March for Our Lives "Wir sind ein unterentwickeltes Land"

Shania Chuckulnaskit, 19, Tulalip, Marysville, Washington

Shania Chuckulnaskit

Meine Schwester war 2014 eines von fünf Opfern eines Amoklaufs an ihrer Schule. Zehn Minuten vorher haben wir noch gesprochen, dann ging sie in die Cafeteria. Dort ist es passiert, sie war in Sekunden tot. Der Täter hat ihr in den Kopf geschossen. Alles begann mit einem einfachen Feueralarm. Meine Freundinnen und ich dachten, es sei eine Übung. Plötzlich kam aber die Polizei und brachte uns alle in eine benachbarte Kirche. Jeder musste seinen Namen angeben, dann kamen die Eltern, um uns abzuholen. Meine Schwester ist nie in dieser Kirche angekommen.

Wir reden zu Hause nie darüber. Zum allerersten Mal ist heute meine gesamte Familie angereist, um sich für striktere Waffengesetze einzusetzen. Bisher kam es mir so vor, als sei meine tote Schwester für andere nur Teil einer Statistik. Jetzt habe ich zum ersten Mal seit ihrem Tod das Gefühl, dass man uns mit unserem Schmerz sieht und hört.


Jacob Adler, 18, Schüler, Los Angeles, Kalifornien

Jacob Adler

Ich kann es kaum abwarten, wählen zu dürfen: Um diese Menschen, die die bisherigen Waffengesetze gemacht haben, abzuwählen. Wir sind als angeblich größte Weltmacht heillos hinterher in so simplen Dingen, wie Kinder in unseren Schulen vor Waffengewalt zu beschützen. Wenn man sich andere westliche Nationen anschaut, sind wir ein unterentwickeltes Land. Ich wünsche mir, dass sich alles ändert.


Darlene Powell, 39, Besitzerin einer Modelagentur, Baltimore, Maryland

Darlene Powell


Als ich 2012 meine Tochter einschulte, waren kurz zuvor an der Sandy Hook Elementary School in Newtown, Connecticut, 20 kleine Kinder erschossen worden, sechs oder sieben Jahre alt. Da überlegt man sich zweimal, ob man sein Kind in die Obhut einer Schule gibt. Seitdem sind mehr als fünf Jahre vergangen – und nichts hat sich verändert.


Jonathan Perez, 16, Schüler, Memphis, Tennessee

Jonathan Perez

Meine Familie ist aus Mexiko in die USA eingewandert. In meinem Heimatland ist Waffengewalt Alltag. Wir haben einige Familienmitglieder deshalb verloren. Aber um ehrlich zu sein: Hier ist es nicht anders. Ein paar Tage nach dem Angriff an der Stoneman Douglas High School in Parkland ging eine Drohung an unserer Schule ein: Es hieß, ein bewaffneter Täter befände sich auf dem Schulgelände. Wir saßen im Klassenraum, eingesperrt. Die meisten von uns standen Todesängste durch. Ich will nicht mehr jeden Tag Angst haben, zur Schule zu gehen.  


Jocelyn Chen, 15, Virginia Beach, Virginia

Jocelyn Chen

Ich war mein Leben lang nicht politisch. Ich war noch nie auf einer Demonstration. Heute ist mein erstes Mal. Aber mich hat diese Bewegung mitgerissen.  

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