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Trennungskinder: Zu dir oder zu mir?

Vertreibende Mütter, verschwindende Väter: Irgendwo zwischen diesen Klischees ringen getrennt lebende Eltern um das Beste für das Kind. Ist das Wechselmodell die Zukunft? Eine Analyse von

Wenn man Almut* aus Kiel fragt, was sie am nächsten Wochenende unternimmt, wird sie traurig: wieder Sonnabend und Sonntag im Grünen, im Garten ihrer Eltern. Es ist kein kinderfreies Wochenende, auf das sie sich freut, sondern gehört zu jenen zwei Wochen pro Monat, an denen Niklas*, fünf Jahre, und Lilli*, drei Jahre, nicht bei ihr leben. Dann sind sie beim Vater, denn Almut praktiziert mit ihrem Ex-Freund das Wechselmodell, sie erziehen getrennt und doch gemeinsam – paritätisch. Die Kinder pendeln hin und her zwischen den Elternteilen, 50:50.

Das Wechselmodell, das nach einer Trennung oder Scheidung eine geteilte Erziehung ermöglicht, sorgt seit Jahren dafür, dass in Deutschland Vertreter von Väterverbänden und Frauenrechtlerinnen, Geistliche und Politikerinnen, Lehrerinnen und Psychologen sowie republikweit zahllose Mütter und Väter miteinander streiten. Die einen loben, dass damit stereotype Rollenbilder überwunden würden. Die anderen kritisieren, dass so Kontinuität im Leben der Kinder fehle. Die Frage, bei wem die Kinder nach einer Trennung leben sollen (und wie lange), berührt viele neuralgische Punkte. Und: Eigene Kinder stellen heute für viele Erwachsene die einzige emotionale Kontinuität in ihrem von Umzügen, Trennungen und Neuanfängen geprägten Leben dar.

Auch Almut empfindet es wie eine "Tortur", die eigenen Kinder die Hälfte des Monats nicht bei sich zu haben. Als ihre dreijährige Tochter im Juli eine Sommergrippe mit hohem Fieber hatte und sie erst eine Woche später davon erfuhr, fühlte sie sich sehr mies, wie sie erzählt. Außerdem hatte Lilli Mähni, ihr Lieblingsstofftier, einen Löwen, der fast so groß ist wie sie selber, beim letzten Wechsel bei ihr gelassen. Sie hätte ihr Mähni gern gebracht.

Das Wechselmodell passt nur, wenn die Eltern gut miteinander können.
Oliver, getrennt lebender Vater

Oliver* hat eine andere Sicht auf das Wechselmodell als Almut: Seine Ex-Frau und er wohnen nur fünf Minuten voneinander entfernt. Dass Katharina* in Berlin-Kreuzberg eine bezahlbare Wohnung in seiner Nähe gefunden hat, erscheint ihm fast wie ein Wunder. Auch wenn Tochter Juno*, acht Jahre alt, wochenweise wechselt, sehen sich die Eltern zwischendurch, im Sommer wird sogar mal gemeinsam gegrillt. "Anders geht das doch gar nicht", sagt Oliver, "all diese Schulsachen, man muss echt viel miteinander besprechen. Das klappt besser von Angesicht zu Angesicht." Weihnachten haben sie auch zusammen gefeiert. Wie das wird, wenn neue Partner im Spiel sind? Das weißt Oliver noch nicht genau. Fest steht für ihn: "Das Wechselmodell passt nur, wenn die Eltern gut miteinander können."

In vielen Ländern, zum Beispiel in Frankreich, Belgien, Dänemark, Schweden, Norwegen, Spanien und Griechenland, wurde das paritätische Wechselmodell bereits gesetzlich festgeschrieben. Das im Bürgerlichen Gesetzbuch verankerte Familienrecht ist in Deutschland noch auf das sogenannte Residenzmodell ausgelegt. Dieses sieht vor, dass Kinder getrennter oder geschiedener Eltern einen Hauptwohnort haben, meistens, aber nicht zwingend, bei der Mutter. Das Wechselmodell können Familiengerichte zwar anordnen, gesetzliche Regelungen dafür gibt es nicht. Dabei bleibt es im Prinzip erst einmal. Ende September hat der Rechtsausschuss des Bundestags die Einführung des Wechselmodells als Regelmodell abgelehnt. Die FDP, die den Antrag eingebracht hatte, hatte argumentiert, dass dieses Modell "dem Kindeswohl durch die gemeinsame Erziehung beider Eltern am besten Rechnung trage und gleiche Teilhabemöglichkeiten von Männern und Frauen am Arbeitsmarkt schaffe". In der Begründung zur Ablehnung heißt es unter anderem, weder das Bundesverfassungsgericht noch der Bundesgerichtshof sähen eine Pflicht des Gesetzgebers, getrennt lebenden Eltern eine paritätische Betreuung vorzugeben.

Ein "verordnetes" Wechselmodell werde nur den Fällen gerecht, in denen es gut umsetzbar sei, zum Beispiel bei Wohnortnähe der Eltern, und wenn es dem Kind nicht schade, sagt der Ravensburger Kinderarzt und Buchautor Herbert Renz-Polster. Es gibt Kinder, die jeden Monat mehrfach durch die Republik fliegen, so wie Tim*, dessen Vater nach der Trennung zur neuen Freundin von Berlin nach München zog und den noch nicht schulpflichtigen Sohn alle zwei Wochen zu sich holt. Wie das mal werden soll, wenn Tim in die Schule geht? Seine Eltern wissen es noch nicht.

Kommentare

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das sehe ich auch so : diese ganzen Modelle sind Makulatur wenn die Kinder selber bestimmen wo sie ihre Zeit verbringen wollen. Bis dahin brauchen Kinder Verlässlichkeit und einen stabilen Rahmen, das sehe ich in der Regel eher in einem Modell, in dem ein Elternteil die Hauptbezugsperson darstellt.
Man sollte dabei nicht vergessen, dass nicht die Kinder die Eltern getrennt haben, das waren die Eltern selber und alle Regelungen sollten zunächst die Interessen der Kinder berücksichtigen.