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"Tatort" Weimar Cowboy, warum guckst du so traurig?

Der Weimarer "Tatort" wildert im Western-Genre. Daran glauben müssen ein Indianer, ein Jungrind und der gute Geschmack. Klingt schräg, ist aber ziemlich genial. Yee-haw!
Aus der Serie: Tatort-Kritikerspiegel

Im Weimarer Tatort Der höllische Heinz wird ein toter Indianer aus der Ilm gefischt. Das Opfer ist Wolfgang Weber, Besitzer der Westernstadt El Dorado. Weber war kurz davor, seinen Pächtern zu kündigen. Haben die in ihrer Verzweiflung eine Lynchparty gefeiert? Während Kommissarin Kira Dorn (Nora Tschirner) in El Dorado undercover ermittelt, trifft ihr Kollege Lessing (Christian Ulmen) auf die Tiefbauunternehmerin Ellen Kircher. Diese lässt von ihrem Sohn Nick in der Westernstadt Angst und Schrecken verbreiten, seit sie dort eine geothermische Bohrung in den Sand gesetzt hat, für die Weber nicht zahlen wollte. Doch der gewaltsame Tod eines Jungbisons und ein weiterer Anschlag auf einen Mitarbeiter deuten darauf hin, dass hinter dem Mord am Indianer ein tieferes Geheimnis steckt.

1. Worüber werden am Mittwoch alle reden?

Christian Buß: Über all die Westernklassiker, die in dieser tollen Persiflage zitiert werden: von Rancho Notorious mit Marlene Dietrich bis El Dorado mit John Wayne.

Lars-Christian Daniels: Über den Wilden Westen, über handwarmen Whiskey und über sehr wenig Weimar.

Matthias Dell: Über die Gesangseinlage von Kira Dorn.

Kirstin Lopau: Darüber, ob sie schon wieder von der Silvesterparty ausgenüchtert sind. Wenn ja: Schade. Mit viel Restalkohol wäre der Tatort vielleicht zu ertragen gewesen. 


2. Was haben Sie aus diesem "Tatort" gelernt?

Christian Buß: Wie man einen Taubeneintopf zubereitet.

Lars-Christian Daniels: Taubeneintopf verfeinert man am besten mit Storch. Kenner wissen: Aufgewärmt schmeckt er am besten.

Matthias Dell: Dass Alkohol 2.000 Euro kosten kann.

Kirstin Lopau: Wir lernen, dass der Tatort kein Western ist – auch nicht, wenn man es parodistisch meint.

3. Welche Frage bleibt offen?

Christian Buß: Aber wie schmeckt denn nun so ein Taubeneintopf?

Lars-Christian Daniels: Wie schneidet Lupo beim Thüringer Ultraman ab? Zahlt sich das harte Training in der Ilm aus oder geht er ähnlich früh zu Boden wie am Tresen im Saloon?

Matthias Dell: Wieso hat die Polizei eigentlich solche Autoritätsprobleme, wo es doch noch nicht mal um Neonazis geht?

Kirstin Lopau: Wann gibt es denn mal einen halbwegs erträglichen Fall aus Weimar?


4. Welche Rolle hätte man besser besetzen sollen? Und mit wem?

Christian Buß: Vom Indianer mit Bart bis zur Saloondame mit Alkoholproblem – hier sind alle Figuren bewusst schräg angelegt. Eine wunderbar fadenscheinige Western-Illusion.

Lars-Christian Daniels: Egal ob Lex Barker, Pierre Brice, Eddi Arent (Gott hab sie selig) oder Ralf Wolter: Sie alle hätten diesem Tatort voller Western-, Lucky-Luke- und Karl-May-Anspielungen hervorragend zu Gesicht gestanden. Alle Beteiligten machen ihre Sache aber sehr ordentlich, wenngleich der großartige Peter Kurth oder die kühle Marie-Lou Sellem in ihren eindimensionalen Rollen ziemlich unterfordert sind.

Matthias Dell: Keine.

Kirstin Lopau: Das gesamte Drehbuch ohne Ausnahme.

5. Von welcher Szene werden Sie träumen?

Christian Buß: Von, nun ja, Taubeneintopf.

Lars-Christian Daniels: Vom abgetrennten Rinderkopf im Bett des höllischen Heinz. Der Pate wäre stolz gewesen.

Matthias Dell: Vom Sturz Lessings in den Teer oder was immer das war. Bis das Zeugs wieder ab ist!

Kirstin Lopau: Von Clint Eastwood – der konnte wenigstens Western.


6. Von 0 (superspannend) bis 10 (schon um halb neun eingeschlafen): Wie viele goldene Schlafmützen bekommt dieser "Tatort"?

Christian Buß: Eine Schlafmütze. 😴

Lars-Christian Daniels: Vier Schlafmützen. 😴😴😴😴

Matthias Dell: Sieben Schlafmützen. 😴😴😴😴😴😴😴

Kirstin Lopau: Neun Schlafmützen, nur mit Restalkohol zu ertragen. 😴😴😴😴😴😴😴😴😴

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