Midterms in den USA "Trump ist ein guter Mensch"

Will der Präsident nur das Beste für sein Land? Zerstört er die Demokratie? Vor den Midterms haben wir Amerikaner gefragt, wie sie sich die politische Zukunft vorstellen.

Wird Donald Trump so weitermachen können wie bisher? Das hängt auch davon ab, ob die Republikaner nach den Kongresswahlen am 6. November ihre Mehrheit im Senat und im Abgeordnetenhaus behalten. Schon jetzt kann sich der US-Präsident auf seine eigene Partei bei Abstimmungen nicht immer verlassen.

Die Midterms gelten als wichtiges politisches Stimmungsbild in den USA – zur Halbzeit von Trumps erster Amtszeit. Wünschen sich die Menschen in den Vereinigten Staaten ein Weiter-So, oder hoffen sie auf eine Blue Wave, auf der die Demokraten surfen können? Zehn von ihnen haben wir gefragt, wie sie für ihre Zukunft wählen werden.


James Ross, 67, Zahnarzt, aus Red Hook, New York State

James Ross © Karina Rozwadowska für ZEIT ONLINE

Ich wähle immer die Republikaner. In Wirtschaftsfragen bin ich konservativ, sozial eher liberal. Klar erschrecken meine Frau und ich uns manchmal über Dinge, die Trump so sagt. Doch ich habe 2016 für ihn gestimmt, nachdem mein ursprünglicher republikanischer Kandidat bei den Vorwahlen aus dem Rennen war – und ich habe es noch keine Minute bereut: Einwanderung, Steuerpolitik, Handel, die Besetzung der Gerichte mit konservativen Richtern. Seit 1960 hat kein Präsident mehr seine Versprechen gehalten. Aber jetzt? Die Wirtschaft ist gut. Die Steuerreform ist großartig. Trump ist ein guter Mensch. Er will einfach das Beste für unser Land.


Esther Williams, 67, Leiterin in einem Callcenter für ein medizinisches Unternehmen, aus Connecticut

Esther Williams © Karina Rozwadowska für ZEIT ONLINE

Wenn ich einen Tipp abgeben sollte, wer als demokratischer Präsidentschaftskandidat 2020 in Rennen gehen wird, dann würde ich auf Eric Garcetti tippen, den Bürgermeister von Los Angeles. New York und Los Angeles, die beiden größten Städte des Landes stellen sich gegen unseren Präsidenten. Ich wünsche mir eine Zukunft ohne Trump. Ich wünsche mir, dass er und seine Kinder aus dem Weißen Haus in Handschellen abgeführt werden. Ohne Gewalt, aber sichtbar für die ganze Welt.


Aaron Hogan, 45, Schreiner, aus Tivoli, New York State

Aaron Hogan © Karina Rozwadowska für ZEIT ONLINE

Zwei Dinge sind mir im Leben wichtig: Familie und Freunde. Ich habe das Gefühl, Trump ist da wie ich. Das gefällt mir. Er tut den Amerikanern gut.


Kerri Joller, 32, Personalmanagerin, aus Trumbull, Connecticut

Kerri Joller © Karina Rozwadowska für ZEIT ONLINE

Amerika unter Trump ist ein Land, in dem ein Mann, der mehrfach der sexuellen Belästigung beschuldigt wurde, trotzdem einer von neun Richtern am höchsten Gericht des Landes werden konnte. Die glaubhafte Aussage des Opfers Christine Blasey-Ford vor dem Senat schien weniger wert zu sein als die aggressive Replik des beschuldigten Richters Brett Kavanaugh. Wenn mein Sohn bereits 18 wäre, hätte ich ihn gebeten, sich beide Aussagen, die live im Fernsehen übertragen wurden, anzusehen. Ich hätte ihm gegenüber meine Empathie für Christine Blasey-Ford ausgedrückt und ihn gebeten, mit seinem Herzen und Verstand gut zuzuhören. Respekt, Würde, Empathie und Ehrlichkeit stehen bei der Erziehung meines Sohnes an erster Stelle. Keiner dieser Werte war bei Brett Kavanaugh zu sehen, alle hingegen bei Christine Ford. Kavanaughs Verhalten war des Amtes nicht würdig, das er anstrebte. Zudem glaube ich nicht, dass er unparteiisch entscheiden können wird. Als eine aufgeklärte Frau macht es mir Angst, nun eine konservative Mehrheit am Supreme Court zu haben. Ich wünschte, die Regierung meines Landes würde aufhören, Kampagnen zu fahren, und die politischen Spielchen beenden, damit sie sich mit den Dingen befassen kann, die wirklich wichtig sind. Das Leben ist kurz, und wir haben Kinder und die Kinder unserer Kinder, an die wir denken müssen, oder etwa nicht?


Rick Tavares, 75, Manager in einem Football-Stadion, aus Boston, Massachusetts

Rick Tavares © Karina Rozwadowska für ZEIT ONLINE

Ich bin hier heute Abend mit vier Freunden. Uns verbindet das Zusammensitzen an der Bar, wir gucken jede Woche zusammen Football. Allerdings haben wir während all der Zeit einander nie gesagt, wo wir politisch stehen. Deswegen bin ich dankbar für dieses Interview. So erfahre ich endlich, was meine Freunde wählen. Ich selbst hatte vor 2016 noch nie gewählt. Hat mich nicht interessiert. Bei Trump aber wusste ich vom ersten Augenblick an: Das ist mein Mann.
Verstehen Sie mich nicht falsch, meine Frau war 40 Jahre lang Stewardess für Delta Airlines. Ich bin viel gereist, habe die Welt gesehen. Meine Lieblingsstadt ist Istanbul, aber ich war auch häufig in Deutschland, ich mag es dort. Ich gehe nicht auf Trump-Wahlkampfveranstaltungen und bin auch nicht wütend auf die sogenannten Mainstream-Medien, die behaupten, Trump würde ständig lügen. Es ist bloß so, Trump hat für mich mit allem recht. Alles, aber auch alles, an ihm ist gut. Die Wirtschaft. Und wie wir in der Welt jetzt wieder dastehen. Ich werde auch 2020 für Donald Trump stimmen.

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