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Stille Geburt: Wenn wir morgen aufwachen, ist er tot

Ihr Sohn käme schwer behindert zur Welt, also stimmt die Mutter einer Abtreibung im 6. Monat zu. Wie es sich anfühlt, über Leben und Tod eines Kindes zu entscheiden. Von
Aus der Serie: Der Tod ist groß

Wie gehen Menschen damit um, dass alle sterben müssen? Wir fragen in der Serie "Der Tod ist groß"  nach der Rolle des Sterbens im Leben und in der Gesellschaft. Dieser Text handelt von einer stillen Geburt. So nennt man es, wenn eine Mutter ihr Kind tot zur Welt bringen muss. Bei 0,24 Prozent aller Geburten in Deutschland ist dies der Fall, das entspricht etwa 1.800 Neugeborenen pro Jahr. Etwa 600 davon sind Spätabbrüche nach einer medizinischen Indikation: Das Kind wird, weil es zu schwer behindert oder nicht lebensfähig auf die Welt käme, im Mutterleib getötet und dann unter Wehen geboren. Anna Behrendt* ist eine Mutter, die über Leben und Tod ihres ungeborenen Kindes entscheiden musste.    

Der Schwangerschaftstest

"Wow, dann werden wir also jetzt Eltern." Anna Behrendt hält den positiven Test in der Hand. Geplant haben ihr Ehemann Mika* und sie eine Schwangerschaft zwar nicht, aber auch nicht künstlich verhindert. Wenn es passieren soll, dann passiert es. Anna vertraut auf das Gute im Leben, starre Pläne sind nicht ihr Ding. Ihren Ehemann hat sie auf einer ihrer vielen Reisen kennengelernt, einige Monate später waren sie schon verheiratet. Es ist die große Liebe.

Die Frauenärztin stellt fest, dass Anna in der sechsten Woche schwanger ist, zeigt ihr den Fötus auf dem Ultraschallbild. Eine überwältigende Situation: Ein Mensch wächst in ihrem Bauch heran. Anna verzichtet auf Alkohol, auf Rohmilchkäse, auf Salami. Morgens wird ihr regelmäßig schlecht. Sie mag keinen Kaffee mehr, Orangen dafür umso lieber, jeden Morgen presst sie sich frischen Saft aus. 

Alle vier Wochen geht die 30-Jährige zur Vorsorge zu ihrer Frauenärztin. Auf die freiwillige Nackenfaltenmessung im frühen Stadium der Schwangerschaft, die Hinweise auf die Wahrscheinlichkeit eines genetischen Defekts geben kann, verzichtet sie. 

Die Diagnose

In der 20. Schwangerschaftswoche steht bei Anna ein großer Ultraschall an, das sogenannte Organscreening. Wie die meisten werdenden Mütter freut sie sich darauf: Endlich werden wir das Geschlecht erfahren. Dass es bei dem Termin auch darum geht festzustellen, ob das Baby gesund ist, spielt in ihrer Wahrnehmung keine große Rolle, schließlich fühlt sie sich gut und sicher. Ihr Mann Mika, 28, begleitet sie.

"Es wird ein Junge." Anna und ihr Mann freuen sich. Die Ärztin untersucht weiter alle Organe, beschreibt den beiden, was sie sieht. Mit einem Mal wird es still. Die Ärztin schaut weiter auf ihren Bildschirm, sagt jedoch nichts mehr.

Eins, zwei drei, vier. Anna zählt in ihrem Kopf die Sekunden mit.  Fünf, sechs, sieben. "Länger als zehn Sekunden wird sie ja wohl nicht schweigen", denkt sie und zählt weiter: acht, neun, zehn. Anna wird heiß, ihre Kehle zieht sich zusammen. Sie spürt, dass etwas nicht stimmt. Dann spricht die Ärztin die Worte aus, die alles verändern: "Ich sehe hier eine Auffälligkeit."

Es sei vermutlich zu viel Wasser im Kopf des Babys. Die Ärztin versucht, das Paar zu beruhigen. Sie sollten sich nicht verrückt machen, es sei besser, wenn noch einmal ein Experte aus der Pränatalklinik draufschaue. Im Mutterpass steht nun als Verdachtsbefund: Hydrocephalus, umgangssprachlich Wasserkopf, eine krankhafte Erweiterung der Flüssigkeitsräume im Gehirn.

Zu Hause informiert sich Anna im Internet über das gängige Operationsverfahren, in dem ein Shunt in das Hirnventrikel implantiert wird, ein Schlauch, der die überschüssige Flüssigkeit kontinuierlich den Hals hinab über den Brustkorb bis in den Bauchraum ableitet. Die ganze Nacht liest sie im Netz Geschichten über Menschen, die trotz der Diagnose Hydrocephalus ein mehr oder weniger normales Leben führen. "Okay, dann soll das jetzt so sein", sagt sie sich, "das schaffen wir."

Am Wochenende beschließen sie, dass ihr Kind Aaron heißen soll. 

Vier Tage später hat Anna ihren Termin in der Pränatalklinik. "Hier ist der Oberschenkelknochen, hier die Wirbelsäule", zählt der Arzt auf, der sie untersucht. Anna hört kaum zu, sie verkrampft sich und hofft, er möge doch endlich bei Aarons Kopf ankommen. Schließlich: "Ich kann den Befund bestätigen." Eine halbe Stunde lang vermisst er den Kopf. Anna versucht, vor dem fremden Mann nicht zu weinen. Hinterher telefoniert sie mit Mika: "Ja, es hat sich bestätigt. Kannst du kommen? Es wird länger dauern."

Gemeinsam sitzen sie kurze Zeit später im Büro der Humangenetikerin. Der Befund sei sehr ernst, sagt sie. Zwar gebe es bei der Diagnose Hydrocephalus unterschiedliche Ausprägungen, doch bei ihrem Sohn sei von einem schwerwiegenden Fall auszugehen. Zusätzlich bestehe der Verdacht auf Trisomie 21, das Down-Syndrom. Gewissheit soll eine Fruchtwasseruntersuchung bringen. Annas Bauch wird mit einer langen Nadel punktiert, eine schmerzhafte Prozedur. Erst am Abend kann sie die Klinik wieder verlassen.

Anna und Mika weinen, eine ganze Nacht lang. Zwischendurch nicken sie vor lauter Erschöpfung kurz ein, doch sobald sie ihre Augen wieder öffnen, laufen die Tränen weiter über ihre Gesichter. Nachts um drei geht Anna duschen, lässt das heiße Wasser eine gefühlte Ewigkeit über ihren Körper laufen. Danach steht sie am Fenster, schaut hinaus in die Dunkelheit und fühlt sich ihrem Sohn so verbunden wie nie zuvor. Sie legt die Hand auf ihren Bauch und konzentriert sich darauf, Aaron positive Gedanken zu senden. Und Liebe.

Früh am nächsten Morgen klingelt das Telefon: Es stimmt. Aaron hat zusätzlich das Down-Syndrom. Zum ersten Mal spricht die Ärztin von der Option Schwangerschaftsabbruch.

* Alle Namen wurden auf Wunsch der Protagonisten von der Redaktion geändert.

Die Entscheidung

Wenige Tage später sitzen Anna und Mika in der Praxis eines Kinder- und Neurochirurgen. Bei beiden Diagnosen sei nicht zu 100 Prozent vorhersehbar, wie schwerwiegend sie ausfallen werden. Doch der Hydrocephalus ist sehr stark ausgeprägt, das kann er mit Sicherheit sagen. Wenn die Flüssigkeitsräume im Kopf massiv erweitert sind, lässt dies auf einen Hirnentwicklungsdefekt des Ungeborenen schließen. Das heißt, das Gehirn des Babys kann sich nicht richtig weiterentwickeln. Der Arzt zählt dem Ehepaar auf, welche Operationen wann, wie und wo stattfinden müssten, was direkt nach der Geburt geschehen kann und was erst einige Wochen später. "Nur noch vier Monate, dann wird so also mein Leben aussehen", denkt Anna.

"Überlegen Sie sich, ob Sie mit dem Schlimmsten umgehen könnten", sagt der Arzt. "Wenn Sie glauben, das zu schaffen, spricht nichts dagegen, sich für das Kind zu entscheiden."

Das Schlimmste. Das wäre für Anna, dass ihr Sohn niemals sprechen lernt, dass sie keinen Weg finden, mit ihm kommunizieren. Dass er starke Schmerzen hat. Dass ihn ein Leben im Krankenhaus, mit ständigen Operationen, mit ewigen Ängsten erwartet. Kann sie das schaffen? Kann die Ehe das aushalten? Müssen sie umziehen, in die Nähe von Annas Familie, weil sie auf permanente Hilfe angewiesen sein werden? Wird sie weiter arbeiten können, als Architektin? In Annas Kopf explodieren die Fragen.

Aaron ist jetzt krank, wir schicken ihn noch mal zurück, damit er gesund wiederkommen kann.
Pastorin

In den nächsten Tagen sitzt sie einfach nur im Schlafanzug auf dem Sofa, bis ihr Mann von der Arbeit nach Hause wiederkommt. Einzig die Termine bei ihrer Psychologin nimmt sie wahr. Für die vier Stationen mit der U-Bahn vermummt sie sich, versteckt sich hinter Mütze und Sonnenbrille, verstöpselt ihre Ohren mit Kopfhörern. Sie hat Angst vor Blickkontakt, Angst vor zu viel Nähe, Angst, Bekannte zu treffen, die sie nach ihrer Schwangerschaft fragen könnten.

Mit Mika, ihrer Mutter, ihrer Psychologin wägt sie jedes Argument und jedes Szenario immer wieder ab – bis die Gewissheit schließlich da ist: Sie will den Abbruch. Zu groß erscheinen ihr die Herausforderungen, die sich vor ihr auftürmen. Es dauert noch einige Tage, bis Anna sich traut, ihre Entscheidung laut auszusprechen.

Bevor der Schwangerschaftsabbruch jedoch wirklich durchgeführt werden kann, muss sich Anna einem Komitee der Klinik vorstellen, das der Entscheidung geschlossen zustimmen muss. Sie spricht mit fünf Personen: einer Pastorin, einem Kinderarzt, einer Hebamme, einer Psychologin und dem zuständigen Gynäkologen. "Aaron ist jetzt krank, wir schicken ihn noch mal zurück, damit er gesund wiederkommen kann", sagt die Pastorin. Dieser Satz hilft Anna am meisten.

Der Eingriff

Anna wartet auf eine Rückmeldung der Klinik, wann sie kommen darf; sie hat mittlerweile die 24. Schwangerschaftswoche abgeschlossen. Ihre Mutter reist an, sie gehen spazieren, kochen gemeinsam, reden über alles Mögliche. Gleichzeitig versucht Anna, diese letzte Zeit so bewusst wie möglich mit Aaron zu verbringen. Mika hat zu diesem Zeitpunkt schon Abschied genommen, er will und kann sich nicht mehr auf den Kontakt zu seinem Sohn einlassen.

Anna überlegt, was Aaron nach seiner Geburt tragen soll und entscheidet sich für ein weiches, weißes Leintuch, in das er gewickelt werden kann. Sie besorgt Geschenke, die sie ihm mitgeben will: ein Sorgenpüppchen, winzige Armbänder aus Wollfäden und zwei kleine Amethysten. Die violetten Steine stehen in der Esoterik für Stärke. Wie jede werdende Mutter packt sie eine Kliniktasche: bequeme Kleidung für sich, Musik, Wehen-Öl, Kerzen und Palo-Santo-Öl, das reinigend wirken soll. Damit will sie Aaron einreiben.

"Sie können jetzt kommen, wenn Sie bereit sind." Anna kann kaum antworten, hält den Telefonhörer in der Hand und räuspert sich schließlich: "Ja, okay", sagt sie und legt auf.  Immer, wenn sie traurig ist oder Angst hat, kann sie den Kontakt zu anderen Menschen und deren Trost kaum ertragen. Sie geht allein ins Bad, aus dem Sichtfeld ihrer Familie, schließt die Tür und weint. Jetzt ist es also so weit.

Mit ihrem Mann und ihrer Mutter bricht sie auf, sie reden nur das Nötigste auf dem Weg zur Klinik: Stell mal das Navi ein, guck, hier ist ein Parkplatz. Da es schon Abend ist, herrscht in der Klinik kein regulärer Betrieb mehr; einzig der Arzt und eine Schwester warten auf Anna. So muss sie keine glücklichen Schwangeren sehen, keine dicken Bäuche.

Es gibt mehrere Varianten, um das Leben des Ungeborenen noch im Bauch der Mutter zu beenden. Anna entscheidet sich für das Spritzen eines Muskellähmungsgifts ins Fruchtwasser. Aarons Herz wird dadurch immer langsamer schlagen und schließlich stehen bleiben. "Diesen Weg kann ich noch am ehesten ertragen", sagt sie.

Sie unterschreibt die notwendigen Formulare und geht in das Zimmer, das sie noch von der Diagnose wenige Wochen vorher kennt. Es riecht nach Desinfektionsmitteln, es ist nichts zu hören außer dem Summen der Technik. Niemand spricht. Anna versucht, sich an das zu halten, was sie mit ihrer Psychologin erarbeitet hat. Sie konzentriert sich ganz auf sich und Aaron und schafft es, alles um sie herum auszuschalten. Als sie die Spritze spürt, atmet sie gleichmäßig und tief. Ein und aus.

Zu Hause legt sich Anna auf ihr Bett. Sie weiß, wenn sie morgen früh aufwacht, wird Aaron schon nicht mehr leben. Sie achtet auf seine Bewegungen, massiert ihren Bauch mit Lavendelöl, will ihn damit streicheln. Sie spielt ihm klassische Musik vor. "Vielleicht beruhigt ihn das", denkt sie. Sie will nicht, dass er Angst hat. Irgendwann schläft sie ein.

Die Geburt

Der Wecker klingelt. Anna steht auf. Geht ins Bad. Nimmt die Tabletten, die der Arzt ihr gestern mitgegeben hat, damit die Wehen ausgelöst werden. Dann fährt sie mit ihrer Mutter und Mika ins Krankenhaus.

Die Märzsonne scheint warm durch das Fenster ihres Einzelzimmers. Im Hintergrund läuft wieder klassische Musik, während Annas Wehen langsam stärker und schmerzhafter werden. Alle zwei Stunden bekommt sie von der Krankenschwester das Wehenmittel und nach Bedarf Schmerzmedikamente; regelmäßig kontrolliert die Hebamme ihren Muttermund.

Die Sonne geht unter. Annas Wehen sind nun sehr stark und sie wird in den kleinen Kreißsaal gebracht. Die Wände sind in einem dunklen Lila gestrichen, einzig am Waschbecken brennt ein wenig Licht. Anna fühlt sich wie in einem sicheren, ruhigen und friedlichen Kokon.

Die Hände hat er von mir. Die Füße kommen eher nach dem Papa.
Anna Behrendt

Es dauert noch einige Stunden, bis sie schließlich anfängt zu pressen. Mit aller Kraft konzentriert sie sich auf die Geburt. Nur sie und Aaron zählen in diesem Moment. Nach der zweiten Presswehe ist sein Kopf zu sehen, Anna fasst intuitiv nach unten und fühlt ihn zwischen ihren Fingern. Nach der nächsten Wehe ist Aarons Kopf draußen. "Könnt ihr ihn sehen?", ruft Anna. Ihre Mutter schaut hoch zu ihr, löst ihren Blick vom Gesicht ihres Enkels. "Ich kann ihn sehen", sagt sie. Noch einmal pressen, dann ist er geboren.

Erst jetzt ist zu spüren, dass diese Geburt anders ist als andere. Alles bleibt ruhig, Aaron schreit nicht.

Anna schaut in das Gesicht ihres Sohns, betrachtet alle Details: seine winzigen, geschlossenen Augen, die Stupsnase und seinen dunkelroten Mund, aus dem, nicht ungewöhnlich für Down-Syndrom-Kinder, die Zungenspitze ein wenig heraushängt. Sein Kopf ist vergrößert, deutlich ist der Hydrocephalus zu erkennen. "Die Hände hat er von mir", denkt sie. Die Füße kommen eher nach dem Papa.

Sie schwebt wie auf einer Wolke, allein mit ihrem Sohn, getragen von den Hormonen, die bei der Geburt ausgeschüttet wurden und von der Erleichterung, die schmerzhafte Entbindung geschafft zu haben. Ihre Trauer wird später kommen.

Der Abschied

Die ganze Nacht bleiben sie alle im Kreißsaal. Abwechselnd nehmen sie Aaron, der mittlerweile in sein Leinentuch gewickelt wurde, auf den Arm, küssen und streicheln ihn. Anna legt Aaron die Wollarmbänder an; an jedes Handgelenk eins, dazu jeweils ein kleiner Amethyst. Sie reibt ihm ein wenig Öl auf die Stirn und cremt raue Stellen auf seinen Lippen ein.

Vorher hat Anna vereinbart, dass eine Sternenkind-Fotografin – Fotografen, die ehrenamtlich Bilder verstorbener Neugeborener machen – zu ihr in die Klinik kommt. Wenige Stunden nach Aarons Geburt ist sie da.

Die Sonne geht auf. Aaron wird in ein Weidenkörbchen gelegt, eine Pastorin kommt und bringt Geschenke für ihn: ein Holzkreuz und einen Bronzeengel. Anna weiß, dass sie Aaron nun gehen lassen muss. Eine Krankenschwester nimmt ihren Sohn mit.

Kaum ist sie zu Hause, wird die Trauer real: Anna vermisst ihr Baby, will unbedingt zurück ins Krankenhaus, hält den Schmerz kaum aus. Sie liegt den ganzen Tag im Bett, weint pausenlos, sucht absichtlich Streit mit ihrem Ehemann. Sie weiß nicht, wohin mit dieser Einsamkeit, die sie auf einmal spürt. 

Zwei Tage später

Anna darf Aaron noch einmal sehen: in der Pathologie des Krankenhauses. Als die Tür geöffnet wird, schafft sie nur einen winzigen Schritt in den Raum hinein. Das wird der endgültige Abschied sein. Die Tränen laufen ihr über das Gesicht,  Anna kann kaum etwas erkennen. Schritt für Schritt tastet sie sich weiter vor, geht auf ihren Sohn zu. Seine Hände liegen übereinander auf seinem Bauch, zwischen den Fingern das Sorgenpüppchen. Er sieht verändert aus, der Tod ist nun nicht mehr zu übersehen. Anna nimmt ihm eins der beiden Armbänder ab, um es für sich aufzuheben. Das zweite behält Aaron.

In den Wochen nach der Bestattung verlässt Anna das Haus nur, um zu ihrer Psychologin und zur Nachuntersuchung bei der Ärztin zu gehen. Oft glaubt sie, den wahnsinnigen Schmerz nicht länger aushalten zu können. Und gleichzeitig spürt sie eine große Liebe zu ihrem Sohn. "Diese Liebe hat mich durch die ganz schweren Tage getragen", sagt sie heute. Unendliche Mutterliebe, die mit einer unendlichen Trauer ums eigene Kind zusammenfällt – darauf kann einen niemand vorbereiten. "Wer soll sich so etwas auch vorstellen können?",  fragt sie.

Sieben Monate später

Anna arbeitet wieder als Architektin, geht zum Yoga und wieder auf Reisen. Dann kommt plötzlich der Moment, in dem sie mit ihrem Mann über ihren Wunsch nach einem zweiten Kind reden will. Zunächst blockt er ab: "Das ist zu früh, ich bin noch nicht so weit", sagt er.

Wenige Wochen danach kommt Mika von der Arbeit nach Hause und sagt: "Anna, jetzt. Lass uns loslegen."

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