Helene Fischer und Florian Silbereisen: Traumpaar, jetzt erst recht!

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Unsere größten Schlagergrößen haben sich getrennt. Sad! Doch darin steckt eine Chance: Je nachdem, wie sie nun miteinander umgehen, könnten sie für viele Vorbild sein. Von
Aus der Serie: Gesellschaftskritik

Helene Fischer und Florian Silbereisen haben sich getrennt. Das kommt in den besten Familien vor, umso mehr, wenn beide Partner beruflich krass performen und dies häufige räumliche Distanz mit sich bringt. Für Schlagerlaufbahnen bietet sich große körperliche Nähe in derselben Branche ohnehin nur bedingt an.

Klar kennen wir alle Cindy und Bert, Judith und Mel oder Al Bano und Romina Power. Aber Frauen, die ihrem Mann beim Singen lieb zuplinkern, sind nun echt keine role models für Helene, die Erlöserin, die an Gurten von der Hallendecke schwebt. Und spätestens, als es der gelungen war, ihre Shows auf internationales Entertainmentniveau zu trimmen, war sie verdammt, eine gewisse Distanz zu halten zu ihrem Flori und seiner steirischen Harmonika. Denn der kann sich Joko Winterscheidt so ähnlich machen, wie er will: Es bleiben doch auf ewig Hirschhornknöpfe, die diese Bühnenfigur zusammenhalten.

Was freilich nicht bedeutet, dass die Gefühle der Lebenspartner Fischer und Silbereisen immer der Schweigepflicht unterlagen. Wenn in Silbereisens Facebook-Post zur Trennung nun steht, er habe sich in den letzten zehn Jahren "nur ganz selten" zu seinem Privatleben geäußert, muss man einschränken: Außer seine Freundin kam in eine seiner Shows.

So gibt es bei YouTube einen Ausschnitt aus der Silbereisen-Sendung Heimlich! Die große Schlager-Überraschung. Dort liest der Moderator eine Zuschauerfrage an Helene Fischer vor: "Hat Florian sich um dich gekümmert, als du krank warst?" Fischers Antwort ist zunächst harmlos: "Ja, hat er, und zwar sehr, sehr süß." Was sonst auch sollte sie sagen: Nein, Florian ist ein selbstsüchtiges Monster, das sofort entschwindet, wenn ich bedürftig bin? Dann aber wird es komplexer: Zunächst habe sie ihre Zeit gebraucht, "um richtig fit zu werden und ich wollte ihn nicht anstecken". Aber: "In schwierigen Momenten, in schwierigen Zeiten ist er dann wirklich immer da." Silbereisen steht mit einem lausbübischen Lächeln daneben und sagt: "Gell, bin ich brav?"

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Ihr Lieben, heute wende ich mich mit sehr persönlichen Zeilen an euch, die mir aber sehr wichtig sind hier nieder zu schreiben. In den nächsten Wochen und Monaten wird die Gerüchteküche in den Medien - wie schon so oft in den vergangenen Jahren - brodeln und um hier einfach vorweg den Wind aus den Segeln zu nehmen, schreibe ich euch hier "unsere" Wahrheit. So traurig wir darüber sind, dass wir unseren Lebenstraum gemeinsam nicht verwirklichen konnten und Florian und ich nun getrennte Wege als Paar gehen, umso schöner und kraftvoller gehen wir aus dieser bitteren Erfahrung nun als Freunde neue Wege! Wir haben uns 10 Jahre Respekt, bedingungslosen Zusammenhalt, Harmonie, Treue, Freundschaft und Liebe geschenkt und das spiegelt sich jetzt auch in unserer Trennung wider. Wir gehen hier als Freunde gestärkt raus und werden nicht zulassen, dass sich uns die Medien auch nur ansatzweise in den Weg stellen oder uns gegeneinander ausspielen. Nichts und niemand kann uns erschüttern! Auch euch, liebe Fans und Freunde, bitten wir nicht allem Geschriebenen zu glauben, denn meist steckt dahinter nur eine Geschichte, die erfunden wurde. Wir sind zwar schon eine Weile getrennt, haben für uns aber auch erst einmal die Lage sortieren müssen und das braucht Zeit, denn auch wenn die Liebe schleichend geht, wirft man eine Beziehung nicht einfach nach 10 Jahren bedeutungslos hin. Aber ja, es gibt einen neuen Mann in meinem Leben und daraus will ich kein Geheimnis machen. Umso bedeutender und berührender ist für mich zu sehen, mit welcher Größe Florian damit umgeht! Ich bin nicht nur für 10 wundervolle Jahre dankbar, sondern jetzt auch dankbar solch einen Freund in meinem Leben zu wissen. Dass die Zeit die Wunden heilt und somit auch Seelenfrieden für diejenigen einkehrt, die betroffen zurück bleiben, wünsche ich mir von ganzem Herzen! Jetzt ist offen und ehrlich alles gesagt und nun kann ich nur hoffen, dass der Schock sich irgendwann auch in Freude für unser aller Glück umwandelt. Ich kann nur aus tiefstem Herzen sagen: Danke Florian 🙏🏼 für alles!!!

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In dieser Szene steckt die ganze Welt des Schlagers. Denn der ist eben nicht die bruchlose Idylle der volkstümlichen Musik, der sich Silbereisen seit Jahren zu entreißen versucht. Vielmehr ist der Schlager ein grandios übersteuertes Zerrbild des Alltags – und damit immer zugleich Nachahmung und Gegenentwurf dessen, was als "echtes Leben" selbst hochgradig zweifelhaft ist. Reihenhaus im Glitzersakko. So fragte Jürgen Marcus gleich zu Beginn von Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben voller Pein, Selbstzweifel und Trennungsschmerz: "Wie war das noch gestern? Wer war ich noch gestern?" Roland Kaiser beschreibt in Joana die zweifelhafte Lust des Fremdgehens, "ohne Fragen an den Morgen danach". Und nicht zu vergessen ist natürlich Andrea Berg, Fischers Vorgängerin als Schlagerkönigin: "Du hast mich tausendmal belogen, du hast mich tausendmal verletzt" ist definitiv nicht heile Welt.

Die Schilderung des Krankenbesuchs sagt nun alles über eine Liebe zweier Profis auf vernünftiger Distanz. Konkret: Fischer will Silbereisen nicht anstecken – denn klar, er hat ja auch Termine und Verpflichtungen. Die sagt er aber auch gerne mal ab – wenn sie das wünscht. Das ist ebenso modern wie die Körpersprache des Paars: Sie schmiegt sich nicht devot in seinen Arm, sondern baut vielmehr mit ihren Armen kurzzeitig eine Art Käfig um seinen Kopf und Oberkörper. Botschaft, ob bewusst oder unbewusst ausgesandt: Sie hat hier die Kontrolle. Sie hält ihn fest, er grinst etwas dümmlich. Hätten sie ein Kind, Silbereisen hätte Kita-Dienst. Jeden Tag.

Zu den vielen zeitgemäßen Erzählungen des Schlagers haben Fischer und Silbereisen so ein neues Kapitel hinzugefügt: die des Powerpaars mit leichten Vorteilen für sie. Und das Großartige ist, auch weil es wirklich von Größe der beiden zeugt: Diese Geschichte ist noch nicht vorbei. In den Erklärungen zur Trennung und zu Fischers neuem Partner, die beide nun nahezu zeitgleich auf Instagram oder Facebook stellten, ist nicht nur viel von Freundschaft die Rede. Silbereisen schreibt auch: "Helene und ich sind nun kein Liebespaar mehr, doch wir haben nach wie vor gemeinsame Pläne: Wir möchten zum Beispiel irgendwann in den nächsten Jahren unsere erste gemeinsame TV-Show präsentieren!"

Gesellschaftlicher Wandel hat es in Zeiten der Skepsis gegenüber urbanen Eliten schwer, in der Weite des Landes anzukommen. Und wenn es das Paar Fischer-Silbereisen tatsächlich schafft, die eigene Geschichte und die ihrer neuen love interests glaubhaft auf der großen Bühne als eine von Freundschaft, Fairness und Kooperation im Beruf fortzuschreiben, dann könnte das vielen Menschen helfen, ihren Omas, Nachbarn und Schulfreundinnen etwas Wichtiges zu vermitteln: Getrennt ist nicht gescheitert. Fischer stellte ihrem Instagram-Post sogar ein Foto aus besseren Tagen bei – Silbereisen und sie lachend, Gesicht an Gesicht. Bedeutung, im Kontext des interessanten Dokuments: Das war, das ist nicht mehr, das tut auch weh, aber davon bleibt etwas. Etwas Gutes. Das ist, am Ende, eine frohe Botschaft.

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