Kanye West Der Ruch des Geldes

© Prince Williams/Getty Images
Geld stinkt nicht? Für viele ist es sogar das schönste Parfüm der Welt! Kanye West riecht danach, sagt seine Frau Kim Kardashian. Aber sind Dollarnoten echt so dufte? Von
Aus der Serie: Gesellschaftskritik

Düfte sind die Gefühle der Blumen. Das hat zumindest Heinrich Heine geglaubt. Heute wissen wir: So ausschließlich sollte man das nicht sehen! Auch Papier kann dufte Gefühle haben, die die feinstofflich Begabten unter uns wahrzunehmen imstande sind. Kim Kardashian verfügt anscheinend über eine solcherart talentierte Nase. Von The Cut, einem Onlineableger des New York Magazine, gefragt, wie denn ihr Ehemann Kanye West rieche, hat sie geantwortet: "Er riecht ... reich. Ich kann es nicht erklären, aber wie eine reiche Person. Wie ... Geld, ich weiß es nicht."

Bei entsprechender charakterlicher Veranlagung kann es praktisch sein, Geld riechen zu können, dann muss man keine peinlichen Angebereien à la "Mein Haus. Mein Auto. Mein Pferd" betreiben, um abzuchecken, ob das Gegenüber mitgehen kann. Nein, einmal schnuppern reicht, schon ist klar, dass die Kontostände paritätisch oder in einem sonstigen Wunschverhältnis zueinander ausgerichtet sind. Im Fall von Kim Kardashian, die sich, ihre Kosmetik und ihr Leben vermarktet, reden wir allein für das Jahr 2018 übrigens über ein Einkommen von geschätzt 80 Millionen Dollar. Das riecht tatsächlich nach Reichtum, allerdings für uns an unseren bargeldlosen Schreibtischen zunächst einmal nur im übertragenen Sinn.

Wir wüssten indes gern mehr: Mit welchem uns bekannten Geruch ist Reichtumsgeruch am ehesten vergleichbar? Wie riecht Dagobert Duck, die wohlhabendste Ente der Welt, nach dem täglichen Bad im Geldspeicher? Vermutlich nicht wie eine "sehr teure Saint-Laurent-Parfümkampagne", als welche Kim Kardashian Herz- und Kopfnote des Westschen Dufts klassifiziert hat. Eher wohl nach muffigem Kupfer mit einem Hauch Entendaune.

Uns, die wir hier gleich nach Entenhausen abdriften, fehlt ganz offensichtlich die übergeordnete Vorstellung und damit auch die Sprache für das Eau d’Argent, den Money Scent, des Geldes Note. Sonst philosophieren wir über Gardenie, Rose und Jasmin, entdecken hier einen Hauch Harz vom Adlerholzbaum, da etwas Patschuli. Was sagt man aber in diesem Fall? "Hmmm, du riechst ja herrlich! So gut kann auch nur ein Fünfhunderter duften!" Oder: "Sind das die frischen Fünfziger in deiner Tasche, die ich bis hier oben riechen kann?"

Allerdings: Um den Geruch der Banknoten selbst kann es Kim Kardashian bei ihrer sensorischen Analyse ja gar nicht gehen. "Nur der Scheich ist wirklich reich", haben wir früher einmal aus dem Lied Blaue Augen von Ideal gelernt – und heute können wir ergänzen: Kanye West ist es nicht. Im laufenden Jahr betragen seine Einnahmen nur ein Viertel von denen seiner Frau, 20 Millionen Dollar bloß. Zudem hat er bereits 2016 auf Twitter angekündigt, Miese in Höhe von 53 Millionen Dollar angehäuft zu haben; schuld an den Schulden ist wohl seine Modemarke, in die er bislang 100 Millionen Dollar investiert haben soll. West hat, ebenfalls auf Twitter, dem Facebook-Gründer Mark Zuckerberg vorgeschlagen, eine Milliarde in seine Ideen zu investieren. 

Das hat Zuckerberg unterlassen, der darin kein gutes Geschäft gewittert hat. Vielleicht fand er ja, dass West weniger nach Geld riecht als er selbst – und mehr nach kruden Ideen und Selbstüberschätzung. Und dass Düfte vielleicht die Gefühle der Blumen sein mögen, man aber aus fauligen Blüten keinen schönen Strauß bindet.

Kommentare

8 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Das liebe Geld, das Kapital, der liebe Mammon. In welcher Form ist der Mammon in der Psyche des Menschen konstelliert? Das, was Frau Kardashian beschreibt, lässt sich, z.B. aus psychologischer Sicht, als normalen Anpassungsvorgang erklären, man entzöge auf diesem Wege allerdings das unterhaltsam Bizarre. Beziehungsweise man verschöbe es. Hmm. Wo passte es besser