© rbb/Conny Klein

"Tatort" Berlin Selfie mit einer Leiche

Ein erschlagener Barista auf dem Ku'Damm und eine tote Joggerin im Wald: Erleben die Berliner "Tatort"-Kommissare Rubin und Karow den Haupstadtlifestyle in ganzer Härte?
Aus der Serie: Tatort-Kritikerspiegel

Kommissarin Nina Rubin (Meret Becker) und Kommissar Robert Karow (Mark Waschke) werden zu Beginn des Berliner Tatorts Tiere der Großstadt mit gleich zwei Toten konfrontiert. Am Kurfürstendamm liegt Tom Menke, Betreiber des voll automatisierten Coffeeshops Robista, leblos vor seinem Geschäft. Im Grunewald findet eine Bloggerin den versehrten Körper von Carolina Gröning. Menke scheint bei der Wartung seines Baristaroboters ums Leben gekommen, Gröning beim Joggen Opfer einer Wildschweinattacke geworden zu sein. Im Zuge der Ermittlungen geraten die jeweiligen Ehepartner unter Verdacht, Zeugenaussagen widersprechen sich. Haben die beiden Fälle miteinander zu tun?

1. Worüber werden am Montag alle reden?

Christian Buß: Über den voll automatisierten Coffeeshop am Ku'damm – die Hauptstadt, seelenlos, wie man sie noch nicht gesehen hat.

Lars-Christian Daniels: Über den Kaffeeroboter am Ku'damm und wie wohl der Cappuccino schmeckt, den er Tag für Tag mit seiner Mordwaffe zubereitet.

Matthias Dell:  Über diesen Robista-Kaffeeautomaten.

Kirstin Lopau: Darüber, dass mal wieder gezeigt wird, wie wichtig es ist, mit Handy zu joggen. Außerdem diskutieren wir, warum der erste Impuls beim Auffinden einer Leiche heutzutage ist, ein Selfie mit Leiche im Hintergrund zu machen.


2. Was haben Sie aus diesem "Tatort" gelernt?

Christian Buß: "Der Körper wird sich langsam zum Cyborg hin verändern." So sabbelt sich Kommissar Karow in diesem Krimi über künstliche Intelligenz und menschliches Versagen in eine düstere Zukunft.

Lars-Christian Daniels: "So 'ne angespannte Muschi wie dich brauch' ich sowieso nicht in meiner Gallery!" Der Tag, an dem die Tatort-Autoren die Sprache der Jugend endlich authentisch sprechen: Er liegt noch in der Zukunft.

Matthias Dell: Dass Jens Spahn gelassen in die Zukunft blicken kann, weil ihn keine Englisch sprechenden Baristas mehr zu plumpen Wahlkampfmoves verleiten, sondern auf Deutsch programmierte Robista-Kaffeeautomaten den Service übernehmen.

Kirstin Lopau: Nach dem Münchner Currywurstautomaten lernen wir heute den Robista kennen, den freundlichen Roboter, der uns die gewünschte Baristaspezialität mit einem Lächeln auch morgens um fünf zubereitet und auch noch fragt, wie es uns geht und wie wir heißen. Außerdem lernen wir, dass Autofahren in Berlin die Hölle sein muss, wenn man seinen Führerschein in Schwabing gemacht hat.


3. Welche Frage bleibt offen?

Christian Buß: In einer Szene liegen die Leichen des männlichen Opfers und des weiblichen Opfers in der Rechtsmedizin. Weshalb ist die Scham des Mannes eigentlich bedeckt, während die der Frau offenliegt? 

Lars-Christian Daniels: Was läuft da zwischen Karow und der Gerichtsmedizinerin Nasrin Reza (Maryam Zaree)?

Matthias Dell: Wieso ist der erbkranke Bäcker Gröning seiner Frau, die ihn verlassen wollte, hinterher gejoggt?

Kirstin Lopau: Wie die vom Robista zubereitete Kaffeespezialität schmeckt und wie das mit Karow und der Pathologin weitergeht.


4. Welche Rolle hätte man besser besetzen sollen? Und mit wem?

Christian Buß: Die Partykids, die die Leiche vor dem Computer-Coffeeshop entdecken, spielen doch sehr gekünstelt ihr Besoffensein. Da hätten sich die Filmemacher auch einfach ein Grüppchen authentisch berauschter Partykids vom Straßenpflaster kratzen können.

Lars-Christian Daniels: Stefanie Stappenbeck, bis 2016 auch dreimal im Hamburger Tatort mit Til Schweiger und Fahri Yardım zu sehen, hat einen ziemlich seltsamen Gastauftritt: Als kälteresistente Naturbloggerin Charly spielt sie die wohl überflüssigste Figur der jüngeren Tatort-Geschichte. Warum die Leiche im Wald an einer Joggerstrecke ausgerechnet bei einem ihrer Livestreamings entdeckt werden muss, bleibt vollkommen rätselhaft.

Matthias Dell: Die der Stimme des Robista-Kaffeeautomaten – mit der von Jens Spahn.

Kirstin Lopau: Keine. Mir gefällt das Team aus Rubin, Karow und Feil immer besser.


5. Von welcher Szene werden Sie träumen?

Christian Buß: Von der filigranen Technoballettszene, in der nachgestellt wird, wie der Roboter den Coffeeshopbesitzer hätte ermorden können.

Lars-Christian Daniels: Vom süßen Kätzchen auf der Bettdecke oder vom finsteren Wildschweineber im Wald, denn an Tieren mangelt es nicht in diesem Tatort. Außerdem im Angebot: Raben, Tauben, Enten, ein Vogel in Käfighaltung und sogar ein streunender Fuchs, der es auf Berliner Restmülltonnen abgesehen hat.

Matthias Dell: Meister Reineke, wie er seinen Weg macht. Was für ein elegantes Tier!

Kirstin Lopau: Von dieser Nadel in der Roboterhand.


6. Von 0 (super spannend) bis 10 (schon um halb neun eingeschlafen): Wie viele goldene Schlafmützen bekommt dieser "Tatort"?

Christian Buß:  2 Schlafmützen 😴😴

Lars-Christian Daniels: 5 Schlafmützen 😴😴😴😴😴  

Matthias Dell:  5 Schlafmützen 😴😴😴😴😴

Kirstin Lopau:  2 Schlafmützen 😴😴

Kommentare

23 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

""" ... Opfers in der Rechtsmedizin. Weshalb ist die Scham des Mannes eigentlich bedeckt, während die der Frau offenliegt? """

Hat vielleicht etwas mit dem optischen Unterschied außen liegender Genitalien und innen liegender Genitalien zu tun. In Abhängigkeit von Abstand, Kamerawinkel und Behaarung ist bei innen liegenden Genitalien nichts bis wenig Aufsehen erregendes zu sehen.

Wann ist eigentlich der "KRIMI-Sättigungsgrad erreicht ?
Haben wir denn nicht genug Life-Krimis auf der Welt, rund um die Uhr, tagtäglich ?
Ist es den Menschen heutzutage nicht möglich die spannenden Seiten von gegenseitiger Zuwendung, Fürsorge, Aufopferung, Hilfe, Liebe und Aufmerksamkeit aufzugreifen und daraus einen Krimi des täglichen Lebens zu machen, dem sicher nichts an Spannung fehlt - ?
Bitte, versucht es doch wenigstens einmal.