James Dean: Du bist tot, aber das macht ja nichts

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James Dean soll in einem Kriegsfilm mitspielen, dabei ist er 1955 verstorben. Puh, solche digitalen Reanimationen könnten noch so einige in ihren Gräbern umdrehen. Eine Glosse von
Aus der Serie: Gesellschaftskritik

Für Hollywood kann man gar nicht tot genug sein. James Dean etwa bleibt auch 64 Jahre nach seinem Tod nichts erspart, nicht die T-Shirts, getragen von Menschen, die nie einen Film mit ihm gesehen haben, nicht die Schlüsselanhänger, die ihn in seinem Porsche 550 Spyder zeigen – jenem Auto, in dem er auf dem Sunset Boulevard ums Leben kam. Aber jetzt kann er endlich in seinen erlernten Beruf zurückkehren und muss nicht länger auf Postern im Regen herumlungern. 

Dean nämlich soll die Hauptrolle im Kriegsfilm Finding Jack übernehmen, CGI-animiert, berichtet der Hollywood Reporter und zitiert einen der Produzenten: Man habe rauf und runter gesucht, und sich am Ende für Dean entschieden. Alte Fotos und Filmaufnahmen sollen dem Rechner als Grundlage dienen, gespielt wird er dann von einem Mann in Noppenanzug voller Sensoren vor einem Bluescreen. Die Stimme leiht ihm nachträglich jemand anderes. 

Bevor nun die Kulturpessimisten cineastische Leichenfledderei beklagen, lohnt ein Gedanke an die bisher ungeahnten Möglichkeiten, die sich da auftun. 

Zum Beispiel könnte die Debatte um den nächsten James Bond hier und jetzt beendet werden. Einfach die FaceApp über das jungenhafte Gesicht Deans legen und zehn Jahre draufrechnen – auf einen Effekt more or less kommt es ja auch nicht mehr an. Dean wäre der perfekte 007. Oder er lässt, eine Hand lässig am Lenkrad, den Motor seines Autos laut aufheulen und an der Ampel neben ihm steht Vin Diesel und guckt wütend, weil er das immer so macht: Fast & Furious, Teil 23. 

Wenn der Noppenmann mitmacht, könnte James Dean aber vielleicht auch im Alleingang den deutschen Film retten? Wie viel weniger nervig wäre ein Münsteraner Tatort mit ihm als Ermittler an der Seite von Axel Prahl! Als Signature Move könnte er sich stets um 21 Uhr, wenn der Mörder noch 40 Minuten von der Verhaftung entfernt ist, bei Columbo bedienen und sagen: "Eeeeine Frage hätte ich noch." Dessen Darsteller Peter Falk kann sich dagegen nicht mehr wehren, aber vielleicht geht es künftig auch mehr um die Frage, wer weniger tot ist und den anderen zitieren darf. 

Oder: Manta, Manta, jetzt erst recht. James Dean im ölverschmierten Unterhemd, intensiv rauchend repariert er ein Auto. Um die Ecke kommt Ralf Richter und brüllt: "Mann ey, wat dauert dat so lange?" Dean in Notruf Hafenkante mit blauem Strickpulli und grüblerischem Blick aufs Wasser, würde ihm gut stehen. Notfalls auch Dean als Juror in Voice of Germany. Er drückt den Buzzer, der Stuhl dreht sich um, Dean mit leicht geneigtem Kopf und hochgezogener Braue. Welcher Verrückte würde da noch ins Team Mark Forster wollen? 

Und Dean ist erst der Anfang. Marilyn Monroe zettelt in The Handmaid’s Tale einen Aufstand an. Judy Garland emanzipiert sich endlich von ihrer Rolle als Dorothy aus Kansas und steht in Kill Bill noch mal Uma Thurman zur Seite. Marlon Brando wird der gerissene Gegenspieler von irgendwem in irgendeinem Avengers-Spin-Off, wer blickt da schon noch durch. Und wäre Audrey Hepburn nicht wie gemacht für eine Arztserie mit Dustin Hoffman als gutmütigem Krankenhausclown, bei dem man immer gleichzeitig lachen und weinen muss? 

Selbst lebende Schauspieler könnten davon profitieren: Macaulay Culkin wäre immer noch klein und süß und Kevin – und trotz Smartphone und Co. kämen seine Eltern immer noch nicht auf die Idee, ihn einfach zu Hause anzurufen. Samuel L. Jackson müsste nicht mehr wirklich in jedem Film mitspielen, hätte also auch mal etwas Me-Time, und Bruce Willis hätte wenigstens noch ein paar Haare auf dem Kopf.

Vielleicht sollte man das Ganze aber auch einfach lassen, bevor Til Schweiger und Dieter Hallervorden anfangen, ihren Nachlass zu regeln.

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