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"Tatort" Dresden Ein Klick und du bist weg

Als eine junge Frau tot vor einem Club aufgefunden wird, ermitteln die "Tatort"-Kommissarinnen Sieland und Gorniak im Onlinedating-Milieu. Doch das Liebesspiel eskaliert.

Im Dresdner Tatort: Wer jetzt allein ist wird die 22-jährige Studentin Doro Meisner erdrosselt vor einem Club aufgefunden. Bei ihren Ermittlungen stoßen die Kommissarinnen Henni Sieland (Alwara Höfels) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski) auf eine Gruppe junger Männer, die sich die "Vogeljäger" nennen – und allesamt von Meisner unter dem Alias Birdy auf einem Onlinedatingportal betrogen worden sein sollen. Dabei hatte sich Meisner schon längst von der Plattform Love Tender abgemeldet. Die Betreiber geraten unter Verdacht, Nutzer mit falschen Profilen finanziell auszunutzen. Bald ermitteln Sieland und Gorniak zwei Mordverdächtige. Einer von ihnen, Petrick Wenzel, pflegt seine sterbenskranke Mutter und sucht nach der großen Liebe. Der zweite Tatverdächtige ist der junge Unternehmer Andreas Koch. Auch er war in der Mordnacht vor Ort. Als eine Zeugin in Lebensgefahr gerät, entschließen sich die Kommissarinnen gegen den Willen ihres Vorgesetzten Schnabel für einen Undercover-Einsatz – und tauchen auf der Suche nach den Tätern in die Welt des Onlinedatings ein. Doch bald drohen die Ermittlungen außer Kontrolle zu geraten. 

1. Worüber werden am Dienstag alle reden?

Christian Buß: Über Freud und Leid des Flirtens in Zeiten von Tinder.

Lars-Christian Daniels: Ob Karin Hanczewski wirklich "eine 8" ist – und wie man wohl selbst auf der Hot-or-not-Skala abschneidet.

Matthias Dell: Dass Alwara Höfels als Henni Sieland zwar einen besseren Film zum Abschied verdient hätte, dieser Film aber die beste Begründung für ihren Abschied ist. 

Kirstin Lopau: Darüber, dass es blöd ist zu gehen, wenn es am schönsten ist: Dieser Tatort ist der beste des Dresdner Duos.


2. Was haben Sie aus diesem "Tatort" gelernt?

Christian Buß: Sachsen kann auch Thriller. Nach vielen Enttäuschungen liefert der Dresden-Tatort endlich mal robuste Krimiunterhaltung.

Lars-Christian Daniels: Alwara Höfels hat im Nachhinein vielleicht alles richtig gemacht: Sie hört mit dem Tatort auf, wenn es gerade am schönsten ist. Nach dem tollen Vorgänger Déjà-vu aus dem vergangen Januar legt der MDR mit einem überzeugenden Krimi nach und beschert Höfels einen würdigen, wenn nicht ganz geräuschlosen Abschied.

Matthias Dell: Dass Geld und gutes Aussehen die Chancen auf eine Partnerschaft nicht erhöhen.

Kirstin Lopau: Wir lernen: "Eine Mutter hat nichts gegen einen Teenager in der Hand. Er hat sie in der Hand." Man brauche keinen Babysitter mehr, sondern einen Kerkermeister (am besten wählt man dafür den eigenen Chef aus, da kann der Spross nicht so rebellieren).

3. Welche Frage bleibt offen?

Christian Buß: "Sind sie nicht 'n bisschen alt für eine Ü-30-Party?", fragt eine der Ermittlerinnen einen älteren Mann, der noch bei seiner Mutter lebt und öfters solche Veranstaltungen besucht. Nur, wann ist man eigentlich zu alt für eine Ü-30-Party?

Lars-Christian Daniels: Wer ist jetzt am alleinsten: Karin Gorniak, die sich eine neue Partnerin suchen muss? Henni Sieland, die ihren Freund verlassen hat und das gemeinsame Kind abtreiben will? Oder Kommissariatsleiter Schnabel, der mit einem Teenager ein Rockkonzert besucht?

Matthias Dell: Warum telefonieren die Leute immer mit dem Rücken zum Täter?

Kirstin Lopau: Wann verlässt Henni die Polizei? Und wer hat den Account von Birdy nun gehackt?

4. Welche Rolle hätte man besser besetzen sollen? Und mit wem?

Christian Buß: Die männlichen Charaktere sind hier sehr schwach. Entweder Prinz Protz mit Swimmingpool im Keller oder Muttersohn mit Erdnussflips auf dem Fernsehtisch. Da kann auch ein eigentlich cooler Schauspieler wie Aleksandar Jovanovic nichts ausrichten.

Lars-Christian Daniels: Datingportalbetreiber Thomas Frank (Bernd-Christian Althoff) und Betrugsopfer Silversurfer (Daniel Hoevels) sind nur wandelnde Klischees, spielen in diesem Tatort aber zum Glück nur eine kleine Nebenrolle. Von daher: passt.

Matthias Dell: Die von Mutti Wenzel – mit einer verwesten Leiche.

Kirstin Lopau: Keine. Die Onlinedatepartner waren alle herrlich klischeehaft vom gestörten Muttersöhnchen bis hin zum erfolgreichen Jungunternehmer, aber das passt absolut zum Film.


5. Von welcher Szene werden Sie träumen?

Christian Buß: Von Peter Alexander, mit dem Revierleiter Schnabel den halbwüchsigen Sohn von Kommissarin Gorniak beim Babysitten beschallt, als der nicht seine Hausaufgaben machen will.

Lars-Christian Daniels: Von Karin Gorniak und Andreas Koch beim liebestollen Unterwasserkampf – nackt, wie Gott sie schuf.

Matthias Dell: Von der erschreckend undynamischen Ankunft der drei Polizeiautos im Finale. 

Kirstin Lopau: Von Hennis gekonnten Chatfantastereien! Sie weiß, wie man flirtet.


6. Von 0 (super spannend) bis 10 (schon um halb neun eingeschlafen): Wie viele goldene Schlafmützen bekommt dieser "Tatort"?

Christian Buß:  3 Schlafmützen 😴😴😴

Lars-Christian Daniels: 3 Schlafmützen 😴😴😴

Matthias Dell:  7 Schlafmützen 😴😴😴😴😴😴😴

Kirstin Lopau: 1 Schlafmütze. Von Anfang bis zum Ende sehr spannend! 😴

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