Sophia Thomalla : Sie lässt jetzt baggern

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Sophia Thomalla hat in ein Gütersloher Start-up investiert, das per App die Preise von Schotter, Kies und Sand vergleicht. Auch das ist für sie Feminismus. Eine Glosse von
Aus der Serie: Gesellschaftskritik

Überall ist Wunderland, wie es in einem Gedicht von Joachim Ringelnatz heißt. Und genauso kann überall Feminismus sein, sogar da, wo man ihn gar nicht vermutet, "... im Strumpfband/ Wie irgendwo daneben" (noch mal der Ringelnatz). Die kleine Gesellschaftskritikredaktion kann interessiert mitteilen, dass Sophia Thomalla sich nicht länger auf ihr Äußeres reduzieren lässt. Und das hat auch noch richtig viel Geld gekostet!

Aber von vorn. Die Schauspielerin und Moderatorin war wieder mal als Markenbotschafterin angefragt worden, das sind prominente Menschen, die als Model gebucht werden und wegen ihrer Bekanntheit auch einen Teil ihrer Pörsönellity einbringen können. In dieser Funktion hat Thomalla etwa schon einmal für einen Technikmarkt relativ unbekleidet an einem Kreuz herumgehangen und Abwechslung für "Männertage" versprochen. Doch jetzt ist erst mal alles anders. Sie wolle nicht mehr bloß Werbegesicht sein, sondern als Investorin einsteigen, schreibt Thomalla auf Instagram. Deshalb soll sie, wie der FAZ zu entnehmen ist, einen "hohen sechsstelligen Betrag" in einem Gütersloher Unternehmen angelegt haben: bei einem Start-up namens Schüttflix, das die Verteilung von Schotter, Kies und Sand per App organisiert. "Feminismus ist, wenn man als Frau mit coolen Jungs Geschäfte macht", schreibt Thomalla dazu auf Instagram.

In Zeiten, da Frauen immer wieder vorgerechnet wird, wie viel weniger Geld als Männer sie einst als Rentnerinnen haben könnten, ist ein vorausschauendes Investment natürlich löblich. Sollen andere prominente Frauen doch weiter von Cafés auf Mallorca träumen oder in Florida Schmuck entwerfen wollen – auf Schotter gebaut wird hierzulande schließlich immer irgendwie.

Und dass Schüttgut dank der auf Instagram sehr fleißigen Thomalla zu einem richtig sexy Thema in den sozialen Medien werden kann: bestimmt eine gute Sache, die der dezentralen Schüttgutverteilung in Deutschland aufhelfen kann. Die kleine Gesellschaftskritikredaktion weiß nur nicht, was an Thomallas Beteiligung jetzt so überraschend selbstbestimmt sein soll, schließlich haben sich bereits die Trümmerfrauen der Nachkriegsjahre sehr erfolgreich in der Schüttgutszene behauptet.

Sophia Thomalla hat einmal gesagt: "Natürlich bin ich Feministin. Wenn ich im kurzen Rock herumstehe und über mich selbst Witze mache, wie ich da im kurzen Rock stehe, ist das mein verdammtes Recht als Frau. Und wenn ich mir einen Mann aussuche, der Macho ist, auch." Also ist Feminismus überall da, wo sie ist. Jetzt wird er auch in den Sand gesetzt.

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