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"Tatort" Wien Inkasso-Heinzi spielt die erste Geige

Ein schmalztolliger Lude, Retrosplitscreens und eine Leiche ohne Zähne: Der "Tatort" hat das Wiener Lebensg'fühl inhaliert. Da kriegt man glatt einen Ohrwurm von.
Aus der Serie: Tatort-Kritikerspiegel

Nahe Wien wird unweit einer Landstraße eine Leiche entdeckt. Die Täter haben es den Ermittlern gezielt schwer gemacht, das Opfer zu identifizieren – die Zähne fehlen, der Körper wurde verbrannt. Kommissar Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Kommissarin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) tasten sich im Tatort: Her mit der Marie! nur langsam vor. War es Mord, oder doch nur ein tragischer Unfall? Die Ermittlungen ergeben schließlich, dass der Tote wohl ein Geldbote des notorischen Wiener Großkriminellen Dokta war – und überfallen wurde. Doch wer wäre so verrückt und lebensmüde? Fellner und Eisner setzen alles daran, den Mörder zu finden, bevor Dokta ihn erwischt. 

1. Worüber werden am Montag alle reden?

Christian Buß: Über die aktuelle Ludenmode in Wien. Da tragen die Strizzis tatsächlich noch vorne lang und hinten kurz oder Schmalztolle. Dieser Tatort hat einen süffigen, aber in sich schlüssigen Oldschoollook. 

Lars-Christian Daniels: Über eine verbrannte Leiche ohne Zähne, zwei Fische und drei glänzend aufgelegte Ermittler – und natürlich über Inkasso-Heinzi (Simon Schwarz), der im Wiener Tatort endlich einmal die erste Geige spielen darf.

Matthias Dell: Über die vielen Witze und tollen Figuren dieser Folge.

Kirstin Lopau: Reden? Wir singen, lautstark und voller Inbrunst (und vielleicht nicht ganz so laut vorm Chef) den Songtext von S.T.S.: Irgendwann bleib i dann dort. Lass alles lieg'n und steh'n


2. Was haben Sie aus diesem "Tatort" gelernt?

Christian Buß: Splitscreens wie in Siebzigerjahrethrillern sehen immer noch schick aus, wenn man sie richtig einsetzt.

Lars-Christian Daniels: Wie man das Leberkäs-Dilemma löst: Einer ist schließlich immer zu wenig, aber zwei sind immer zu viel.

Matthias Dell: Dass eine Pistole in Österreich "Puffen" heißt.

Kirstin Lopau: Wir wissen endlich, was man unter einer Monopoly-Tour verstehen muss. Vor allem erfahren wir, dass da nie eine Wildkamera im "Dreckswald" steht, wenn man sie mal braucht.


3. Welche Frage bleibt offen?

Christian Buß: Geht es im Wiener Rotlichtmilieu tatsächlich noch zu wie in den Siebzigerjahren?

Lars-Christian Daniels: Wie werde ich jemals diesen S.T.S.-Ohrwurm wieder los? 

Matthias Dell: Wer erbt einmal die "Bumsen" (Puffe – oder heißt es Puffs?) vom Dokta?

Kirstin Lopau: Ab wann is a Bua a Mo?


4. Welche Rolle hätte man besser besetzen sollen? Und mit wem?

Christian Buß: Alles topbesetzt, Mafia-Chargen mit wunderbar verwitterter Anmutung.

Lars-Christian Daniels: Keine, dieser Tatort ist großartig besetzt. 

Matthias Dell: So was von keine!

Kirstin Lopau: Den Chef vom Rotlichtmilieu habe ich mir zunächst anders vorgestellt als wie von Erwin Steinhauer gespielt – irgendwie glamouröser, vielleicht auch brutaler. Der biedere Schnauzbart hatte bei mir aber seinen Durchbruch in der zweiten Hälfte dieses Tatorts und gefiel mir ab dann umso besser (Stichwort: Grillfest).


5. Von welcher Szene werden Sie träumen?

Christian Buß: Von der sehnsuchtsvollen Ballade In deiner Nähe vom Wiener Sänger Voodoo Jürgens, die hier immer wieder erklingt.

Lars-Christian Daniels: Von Eisners Skype-Anruf bei Fellner und seinem sympathischen Profilbild, in Zeiten von Snapchat und Instagram natürlich mit rausgestreckter Zunge, künstlicher Nase und braunen Ohren im ergrauten Haar: "Weißt du, wie man den Scheiß wieder wegkriegt!?" 

Matthias Dell: Dem von Snapchat-App-Effekten verzierten Skype-Profilbild vom Eisner.

Kirstin Lopau: Von Mykonos mit dem dazugehörigen Ohrwurm (überhaupt verdient die fast tarantinoeske Musik hier ein besonderes Lob!) .


6. Von 0 (super spannend) bis 10 (schon um halb neun eingeschlafen): Wie viele goldene Schlafmützen bekommt dieser "Tatort"?

Christian Buß: 2 Schlafmützen 😴😴

Lars-Christian Daniels: 3 Schlafmützen 😴😴😴

Matthias Dell: 2 Schlafmützen 😴😴

Kirstin Lopau: 1 Schlafmütze 😴

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