Franck Ribéry Reden ist Silber, Essen ist Gold

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Franck Ribéry wird beschimpft und schimpft zurück, weil er in Dubai ein riesiges vergoldetes Steak verzehrt hat. Kann man denn nicht origineller teuer essen? Von
Aus der Serie: Gesellschaftskritik

Ach, die armen Reichen! Kaum tun sie mal nicht so, als gingen sie am allerliebsten beim Discounter billiges Hackfleisch kaufen und brieten sich Burger auf dem Gartengrill, da geht der Ärger los. Der Fußballspieler Franck Ribéry hat sich in einem Restaurant in Dubai ein Tomahawk-Steak servieren lassen, mit dem er locker sein Gesicht hätte verdecken können. Vor allem aber war es komplett in Gold gehüllt.

Ribéry veröffentlichte zu diesem Anlass ein Video auf Instagram, das ein ziemlich albernes Herumgetänzel von Wirt und Gast um das Zerlegen und Salzen des Steaks zeigt, für das die Preisangaben derzeit noch zwischen umgerechnet 280 und 1.200 Euro changieren. Die vielen ziemlich gemeinen Beleidigungen anderer Social-Media-Nutzer beantwortete Ribéry wenig später wie folgt: "Lass uns beginnen mit den Neidern, den Hassern, die sicher durch ein löchriges Kondom entstanden sind. Fickt eure Mütter, eure Großmütter und sogar euren Stammbaum." Franck Ribéry werde auf jeden Fall, so hieß es vonseiten seines Vereins, der Menschenrechtsorganisation FC Bayern München, eine "sehr hohe Geldstrafe" für seine Ausfälle zahlen. Im Übrigen habe er das Essen aber gar nicht bezahlt, sondern sei eingeladen worden.

Es sagt einiges aus über das Verhältnis des Profifußballs zum Geld, dass das Nichtbezahlen nun irgendwie besser sein soll. In Wahrheit ist es natürlich noch blöder. Der Goal Rich List zufolge beträgt Ribérys Nettovermögen mehr als 60 Millionen Euro – wer sich da noch zum Essen einladen lässt, der rangiert moralisch deutlich unter demjenigen, der seine üppigen Einkünfte einfach nur so für Quatsch ausgibt.

Das andere Traurige an der Sache mit Ribéry: Selbst fehlender Stil beim Essen ginge ja so viel stilvoller. Schließlich ist Gold auf dem Teller immer so banal, so absehbar als Provokation – und taugt zudem eigentlich gar nicht zum Angeben, sondern sieht nur danach aus. Zehn Blättchen Blattgold kann man bereits für rund 15 Euro erwerben. Es muss, um zum Verzehr zugelassen zu sein, übrigens mindestens 22 Karat haben und ist im Lebensmittelgesetz als Zusatzstoff E 175 erfasst.

Damit Ribéry zukünftig wenigstens originell aneckt, sollte er sich auf Produkte verlegen, die aus sich heraus absurd teuer sind. Wie wäre es zum Beispiel mit ein bisschen Pula auf dem Teller? Ein Kilogramm des Käses kostet 1.000 Euro, weil der Rohstoff von einem seltenen und auch nur zögernd Milch gebenden Balkanesel stammt. Dazu ließe sich ein Stückchen jenes Blauflossenthunfischs reichen, der kürzlich in Tokio für umgerechnet 2,7 Millionen Euro versteigert wurde, was einen Kilopreis von knapp 10.000 Euro ergibt. Das schmeckt zwar bestimmt nicht zusammen, aber dagegen hilft hernach gewiss ein Tässchen Tee von Sträuchern, die mit dem Dung von Pandas kultiviert werden – so hat es der chinesische Geschäftsmann An Yanshi ersonnen, ein Pfund kostet rund 27.000 Euro. Ach so, den Preis kann man gar nicht sehen? Na, dann kann Franck ja noch ein bisschen Gold draufwerfen.

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