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Weltvegantag: Wie tierfrei ist eigentlich Ihre Banane?

Und was ist mit dem Smartphone? Überraschung, es ist totes Tier drin: Zwölf Produktenttäuschungen zum Weltvegantag – da wird sogar prosten zum Problem. Von und Illustration:

Dass in Gummibärchen Gelatine aus Bindegewebe vom Schwein steckt, wissen mittlerweile die meisten Menschen, nicht nur die, die auf tierische Zutaten verzichten. Auch Käse ist offensichtlich nicht vegan, denn er ist ein Milchprodukt. Dass er wie die Gummibärchen nicht einmal vegetarisch ist, liegt am Lab, das in beinahe allen Käsesorten steckt, ein Enzymgemisch, das aus Kälbermägen gewonnen wird.

Das war jetzt einfach. Aber darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe an Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen, von denen man eigentlich nicht denken würde, dass sie tierische Bestandteile enthalten können, Bananen zum Beispiel oder Smartphones. Zum 25. Weltvegantag am 1. November haben wir zwölf Dinge gesammelt, für die überraschenderweise Tiere gestorben sind.


Apfelschorle

Ein Verfahren, um naturtrübe Säfte wie Apfelsaft zu klären, ist der Zusatz von Gelatine. Zwar wird die Gelatine zusammen mit den an ihr haftenden Trübstoffen vor dem Abfüllen wieder aus dem Saft gefiltert, doch ist das Produkt eben nicht ohne tierische Zutaten das geworden, was es ist. Eine Foodwatch-Untersuchung hat ergeben, dass bei über einem Drittel der marktüblichen Apfelsaftsorten Gelatine eingesetzt worden ist oder ihre Verwendung nicht ausgeschlossen werden kann. Ersatzweise klären einige Hersteller ihre Säfte mit einem rein mechanischen Verfahren, der Ultrafiltration. Andere setzen zur Klärung pflanzliche Gelatinealternativen ein, etwa aus Erbsenproteinen.


Banane

Selbst an Obst können tierische Stoffe haften. Im Fall der Banane sind es die zerstoßenen Panzer von Garnelen. Diese sind Hauptbestandteil des Insektizids Chitosan, welches Bananenstauden vor Insektenbefall schützen soll und den Reifeprozess verlangsamen kann, wie chinesische Wissenschaftler herausgefunden haben. Wer Biobananen kauft, kann davon ausgehen, dass sie vegan sind, weil der biologische Anbau den Einsatz von Insektiziden verbietet.


Brot

Brot, Croissants, Kekse, Eiswaffeln und andere Backwaren können Cystein enthalten, eine schwefelhaltige Aminosäure, die aus Schweineborsten oder Federn gewonnen wird. Cystein (zu finden auch als E920, L-Cystein oder L-Cysteinhydrochlorid) spaltet das Klebeeiweiß des Mehls auf. Der Teig wird dadurch elastischer, voluminöser und lässt sich leichter kneten, was den Backvorgang beschleunigt.


Wein

Trüber Wein? Muss nicht sein. Deswegen setzen Winzerinnen und Winzer seit Jahrhunderten sogenannte Schönungsmittel ein, die sich mit den Trübstoffen verbinden und sich anschließend am Fassboden absetzen: Gelatine, Eiklar oder Casein aus frischer Milch, das sogar gegen essigähnliche Geschmacksnoten hilft. Diese tierischen Stoffe können umstandslos durch pflanzliche Proteine aus Erbsen, Bohnen oder Kartoffelstärke ersetzt werden. Doch damit ist längst nicht alles ausgestanden: Manche Veganer hätten es auch gern, dass die Flaschenetiketten mit Leim auf pflanzlicher Basis und nicht etwa mit Knochenleim verklebt werden.


Fotoabzüge

Wenn Veganerinnen und Veganer hübsche Abzüge von ihren Fotografien machen möchten, stehen sie vor einer Gewissensentscheidung: Das geht nämlich nicht tierfrei und keiner der großen Hersteller kann dazu derzeit Alternativen anbieten: Die für den Fotoentwicklungsprozess notwendigen lichtempfindlichen Substanzen sind immer noch in mehrlagige Gelatineschichten eingebettet. 


Kondome

Viele Kondomhersteller benutzen das Milchprotein Casein, um den Rohstoff Kautschuk zu verarbeiten. Das im Handel erhältliche Kondom enthält zwar kein Casein mehr, wer aber Wert auf tierfreie Produktion legt, den befriedigt das vermutlich nicht. Eine Alternative sind komplett vegan produzierte Kondome, bei deren Herstellung Distelextrakt statt Casein zum Einsatz kommt, um das Ganze geschmeidig zu machen.


Smartphone

Vegan telefonieren? Eher unmöglich. Mobiltelefone können Gelatine und Klebstoffe tierischen Ursprungs aufweisen, vor allem aber enthalten die Flüssigkristalle der Displays tierisches Cholesterin – ein Steroid, das aus den Zellmembranen von Tieren gewonnen wird. Das gilt übrigens auch für die Bildschirme von Kameras, Fernsehern und Computern.


Müsliriegel

Der Müsliriegel ist ein Symbol für grünen Lebensstil, der möglichst wenig auf Kosten anderer gehen soll. Ausgerechnet dieses Lebensmittel ist nicht unbedingt tierfrei, was wieder mal am Allzweckverbinder Gelatine liegt. Irgendetwas muss ja die trockenen Flocken, Nüsse und Dörrobststückchen zusammenhalten. Aber auch hier gilt: Für Gelatine aus tierischem Gewebe gibt es pflanzlichen Ersatz, der Müsliriegel ebenso gut verkleistert.  


Zigarettenfilter

Schwein gehabt beim Rauchen? Kann vorkommen. In den Zigarettenfiltern steckt oft Hämoglobin. Der Eiweißstoff wird aus Schweineblut gewonnen und dient dazu, Schadstoffe aus dem Tabakrauch zu filtern. 


Bier

Hopfen und Malz und sonst gar nichts außer frischem Quellwasser? Wer denkt, dass Bier natürlich vegan sein muss, irrt. Wie beim Wein kann mit tierischen Bestandteilen geklärt werden, sogar mit der getrockneten Schwimmblase von Fischen, die die schwebenden Hefepartikel einfängt (so war es früher etwa beim Guinness). Die gute Nachricht: Nach dem deutschen Reinheitsgebot gebrautes Bier dürfte safe sein. Der Deutsche Brauer-Bund erklärt: "Deutsche Biere sind vegetarisch und vegan. Das auf dem Reinheitsgebot basierende Vorläufige Biergesetz und die Bierverordnung geben klare Vorgaben für die Herstellung von Bier, wonach tierische Stoffe wie Gelatine oder Hausenblasen nicht zulässig sind." Das Gebot ist allerdings kein Zwang – kleinere regionale oder Privatbrauereien müssen sich nicht daran halten.


Zahnpasta

Zahnpasta kann überraschend viel vom Tier enthalten, wir zählen mal auf: Lactoferrin, ein Protein aus Kuhmilch, das antibakteriell wirkt. Glycerin, ein Alkohol, der als Feuchthaltemittel wirkt. Propolis, das Kittwachs der Honigbienen, eingesetzt wegen der antimikrobiellen Wirkung. Wer sicher tierfrei putzen will, greift auf Zahnpasten mit Vegansiegel zurück.


Turnschuhe

Schuhe aus Leder gehen nicht für Veganerinnen und Veganer. Schon klar. Aber so offensichtlich ist es nicht immer. Die tierischen Bestandteile können in den für die Produktion verwendeten Klebstoffen und Leimen stecken, darin werden Schlachtabfälle (Knochen, Haut) oder Casein eingesetzt.

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