München: Rolex-Krise – was tun?

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Alles ausverkauft: In München sind keine Rolex-Uhren mehr zu bekommen. Sechs Dinge, die Sie als Uhrenliebhaber jetzt wissen müssen. Eine Glosse von
Aus der Serie: Gesellschaftskritik

Die Münchner "Abendzeitung" berichtet über eine verheerende Rolex-Krise in der bayerischen Landeshauptstadt: Rolex-Leere in den Schaufenstern, Auslagen und Vitrinen sämtlicher Juweliere. Auf eine einzige Uhr des Schweizer Luxusherstellers kämen in München derzeit 50 bis 100 potenzielle Käufer, Wartelisten für bestimmte Modelle würden bereits geschlossen. Und das ausgerechnet … jetzt! Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Rolex-Notstand, zu Ursachen und Ausmaß der Krise – und verraten, wie Sie Betroffenen helfen können.

1. Wie ist die Lage vor Ort?

Dramatische Szenen spielen sich bei Münchens Juwelieren ab. Fußballprofi und Uhrenliebhaber Jérôme B. wurde gesichtet, wie er tränenüberströmt aus dem Fachgeschäft Wempe auf die Maximilianstraße stürmte und fast von einem Bentley angefahren worden wäre. Auf dem ebenfalls extrem angespannten Münchner Mietmarkt versuchen Wohnungssuchende inzwischen, Vermieter zu bestechen – und zwar mit Wartelistenplätzen für besonders begehrte Rolex-Modelle. (Sollten Sie Vermieter sein, seien Sie gewarnt, es handelt sich regelmäßig um Betrugsversuche, denn wer sich eine Rolex leisten kann, mietet nicht.) Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) erhielt außerdem erste Morddrohungen, nachdem er auf Facebook in Marie-Antoinette-Manier geschrieben hatte: "Wenn sie keine Rolex bekommen, dann sollen sie doch Breitling kaufen."

2. Was können Münchner tun, die zu Weihnachten eine Rolex verschenken wollen?

Falls Sie auf eBay Kleinanzeigen kein Glück haben, gibt es eine letzte, kurzfristige Chance für Verzweifelte: München – nördlichste Stadt Italiens – verfügt über eine exzellente Nachtzugverbindung nach Rom. Fliegende Händler bieten dort preisgünstige Alternativen an, womöglich sogar Modelle und Farbkombinationen, die der traditionelle Schweizer Uhrenhersteller nicht führt. Ein Eldorado für Trendsetter! Aufgrund der kritischen Rechtslage empfehlen wir Ihnen diese Fahrt allerdings explizit nicht. Sollten Sie sich dennoch dazu entscheiden, stellen Sie bitte unbedingt sicher, dass Ihr Haus- und Hofanwalt auch während seiner Weihnachtsferien rund um die Uhr zu erreichen ist.

3. Wie kann ich Betroffenen helfen?

Falls Sie eine Rolex zu Hause haben, die Sie selbst nicht mehr tragen: Hilfsorganisationen raten in diesem Jahr davon ab, nicht mehr geliebte Schätze Geflüchteten oder Obdachlosen zu spenden. Sie empfehlen, stattdessen Bedürftige in München zu bedenken. Sollten Sie nicht mit einer Rolex helfen können, packen Sie ein Care-Paket für Betroffene. Tun Sie eine Magnum-Flasche Dom Pérignon rein und dazu ein erschwingliches Einsteigermodell von Patek Philippe. Bei einer Münchner Privatbank wurde außerdem ein Spendenkonto eingerichtet. Alle Zuwendungen kommen zu hundert Prozent denjenigen zugute, die nicht über die monetären Ressourcen verfügen, den Aufpreis für die deutlich teureren Rolex-Vintage-Modelle auf dem Wiederverkaufsmarkt zu finanzieren. Menschen etwa, die nicht so schnell an das Geld auf ihrem Offshore-Konto kommen. Wenn Sie Notleidende unterstützen möchten, geht das am unkompliziertesten über die Spendenhotline 0800 – ROLEXHILFE.

4. Sollte ich jetzt verkaufen oder auf weitere Wertsteigerung spekulieren?

Diese Entscheidung hängt von Ihrer Risikobereitschaft ab. Aktuell werden zahlreiche Modelle für ein Vielfaches des ursprünglichen Preises gehandelt. Es spricht aber einiges dafür, dass sich die Preise noch einmal verdoppeln könnten. Gleichzeitig warnen Ökonomen vor einer gefährlichen Spekulationsblase, nur vergleichbar mit der Tulpenkrise von 1637. Falls Verkauf oder Spende (vgl. Frage 3) für Sie grundsätzlich nicht infrage kommen, da Ihre Rolex einen großen emotionalen Wert für Sie besitzt, raten wir dazu, entsprechende Sicherheitsvorkehrungen zu treffen: Wechseln Sie regelmäßig den Code für Ihren Safe und treten Sie in der Öffentlichkeit diskret auf – verdecken Sie Ihren Chronometer stets mit dem Ärmel Ihrer Moncler-Daunenjacke.

5. Was sind die Gründe für die Rolex-Krise?

Das ist noch nicht abschließend geklärt. Wahrscheinlich ist, dass die Krise von Berlin ausgeht. Eine Theorie besagt, dass die Berliner Deutschrap-Szene den Münchner Markt leergekauft hat. Dafür spricht, dass zuallererst die in erfolgreichen Hip-Hop-Songs besungenen Modelle nicht mehr zu bekommen waren, etwa die Rolex GMT Master II, Rap-Fans bekannt als "Roli in der Farbe einer Pepsi". Ebenfalls plausibel wäre, dass Berliner Vermieter und Immobilienunternehmen wie die Deutsche Wohnen auf Luxusuhren setzen – als neue Renditestrategie. Insider berichten, sie wollten so die Verluste durch den Mietendeckel und das Enteignungsvolksbegehren kompensieren.

6. Wird sich die Rolex-Krise noch ausweiten?

Alle Anzeichen sprechen dafür. Wirtschaftskorrespondenten berichten bereits über Rolex-Engpässe in Düsseldorf und im Hochtaunuskreis.

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