© Alexander Hoepfner für ZEIT ONLINE Fotos: Kniel Synnatzschke; Martin Barraud/plainpicture

Sexwünsche "Ich wünsche mir heftigeren Sex mit meinem Freund"

Den Mann während des Liebesspiels dazu aufzufordern, würde ihn depotenzieren. Es gibt aber andere Möglichkeiten, diesen Wunsch umzusetzen, ohne den Partner zu verletzen. Von
Aus der Serie: Schlafzimmerblick

In unserer neuen Kolumne "Schlafzimmerblick" beantwortet die Sexualtherapeutin Angelika Eck regelmäßig Ihre Fragen zu Liebe, Sex und Partnerschaft. Denn über nichts wird häufiger geschwiegen. Das wollen wir ändern.

Lisa M., 45

Mein Freund ist ein sehr zärtlicher Liebhaber. Ich wünsche mir aber, dass er mich fester rannimmt. Wie kann ich ihm das deutlich machen, ohne ihn mit einem Gespräch unter Druck zu setzen?

Mit Ihrem Anliegen rühren Sie an ein Männlichkeitsthema: Was macht einen guten Liebhaber aus? Was darf er sich nehmen, was soll er geben? Was ist zu wenig, was zu viel Rücksichtnahme? Sie ahnen, dass Sie sensibles Terrain betreten.

Eine erotische Stärke Ihres Freundes scheint seine Fähigkeit zu sein, behutsam und zärtlich zu agieren. Vielleicht basiert sein erotisches Repertoire auf Botschaften oder bisherigen Erfahrungen mit Frauen, die ihm nahelegten, er solle vor allem ein rücksichtsvoller Liebhaber sein. Für viele Männer ist es nicht einfach, einfühlsam und fordernd zugleich zu sein. Oder die eigene Lust voll zu genießen, ohne sekündlich sicherzustellen, dass die Partnerin alles hat, was sie braucht.

Sie sprechen mit Ihrem Wunsch einen anderen Modus an: Sie wünschen sich, dass Ihr Freund sich selbst erlaubt, Sie stärker anzufassen und vielleicht etwas dominanter zu führen. Wenn Sie im Gespräch appellieren würden: "Sei dominanter!", kämen Sie allerdings in die etwas paradoxe Situation, ihn mit Ihrer Anforderung indirekt zu depotenzieren. Also das Gegenteil von dem, was Sie wollen.

© Susanne Lencinas

Die spannende Frage ist, wie Sie ihn eleganter dahin bringen könnten: nämlich durch Einladung und Spiel. Wenn Sie Sex haben, können Sie jede stärkere Berührung, die ihm unterläuft, positiv rückmelden, zum Beispiel mit: "Mmmh, das fühlt sich gut an, fass mich ruhig noch fester an". Im Kern geht es darum, mitten im Geschehen zu ermutigen oder zu intensivieren, was Sie erregend finden. Da funktioniert entweder, indem Sie ihn selbst durch kraftvollere Berührungen oder Bewegungen zur Antwort anregen. Oder indem Sie in passiver Gespanntheit warten, bis er mehr tun muss, um Sie zu erreichen.

Wenn Sie sich selbst als Verführerin zeigen, sind Sie sogleich selbst unabhängiger und sich ihrer eigenen erotischen Kraft sicher. Zusätzlich könnten Sie ihm nach einer sexuellen Begegnung ins Ohr flüstern, wovon er sich mehr erlauben darf. Falls sich auf diesem Wege nichts verändert oder Ihr Freund ängstlich reagiert, können Sie einen sinnlichen Austausch anzetteln: Sie könnten ein Spiel machen. Es heißt A oder B. Sie berühren ihn auf sanfte Weise. Das ist A. B wäre ein kraftvolles Kneten. Sie raten, ob er lieber A oder B mag, er löst das Rätsel auf. Dann ist er an der Reihe, Sie zu berühren und ihre überraschenden Antworten zu erfahren.

Wenn Sie ihm zeigen, dass Sie das Selbstbewusstsein haben, sich nehmen zu lassen, hat er die Chance, einen ihm vielleicht selbst noch unbekannten Teil seiner Erotik kennenzulernen. Und sich mehr aus seiner Haut zu trauen.

Kommentare

202 Kommentare Seite 1 von 14 Kommentieren