüngeren Männern amüsiert. Und indem man sich einfach nicht fühlt wie eine notgeile alte Eule. Ganz einfach! Von
Aus der Serie: Es ist kompliziert

Zwar sind mehr als 60 Prozent aller Singles zufrieden mit ihrem Leben, jedoch nur zehn Prozent davon sind überzeugte Singles. Was auf der Suche nach dem richtigen Partner alles passieren kann, davon erzählen unsere beiden Single-Kolumnistinnen in der Serie Es ist kompliziert.

Eine schöne, wenn auch nicht ewig währende Episode meines Lebens habe ich mit einem Mann verbracht, der 14 Jahre älter ist als ich. Ich war 24, als wir uns kennenlernten, er 38. Er hat mir damals einige sehr kurze Kleider geschenkt, was mir im Nachhinein peinlich ist, weil es aus dieser Zeit kaum Fotos von mir gibt, auf denen man nicht bis zum Rand meiner Strumpfhose gucken kann.  Der Mann von damals hat mich oft gefragt, ob ich denn nicht öfter Pumps tragen könnte. Nur eins hat er sich nie, nie, nie gefragt: Ob er nicht vielleicht zu alt für mich wäre.

Das ist natürlich anders, wenn der Mann jünger ist als die Frau. Immer noch. Auf einem Datingportal habe ich einen Mann kennengelernt, der 39 ist. Seinen Angaben zufolge. Daraus ergibt sich ein Altersunterschied von zehn Jahren, was ich nicht besonders erheblich finde. Aber er fragte mich dann doch ziemlich bald, ob er nicht zu jung sei für mich. Ich fragte ihn zurück: "Würdest du einer Frau, die zehn Jahre jünger ist als du, auch sagen, dass du womöglich zu alt bist für sie?" Die Frage verstand er nicht so recht.

Erfahrener Mann – junge Frau: Das ist ein Modell, das in der Wahrnehmung vieler Menschen glänzend funktioniert. Andersherum wird schnell ein schräges Bild herausgemeißelt: Eine Frau, die mit einem jüngeren Mann ausgeht, ist wie ein reißender Puma, permanent auf Beuteschau, unernst im Geist und gierig im Gemüt. Kann es nicht auch bei ihr einfach mal Liebe sein, überraschenderweise – da, wo sie hingefallen ist?

Um es in Kategorien von Sex And The City zu fassen: Nicht jede Frau, die älter ist als ihr Date, muss gleich eine Samantha sein, die stets kurz vorm lasziven Stöhnen steht. Ich wäre eigentlich lieber eine Carrie, idealistisch bis zur Naivität an die wahre Liebe glaubend. Dass die Suche danach auch Spaß machen kann, wird mir nur leider übel angekreidet. Müsste ich manche Reaktionen auf diese Kolumne ernst nehmen ("Wie kann man sich mit 50 nur benehmen wie 1 Student"), würde ich mir vorkommen wie eine notgeile alte Eule. Muss ich aber nicht.

Denn mit steigendem Lebensalter erhöht sich auch die Anzahl der Jahre, die man sich selbst jünger einschätzt, das besagen unzählige Studien vom Max Planck Institut bis zur Generali Versicherung. Und wer sein gefühltes Alter niedriger ansetzt, der findet sich – zumal in einer Gesellschaft, in der sich alles um ewige Jugend dreht – selbst attraktiver. Was ganz wirkungsvoll ist, weil es wiederum der eigenen Ausstrahlung dient. Menschen über 70 halten sich übrigens im Schnitt für 13 Jahre jünger, innerlich und äußerlich. Das klingt perspektivisch doch gar nicht schlecht.

Ich weiß, dass diese Rechnung nicht aufgeht, weil die jungen Männer sich altersmäßig ja dann auch wieder ein Dutzend Jahre von mir entfernen, während ich sie irgendwann wohl mit dem Rollator verfolgen muss. Aber, ehrlich gesagt: Männer meiner Altersklasse um die 50 sind auch keine Lebensversicherung, wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen geht. Grundsätzlich bindungswilliger als 30-Jährige sind sie nicht, eher wirken sie wie meine verwitwete Mutter, die das Thema Neuverpartnerung mit einem lässigen "Das muss ich mir echt nicht noch mal antun!" abtut.

Nur klingt meine Mutter dabei äußerst heiter, im Gegensatz zu Männern, die in schon etwas bemoostem Zustand aus dem Nest von Ehe oder Lebensgemeinschaft geworfen wurden und jetzt an ihrer Verbitterung herumpulen wie an Schorf: bis es blutet. Frauen lernen ja viel Quatsch aus Frauenzeitschriften, dazu gehört auch, dass sie Männer beim Kennenlernen auf keinen Fall mit Ex-Freund-Geschichten nerven dürfen. Sondern dass sie sich für ihr Gegenüber interessieren sollen.

Doch wenn ich mit Männern in meinem Alter ausgehe, kommt genau das nicht. Stattdessen sehr lange Geschichten darüber, dass sie sich ewig schon unverstanden gefühlt haben, dass ihre Ex ständig dies, dafür aber nie das ... Dass sie ihnen die Kinder vorenthalte, die schöne Wohnung okkupiert, den Freundeskreis durch Intrigen auf ihre Seite gebracht und sich quasi schon seit der gymnasialen Oberstufe dem Sex verweigert habe. Rät denen nicht der Playboy oder die GQ oder wenigstens der Hornbach-Prospekt, sich diesbezüglich kurz zu fassen?

Ich habe überhaupt nichts dagegen, dass ein Mann mir sein Herz ausschüttet. Ich glaube nur nicht, dass man einen schönen Anfang hinbekommt, wenn man, anstatt zu flirten und sich füreinander zu begeistern, sich erst mal gegenseitig den Kummer und die Kränkungen überkübelt wie Wurstsuppe. Ich kann ja nichts dafür, dass andere Frauen fies waren. Was außerdem Ansichtssache ist. Ohne die andere Partei zu kennen und ohne die eine mehr als ein bisschen zu kennen, habe ich also schon manches Mal wie ein Therapeutenroboter dagesessen und begütigend "Mmmh" oder auch mal "Och nee" und "Oh je!" gemacht.

Keine Ahnung, wie man diese Männer davon überzeugt, dass Frauen doch etwas ganz Wunderbares sein können. Also, ich meine: Wie man sie ohne Ausziehen davon überzeugt.

Kommentare

431 Kommentare Seite 1 von 30 Kommentieren