Sexstellungen "Warum möchte mein Freund so oft die Stellung wechseln?"

Gar nicht gut, wenn man sich im Bett wie die Statistin im Theater fühlt und hin- und hergewendet wird wie ein Sofakissen. Dann ist es Zeit, die Regie zu übernehmen. Von
Aus der Serie: Schlafzimmerblick

In unserer Kolumne "Schlafzimmerblick" beantwortet die Sexualtherapeutin Angelika Eck regelmäßig Ihre Fragen zu Liebe, Sex und Partnerschaft. Denn über nichts wird häufiger geschwiegen. Das wollen wir ändern.

Nina F., 23

Mein Freund will jedes Mal, wenn wir miteinander schlafen, drei bis vier verschiedene Stellungen durchspielen. Ich glaube, weil er das so aus Pornos kennt, aber gefragt habe ich ihn noch nicht danach. Mir ist das alles sowieso zu viel, ich brauche das nicht, und was soll das überhaupt?

Aus Ihren Zeilen lese ich den Überdruss einer Frau, die in der gemeinsamen Sexualität mit ihrem Partner nicht vorkommt. Es wirkt, als würden Sie als Statistin in einem Theaterstück mitwirken. Da Sexualität ein Lustgeschehen ist und ich mir Sie unter diesen Bedingungen nicht als lustvolles Wesen vorstellen kann, ist es kein Wunder, dass Sie auf diese immer gleiche Inszenierung gerne verzichten würden.

Damit machen Sie etwas deutlich, das jedes Paar betreffen kann: Zwei Menschen können unterschiedlich sexuell sozialisiert sein. Wir lernen im Verlauf unserer sexuellen Entwicklung, bestimmte Reize, Sinneseindrücke und Handlungen sexuell aufzuladen. Wir bevorzugen und trainieren bestimmte Arten der Stimulation, die sich als besonders effektiv für die Erregungssteigerung erweisen und emotional befriedigend sind. Dafür bilden wir bestimmte Verhaltensmuster mit unseren Sexualpartnern heraus. Ihr Freund hat aus Pornos oder bisherigen sexuellen Erfahrungen die Fähigkeit entwickelt, bestimmte Stellungen für seinen Lustgewinn zu nutzen. Fragen Sie ihn, wie er Ihren gemeinsamen Sex erlebt und was ihn an den Stellungen reizt.

Möglicherweise haben Sie selbst gar nichts gegen die Stellungen an sich einzuwenden. Es ist das Wort "durchspielen" in Ihrer Beschreibung, das darauf hindeutet, dass Sie sich als Objekt zum Zweck seiner Erregung instrumentalisiert erleben – und etwas vermissen: eine Verbindung zwischen Ihnen zu fühlen, gemeinsam den Fluss der Begegnung zu lenken, flexibel aufeinander zu reagieren.

Vielleicht versteht er das, vielleicht ist es ihm einfach fremd, weil er diese Art Sex noch nicht kennt. Wenn Ihnen klar geworden ist, welche erotischen Qualitäten Sie gerne erzeugen würden, sollten Sie dafür sorgen, dass Sie als Regisseurin aktiv werden und dass Ihrem Partner dies nicht entgeht.

© Susanne Lencinas

Der spirituell orientierte Autor David Deida hält in seinem Buch Finding God Through Sex erstaunlich pragmatische Ratschläge bereit. Unter anderem empfiehlt er, eine Frau solle nicht eingeschnappt sein, wenn ihr Partner beim Sex auf Teile ihres Körpers bzw. auf seine eigene Lust oder die Empfindungen in seinem Penis fixiert sei. Sondern sie solle ihn Kraft ihrer Liebe und Schwingungsfähigkeit immer wieder neu dazu einladen, sie als Ganzes zu sehen und zu durchdringen. (Bitte verstehen Sie das nicht so geschlechterstereotyp, wie es daherkommt.) Angenommen, Sie würden ihn – "Hallo, hier bin ich!" – mit Blicken, Gesten und Worten immer wieder in die Präsenz einladen: Es könnte ihn irritieren, vielleicht die Erektion kosten. Es könnte Sie beide aus dem Takt bringen und verlegen machen. Das macht nichts. Es bedeutet lediglich, dass Sie miteinander im Kontakt über das Geschehen sind. Dass Sie persönlich sichtbar werden – als würde sich mitten im Stück das Skript verändern.

Wir könnten es auch erotische Paarentwicklung nennen. Oder Improvisationstheater, was Sex im besten Fall ist: ein Spiel, bei dem wir kein fertiges Drehbuch haben, sondern mal holprig, mal elegant im Hier und Jetzt dafür sorgen können, dass es irgendwie interessant weiter geht.

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