Melania Trump: Das Kettensägemassaker

© Jure Makovec/AFP/Getty Images
Die Präsidentengattin Melania Trump gibt es jetzt auch als lebensgroßes Schnitzwerk, in ihrer Heimat Slowenien. Die Statue nahe Sevnica wirkt recht, nun ja, hölzern. Von
Aus der Serie: Gesellschaftskritik

In Zeiten von Photoshop und Instagram-Filtern, die uns einen Kylie-Jenner-Glow ins Gesicht zaubern, gibt es viele Möglichkeiten, der Wahrheit nicht ins Gesicht blicken zu müssen. Jeder und jede hat es selbst in der Hand, wie er oder sie sich der Welt präsentieren möchte. Personen der Zeitgeschichte allerdings fällt es – das haben sie nun von ihrem Ruhm! – immer schwerer, ihr Bild in der Öffentlichkeit zu kontrollieren. Hinter jeder Hecke könnte ein Leserreporter einer Boulevardzeitung lauern, das Smartphone erlaubt längst den Superzoom, der jede Pore zum Krater werden lässt. Obwohl: Viel gnadenloser waren schon immer die künstlerischen Ansätze.

Da denkt man jetzt vielleicht an Picassos kubistische Phase, die seinen Musen das Auge zum Ohr wandern ließ. Oder an Lucian Freud, der es fertigbrachte, das brandmagere Model Kate Moss moppelig werden zu lassen. Aber gemeiner als Gemälde sind, wie sich nun wieder erweist, Skulpturen. Vor allem zeitgenössische Skulpturen. Eine Arbeit in Bronze hat den Fußballer Cristiano Ronaldo in ungeahnt tiefe Zweifel gestürzt, denn könnte es wirklich sein, dass das Spieglein an der Wand ihn so belogen hatte? Seinem Kollegen Mohamed Salah erging es ähnlich, bei David Beckhams Statue hingegen war die schiefe Physis Plan, denn er sollte hereingelegt werden.

Die Statue von Ales "Maxi" Zupevc, der sich Besucherinnen und Besucher nähern © Jure Makovec/AFP/Getty Images

Auch Melania Trump wäre vermutlich lieber schmeichelhaft und in Schwarz-Weiß von Peter Lindbergh fotografiert worden. Die Gattin des US-Präsidenten wurde jedoch ebenfalls bildhauerisch umgesetzt, und zwar mit der Kettensäge: Lebensgroß aus Holz gehauen, rustikal in der Ausführung und von einem himmelblauen Kostüm umhüllt, wie sie es bei der Amtseinführung ihres Ehemanns trug, winkt sie fernab Washingtons ihrer Heimatstadt zu, Sevnica im Südosten Sloweniens. Hier steht Melania Trump nun auf einem efeubewachsenen Sockel, so erhöht, wie es traditionell für eine Muttergottes üblich wäre. Geschaffen hat das Ganze der Slowene Ales "Maxi" Zupev, der wiederum von dem US-Künstler Brad Downey beauftragt worden war.

Was dem einen seine Eule, ist dem anderen seine Nachtigall – so lautet die plattdeutsche Variante des Sprichworts von der Schönheit, die immer im Auge des Betrachters liegt. Melania Trump mag hier gestisch etwas grob auf ein starres Winken und ihren üblichen unfrohen Blick reduziert worden sein. Aber ist der Ansatz, sie zum Sinnbild der um alle individuellen Details beraubten, zur Repräsentation verdammten Politikergattin zu machen, denn künstlerisch nicht durchaus respektabel? Hm. Da stehen wir jeder Interpretation aufgeschlossen gegenüber. Auf jeden Fall sitzen Melanias Haare in Holz eins a.

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