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"Tatort" München Auf der Suche nach der ungehackten Empfängnis

Batic und Leitmayr bekommen es im Münchner "Tatort" mit einer künstlichen Intelligenz mit Schlafzimmerstimme zu tun. Hoffentlich hält die WLAN-Verbindung das aus.
Aus der Serie: Tatort-Kritikerspiegel

Im Münchner Tatort: KI verschwindet ein Mädchen spurlos. Als Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) deren Laptop untersuchen, fragt eine elektronische Stimme nach Melanie, der Vermissten. Was die beiden Kommissare erst für einen Chatbot halten, ist in Wahrheit eine hochkomplexe künstliche Intelligenz (KI). Am Leibniz-Rechenzentrum in München ist man entsetzt. Niemand kann sich erklären, wie dieses Programm aus einem laufenden EU-Projekt auf den Laptop des Mädchens gelangen konnte. Die Ermittlungen ergeben, dass das Projekt gehackt und eine Kopie der geheimen Forschungs-KI Maria erstellt wurde. Weiß Maria etwas über das Verschwinden von Melanie – und kann man eine KI überhaupt als Zeugin vernehmen? Je mehr Zeit vergeht, desto unwahrscheinlicher wird es, dass die Vermisste noch lebend gefunden wird.


1. Worüber werden am Montag alle reden?

Christian Buß: Über den sogenannten Turing-Test, mit dem man angeblich feststellen kann, ob eine Maschine das gleiche Denkvermögen wie ein Mensch aufweist. Hier sind die Computer noch weit davon entfernt.

Lars-Christian Daniels: Über einen blinkenden weißen Kreis auf schwarzem Grund, Maria und die ungehackte Empfängnis.

Matthias Dell: Über das fancy Glitzer-Dress von Programmiererin Anna.

Kirstin Lopau: Darüber, dass Angela Merkel in Bayreuth vom Stuhl gefallen ist. Und wahrscheinlich auch über Maria.


2. Was haben Sie aus diesem "Tatort" gelernt?

Christian Buß: Gefühle kann man lernen. Oder wie der Computer nach einem Gespräch mit einem Menschen sagt: "Ich habe gelernt, was Einsamkeit bedeutet."

Lars-Christian Daniels: Digitalisierung, Big Data und künstliche Intelligenz gehen im Tatort immer (noch).

Matthias Dell: Dass man zu Maschinen nett sein muss.

Kirstin Lopau: Zwischen ein paar kruden Aluhut-Theorien schmunzeln wir kurz über die Reaktion der alten Herren Leitmayr und Batic, als sie mit der künstlichen Intelligenz in Kontakt kommen: "Wos isn des?"


3. Welche Frage bleibt offen?

Christian Buß: Wie genau funktioniert ein Bio-Hack? In einer Szene sehen wir, wie ein Nerd einem anderen Nerd die Augen bearbeitet, damit er in der Nacht sehen kann.

Lars-Christian Daniels: Wenn man angeblich einen Supercomputer im LRZ in München-Garsing braucht, um das Originalprogramm EXMAP flüssig zu bedienen – warum reicht dann später ein kleiner Laptop mit wackeliger Internetverbindung in einem Geräteschuppen irgendwo in der Pampa, um ruckelfrei mit einer weiterentwickelten Kopie zu interagieren?

Matthias Dell: Warum muss Dirk Borchardt immer Dirk-Borchardt-Rollen spielen?

Kirstin Lopau: Ist Angela Merkel wirklich vom Stuhl gefallen in Bayreuth? Und seit wann hat der Kalli eine Freundin?


4. Welche Rolle hätte man besser besetzen sollen? Und mit wem?

Christian Buß: Der psychopathische Computer-Nerd, der sich hier von NSA und BND verfolgt sieht, wird von dem eigentlich großartigen Thorsten Merten, auch bekannt als Chef des Tatort-Reviers Weimar, so auffällig verhaltensgestört gespielt, dass man ihn sicher nicht in einer Forschungsstelle mit hochbrisantem Material arbeiten lassen würde.

Lars-Christian Daniels: Thorsten Merten haben wir in seiner Rolle als Kommissariatsleiter Kurt Stich im Tatort aus Weimar gut vor Augen – zu gut offenbar. Wie sonst wäre es zu erklären, dass Merten in diesem Münchner Tatort in seiner Rolle als paranoider IT-Techniker mit Vollbart, Sonnenbrille und Mütze fast bis zur Unkenntlichkeit maskiert wird? Milan Peschel wäre die deutlich bessere Wahl gewesen. Ach, Milan Peschel ist doch eigentlich immer die bessere Wahl.

Matthias Dell: Vielleicht die von Dirk Borchardt mit jemand anderem und Dirk Borchardt dafür in einer anderen – oder geht das nur mir so?

Kirstin Lopau: Die hippe Überfliegerin und IT-Spezialistin Anna Velot ist mir zu platt. Lisbeth Salander wäre hier eine echte Bereicherung gewesen. Das Know-how hat sie allemal (und den Kalli hätte sie auch in Ruhe gelassen).


5. Von welcher Szene werden Sie träumen?

Christian Buß: Von dieser unerträglichen, sanften Computerstimme, mit der die künstliche Intelligenz namens Maria die ganze Zeit spricht.

Lars-Christian Daniels: Von den toten nackten Füßen, die laaaaangsam in der Isar auftauchen.

Matthias Dell: Wie Christian "Mark" Wilmots sich die Verkabelung aus dem Körper ruppt, das ist doch nicht so beruhigend wie der rotwolkige Abendhimmel über München.

Kirstin Lopau: Vom Verhör von Maria.


6. Von 0 (super spannend) bis 10 (schon um halb neun eingeschlafen): Wie viele goldene Schlafmützen bekommt dieser "Tatort"?

Christian Buß: 5 Schlafmützen 😴😴😴😴😴

Lars-Christian Daniels: 5 Schlafmützen 😴😴😴😴😴

Matthias Dell: 6 Schlafmützen 😴😴😴😴😴😴

Kirstin Lopau: Ein etwas enttäuschendes Ende, aber bis dahin gute Unterhaltung. 2 Schlafmützen 😴😴

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