© Alexander Hoepfner für ZEIT ONLINE Foto: Allef Vinicius/Unsplash

Analsex "Wie kann Analverkehr für uns beide schön sein?"

Die Erforschung dieser Körperregion setzt einiges an Achtsamkeit voraus, damit es lustvoll wird: Beim Analverkehr geht es immer auch um die Überwindung von Tabus. Von
Aus der Serie: Schlafzimmerblick

In unserer neuen Kolumne "Schlafzimmerblick" beantwortet die Sexualtherapeutin Angelika Eck regelmäßig Ihre Fragen zu Liebe, Sex und Partnerschaft. Denn über nichts wird häufiger geschwiegen. Das wollen wir ändern.

Clara N., 25

Mein Freund wünscht sich immer verschiedene Stellungen, was ich eigentlich auch ganz gut finde. Seit Neuestem will er aber auch Analsex praktizieren, was für mich schmerzhaft ist. Wie kann das für uns beide schön sein?

Die Analregion ist sehr empfindsam und dadurch eine erogene Zone mit großem Potenzial. Bei Ihren bisherigen Sexualpraktiken konnten Sie vermutlich munter drauflos experimentieren. Wie Sie am Schmerz gemerkt haben, braucht der Anus hingegen besondere Aufmerksamkeit, damit seine Penetration lustvoll erlebt werden kann.

Anatomisch handelt es sich um eine Ausgangsöffnung unseres Körpers. Dass etwas hinein soll, läuft den dort geltenden Spielregeln entgegen. Das ist nur die körperliche Ebene. Kulturell spielen wir am Hintern mit einem vielschichtigen Tabu – es geht um Begriffe wie Sodomie, Fäkalien, Macht und Unterwerfung. Das kann gerade der Kick analer Praktiken sein, aber auch Widerstände, Ängste oder Ekel auslösen. Körperliche Anspannung, Gefühle und Gedanken beeinflussen sich wechselseitig. Daher ist es wichtig, sich auf allen Ebenen aufmerksam anzunähern. Erwarten Sie nicht zu viel auf einmal.

Der Anus will verführt werden. Wie das geht? Sehen Sie sich vielleicht erst einmal eine anatomische Zeichnung an. Eine Landkarte im Kopf zu haben, hilft zu verstehen, was Sie dort wahrnehmen. Sie werden zum Beispiel sehen, dass es zwei Schließmuskeln gibt, einen äußeren, den wir willkürlich steuern können, und einen inneren, der normalerweise vom vegetativen Nervensystem gesteuert wird. Nehmen Sie sich etwas Zeit, um den eigenen Anus zu erkunden und zu spüren, wie er durch tiefe Atmung und bewusstes Spiel mit der Muskulatur weicher wird. Mit der Zeit können Sie die Analregion auch in die Selbstbefriedigung einbeziehen. Am besten, Ihr Partner probiert das bei sich selbst auch aus, dann kann er sich besser in Sie hineinversetzen.

© Susanne Lencinas

Als Paar können Sie Ihre bisherige Spielfreude direkt nutzen, sie allerdings so verlangsamen, dass Sie zunächst streicheln oder lecken und mit den Fingern sanft ins Innere vordringen. Falls Sie weitergehen möchten, probieren Sie in der Situation selbst erst einmal verschiedene Stellungen aus. In der für Sie am entspanntesten können Sie den Penis langsam, mit Phasen des Stillstands zur weiteren Entspannung, in sich aufnehmen. Wenn Sie sich fein miteinander abstimmen und Ihr Freund seine Erregung dafür hinreichend regulieren kann, gewinnen Sie nicht nur eine neue Praktik hinzu, sondern können auch eine besonders intime Verbindung erleben.

Noch ein Wort in Sachen Hygiene: Im letzten Darmabschnitt befindet sich nur ab und zu Darminhalt, die meiste Zeit über ist er frei davon. Direkt nach dem Analverkehr sollte der Penis jedoch nicht in die Vagina eingeführt, sondern vorher gesäubert oder das Kondom gewechselt werden, da Bakterien aus dem Darm in der Scheidenflora keine gern gesehenen Gäste sind.

Sollten Sie merken, dass Sie diese Praktik bei aller Achtsamkeit nicht wollen oder weiterhin Schmerzen haben, entspannen Sie sich und nutzen Sie Ihre sexuelle Neugier einfach für etwas anderes.

Kommentare

281 Kommentare Seite 1 von 15 Kommentieren