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"Tatort" Dortmund Trommelsolo mit Knochen

Im Dortmunder "Tatort" ist der Wetteinsatz hoch: Das eigene Leben. Dabei kann man auch ganz anders Spaß haben. Geflirtet wird jedenfalls heftig. Selbst Faber lächelt mal.
Aus der Serie: Tatort-Kritikerspiegel

Es hätte das perfekte Verbrechen sein können, doch die Spurensicherung im Dortmunder Tatort Tod und Spiele ergibt: Die verbrannten Knochen an der Feuerstelle am Rande der Stadt sind die eines Menschen. Kommissar Faber (Jörg Hartmann) und Kommissarin Martina Bönisch (Anna Schudt) entdecken in der Asche den Schlüssel eines Hotelzimmers. Dort angekommen, treffen beide auf einen vermeintlichen Zeugen, einen eingeschüchterten und ausgehungerten jungen Mann. Doch dieser ist kaum ansprechbar, auch liegt keine Vermisstenanzeige vor. Nach dem Gutachten der Rechtsmedizin wurden dem Toten an der Feuerstelle mehrere Knochen gebrochen. Wurde er Opfer eines perfiden Spiels auf Leben und Tod, das sich zur Belustigung gelangweilter Milliardäre fortzusetzen droht?

1. Worüber werden am Montag alle reden?

Christian Buß: Über Oligarchen und ihre Menschenliebe: Samuel Finzi spielt hier so sympathisch einen russischen Milliardär, dass man ihm glatt um den Hals fallen möchte.

Lars-Christian Daniels: Sollten wir am Montag überhaupt über diesen Tatort reden? Schließlich lautet die erste Regel des Fight Club: Ihr verliert kein Wort über den Fight Club!

Matthias Dell: Über venezianische Karnevalsmasken im Dortmunder Lagerhausleerstand.

Kirstin Lopau: Darüber, dass wir lange genug auf einen neuen Tatort aus Dortmund gewartet haben. Unerträglich lange.


2. Was haben Sie aus diesem "Tatort" gelernt?

Christian Buß: Oligarchen sind auch nur Menschen.

Lars-Christian Daniels: Mit Geld kann man alles kaufen. Sogar Borussia Dortmund.

Matthias Dell: Dass Undercover-Einsätze vielleicht ein wenig inflationär zum Einsatz kommen. Und so richtig undercover auch gar nicht sind. 

Kirstin Lopau: Wir haben gelernt, dass Faber lächeln, ja sogar lachen und gut mit Kindern umgehen kann (und Nora dafür gar nicht). Vor allem aber, dass Frau Bönisch nicht nur kompetent (keine ist so geschickt am Handy wie sie), sondern auch eine begehrenswerte Frau ist. Das hat sogar Faber verstanden.


3. Welche Frage bleibt offen?

Christian Buß: Geht da noch was mit Bönisch und Faber? Als sie sich undercover an den reichen Russen wirft, wird er ganz eifersüchtig.

Lars-Christian Daniels: War das jetzt ein Lächeln, das Faber da übers Gesicht gehuscht ist?

Matthias Dell: Wann bummelt Nora Dalay (Aylin Tezel) die Überstunden ab, die sie durch die Übernachtungen auf dem Revier angehäuft hat?

Kirstin Lopau: Kambarows Rolle im Fight Club bleibt offen. Aber vor allem fragen wir uns, ob da jemals etwas mehr als Lächeln sein wird zwischen Bönisch und Faber. 


4. Welche Rolle hätte man besser besetzen sollen? Und mit wem?

Christian Buß: Die Fighter im Boxclub – kann doch nicht so schwer sein, in Dortmund ein paar schwere Jungs zusammenzukriegen.

Lars-Christian Daniels: Die des kleinen Jungen, der zunächst schweigt, dann Pommes futtert und schon bald vor Fabers PC geparkt wird, weil er für den weiteren Verlauf der Geschichte eigentlich gar nicht mehr gebraucht wird. 

Matthias Dell: Keine.

Kirstin Lopau: Keine.


5. Von welcher Szene werden Sie träumen?

Christian Buß: Von dem wunderbar melancholischen Trinklied Moskva-Odessa von Vladimir Vysotskij, das in diesem Sauf-und-rauf-Tatort in der Kneipe läuft.

Lars-Christian Daniels: Vom Knock-out im Präsidium, der so steif und unfreiwillig komisch inszeniert ist, dass man Aylin Tezel am liebsten selbst wieder aufhelfen und ihr sagen möchte: Du hast es hinter dir, die Szene ist im Kasten, vielen Dank. Wir müssen das jetzt nicht noch mal drehen.

Matthias Dell: Von dem kuriosen Obdachlosen, der mit gefundenen Menschenknochen erst mal ein Trommelsolo hinlegt, ehe er die Polizei benachrichtigt. Wie kommt man darauf, sich so was als Szene auszudenken?

Kirstin Lopau: Vom kleinen Jungen unter dem Bett im Hotel.


6. Von 0 (super spannend) bis 10 (schon um halb neun eingeschlafen): Wie viele goldene Schlafmützen bekommt dieser "Tatort"?

Christian Buß: 4 Schlafmützen 😴😴😴😴

Lars-Christian Daniels: 5 Schlafmützen 😴😴😴😴😴

Matthias Dell: 7 Schlafmützen 😴😴😴😴😴😴😴

Kirstin Lopau: Es gab sicher schon bessere Dortmund-Tatorte, trotzdem aber nur 3 Schlafmützen 😴😴😴

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