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"Tatort" Ludwigshafen: Bis auf die Knochen

Ein Teamwochenende im Schwarzwald? Kommissarin Lena Odenthal kämpft im "Tatort" mit schlechtem WLAN, Eiseskälte und menschlichen Knochen im vegetarischen Auflauf. Horror.

Im Ludwigshafener Tatort: Waldlust geht es für Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und ihr Team für ein Coachingwochenende in ein abgelegenes Hotel im Schwarzwald. Dort angekommen, stellt sich der Lorenzhof als ziemlich heruntergekommen heraus, der Besitzer Bert Lorenz wirkt abweisend. Als die Polizisten während des Abendessens einen menschlichen Knochen finden, wird aus dem gemeinsamen Ausflug ein veritabler Fall. Bald stellt sich heraus, dass Bert Lorenz wegen Mordes an seiner Schwägerin zwölf Jahre lang im Gefängnis saß. Lorenz bestreitet die Vorwürfe. Seit seiner Entlassung führt er einen Privatkrieg mit dem lokalen Polizistenpärchen Jörn und Elli Brunner. Wurde Odenthal bewusst zum Lorenzhof gelockt? Und gibt es hier tatsächlich einen Mordfall zu lösen? Als ein Schneesturm das Hotel von der Außenwelt abschneidet, wird der Aufenthalt immer mysteriöser – und gruseliger.  


1. Worüber werden am Montag alle reden?

Christian Buß: Hat da jemand Shining mit babbelnden Laiendarstellern vor Schwarzwald-Kulisse gedreht? Dieser viele Thrillerklassiker zitierende Tatort ist bereits die zweite Folge aus Ludwigshafen, die mit improvisierenden Schauspielern gedreht wurde. Leider immer noch ein sehr zähes Vergnügen.

Lars-Christian Daniels: Wer hat beim zweiten Impro-Tatort von Axel Ranisch überhaupt noch eingeschaltet? Und vor allem: Wer hat länger als eine Viertelstunde durchgehalten? Der erste lockte im Februar 2017 gerade einmal sechseinhalb Millionen Zuschauer vor den Fernseher, von denen rund eine Million schon nach fünfzehn Minuten wieder abschaltete. Diesmal dürfte die Quote ähnlich ernüchternd ausfallen.

Matthias Dell: Über den Mitgliederentscheid der SPD.

Kirstin Lopau: Wir werden Montag alle erleichtert aufatmen und sagen: "Na, es geht doch in Ludwigshafen!" Vielleicht ist der Kopper-Abgang tatsächlich ein nötiger Neuanfang. 


2. Was haben Sie aus diesem "Tatort" gelernt?

Christian Buß: "Die Landschaft lässt die Stille der Dinge erklingen." So die Dezernatssekretärin bei ihrer morgendlichen Tai-Chi-Übung.

Lars-Christian Daniels: Klassische Musik macht noch lange keinen klassischen Tatort.

Matthias Dell: Sich von Uniformen nicht beeindrucken zu lassen.

Kirstin Lopau: Teamwochenenden ohne Zucker, ohne Kaffe, ohne Fleisch, Handy, MP3-Player und sonstige Technik in einem heruntergekommenen Hotel irgendwo im Nirgendwo sollte man tunlichst vermeiden. Sätze wie "Ich bin ein Teil des Teams, das Team ist ein Teil von mir" übrigens auch. Wir haben gelernt, dass sich jedermann Coach nennen darf. Vor allem aber sehen wir mal wieder, dass das Motiv des abgelegenen Handlungsortes, hier das Hotel Lorenzhof (der "Hodschpodd derAchtzigerjahre"), in einem Krimi nicht nur bei Agatha Christie funktioniert.


3. Welche Frage bleibt offen?

Christian Buß: War das jetzt eigentlich der letzte Improv-Tatort – oder kommt da noch was?

Lars-Christian Daniels: Ob die ARD in diesem Jahr noch ein drittes Tatort-Experiment auf die Zuschauer loslassen wird? Nach dem grandiosen Meta und dem grausamen Waldlust hängt schließlich immer noch Murot und das Murmeltier in der Warteschleife, den der Hessische Rundfunk schon vor Monaten abgedreht hat. Angesichts der neuen Experiment-Obergrenze werden wir uns wohl noch ein bisschen gedulden müssen.

Matthias Dell: War das Seminar für das Revier post-Kopper nun erfolgreich oder nicht?

Kirstin Lopau: Wo waren eigentlich die Zwillinge von Frau Stern an diesem Teamwochenende?


4. Welche Rolle hätte man besser besetzen sollen? Und mit wem?

Christian Buß: Besser besetzen? Nö. Besser spielen? Ja. Die Form der Improvisation, die Regisseur Axel Ranisch so effizient und klug bei Filmen wie Alki, Alki eingesetzt hat, hemmt das Tatort-Ensemble eher, als dass sie es befreit.

Lars-Christian Daniels: Stellen wir die Frage lieber andersherum, um dieser mittelschweren Tatort-Katastrophe überhaupt etwas Positives abzugewinnen: Peter Becker (Peter Espeloer) hat mir diesmal gut gefallen. "Mit dem Messer hab ich heute Morgen noch die Brötchen aufgeschnitten!"

Matthias Dell: Ranischs Oma, Ruth Bickelhaupt, ist zwar rührend, aber für eine Ex-Diva viel zu undivös. Andererseits: Brigitte Horney ist eh lange tot.

Kirstin Lopau: Mal wieder keine. Die Charaktere sind sehr gut besetzt!


5. Von welcher Szene werden Sie träumen?

Christian Buß: Von dem dicken nackten Coach im Wellnesshotel, der seinen schweren Körper nach dem Saunagang im Schnee wälzt.

Lars-Christian Daniels: Von fast allen. Und dann wache ich auf, die ergraute Diva Lilo Viadot (Ruth Bickelhaupt) wedelt im Ballkleid mit ihrer weißen Federboa vor meiner Nase herum und ich bemerke: Dieser Tatort ist ja noch gar nicht vorbei. Ich bin nur wieder eingenickt oder habe mich unterbewusst in den Schlaf geflüchtet.

Matthias Dell: Vom Psycho-Coach, der beim Saunieren genervt gegen die Holzwand klopft – interessanter Move in dem Umfeld.

Kirstin Lopau: Vom Knochen im vegetarischen Auflauf. Und von der Szene, als im Lorenzhof plötzlich das Licht ausgeht.


6. Von 0 (super spannend) bis 10 (schon um halb neun eingeschlafen): Wie viele goldene Schlafmützen bekommt dieser "Tatort"?

Christian Buß: 6 Schlafmützen 😴😴😴😴😴😴

Lars-Christian Daniels: 10 Schlafmützen 😴😴😴😴😴😴😴😴😴😴

Matthias Dell: 5 Schlafmützen 😴😴😴😴😴

Kirstin Lopau:  2 Schlafmützen 😴😴  Weiter so, Ludwigshafen!

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