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"Tatort" Bremen Biss zum Feierabendbierchen

Auf ihrer Abschiedstournee spielen die Bremer Kommissare Lürsen und Stedefreund auf der Klaviatur des fantastischen Schreckens. Ist der Horror-"Tatort" echt der Horror?
Aus der Serie: Tatort-Kritikerspiegel

Bei der Polizei geht im Bremer Tatort: Blut ein Notruf ein, auf dem die Schreie einer Frau zu hören sind. Kurz darauf wird in einem Park eine am Hals versehrte Leiche gefunden. Die Bremer Hauptkommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) sind zunächst ratlos. Eine scheinbar traumatisierte Augenzeugin fantasiert von einem "Vampir". Während Inga Lürsen weitere Indizien sammelt, beginnt Stedefreund, sich wahnhaft Mysterien und Aberglauben hinzugeben. Als beide auf Nora Harding und ihren Vater Wolf Harding treffen, entgleitet den beiden Polizisten der Fall endgültig.


1. Worüber werden am Montag alle reden?

Christian Buß: Über Nachbarn und Freunde, die sich zuweilen doch sehr vampirartig verhalten. Dieser Blutsauger-Krimi, der einerseits lustvoll die Klaviatur des fantastischen Schreckens spielt, andererseits seine Geschichte subtil im Rahmen des psychologischen Realismus hält, entwickelt tolle Suggestivkraft: Die Vampire sind unter uns!

Lars-Christian Daniels: Über den Vampir-Tatort mit Lürsen und Stedefreund, denn die machen auf ihrer Abschiedstournee keine Gefangenen mehr. Oder wie Hauptdarsteller Oliver Mommsen es kürzlich in einem Interview formulierte: "Lasst uns noch mal ein Feuerwerk abfackeln!"

Matthias Dell: Warum der Knoblauch bei der Vampirbekämpfung keine Rolle gespielt hat.

Kirstin Lopau: Darüber, dass der Inhaber eines germanistischen Lehrstuhls ernsthaft zu Vampiren forscht (und nicht nur zum Vampirbild in der Literatur).


2. Was haben Sie aus diesem "Tatort" gelernt?

Christian Buß: Rinderblut ist einfach kein Menschenblut. Die Alternativernährung einer jungen Frau, die möglicherweise eine Vampirin ist, schlägt nicht an.

Lars-Christian Daniels: Kein Halloween mehr ohne Halloween-Tatort. Diesmal fällt das Ergebnis aber um Längen überzeugender aus als im vergangenen Jahr, als die Frankfurter Kollegen mit der unfreiwillig komischen Gruselnummer Fürchte dich fürchterlich Schiffbruch erlitten.

Matthias Dell: Dass sich bei der Vampirbekämpfung aufdrängende Experten auch nicht mehr wissen, als jedes Kind (Holzpflock).

Kirstin Lopau: Man kann Rinderblut in Flaschen bestellen. Keiner ist so schön im Fieberdelirium wie Stedefreund und – sehr wichtig, das kann Leben retten – "Menschenbisse sind extrem gefährlich".


3. Welche Frage bleibt offen?

Christian Buß: Wie umgehen mit Vampiren? Klassisch mit Knoblauch und Pflock arbeiten oder zeitgemäß den Dialog suchen?

Lars-Christian Daniels: Schmeckt abgezapftes Menschenblut der Blutgruppe A wirklich besser, wenn man es noch ein paar Minuten in der Mikrowelle warm macht?

Matthias Dell: Wird Stedefreund beim nächsten Mal noch Spuren von Vampirismus in die Abschiedsfolge einschleppen?

Kirstin Lopau: Damit keine Frage offenbleibt, muss ich hier mal eins klarstellen, so eine Folge vor Schluss mit Stedefreund: wenn er eine Gefährtin hat, dann bin das wohl ja ich. 


4. Welche Rolle hätte man besser besetzen sollen? Und mit wem?

Christian Buß: Alles top besetzt.

Lars-Christian Daniels: Die der jungen Frau, die in der Eröffnungssequenz des Tatorts während eines gemütlichen Mädelsabends in die Küche geht, sich frisches Popcorn macht und es plötzlich mit der Angst zu tun bekommt. Mit Drew Barrymore natürlich! Wenn schon Scream, dann auch richtig.

Matthias Dell: Keine

Kirstin Lopau: Gibt es so irre Germanistik-Professoren wirklich? Ich fand Stephan Bissmeier (namenstechnisch natürlich brillant besetzt) als Professor Syberberg etwas zu überzeichnet.


5. Von welcher Szene werden Sie träumen?

Christian Buß: Von frischen Rinderblutkonserven und alten Menschenblutkonserven.

Lars-Christian Daniels: Von einer Szene mit der glänzend aufgelegten Nebendarstellerin Lilith Stangenberg, die schon rein physisch einen wahren Kraftakt abliefert und sich nach Herzenslust vor der Kamera austoben darf. Was für ein denkwürdiger Auftritt!

Matthias Dell: Von der einen Tag lang im Kanaltunnel kauernden Anna Welter, da holt man sich doch den Tod.

Kirstin Lopau: Von den Fieberträumen Stedefreunds – und das werden keine schönen Träume.


6. Von 0 (super spannend) bis 10 (schon um halb neun eingeschlafen): Wie viele goldene Schlafmützen bekommt dieser "Tatort"?

Christian Buß: 1 Schlafmütze 😴

Lars-Christian Daniels: 1 Schlafmütze 😴

Matthias Dell: 4 Schlafmützen 😴😴😴😴

Kirstin Lopau: Mal etwas ganz anderes aus Bremen, nichts für schwache Nerven, wahrscheinlich polarisierend, dennoch nur 2 Schlafmützen 😴😴, weil man dabei definitiv nicht einschlafen kann.

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