Fashion Week Berlin Jetzt sind die Kronprinzen dran

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Die Bread&Butter gab den Takt der Berliner Modewoche vor. Bleibt sie weg, kann die Stadt ihre kreativen Kräfte sammeln. Diese Fashion Week hat gezeigt, was möglich ist. Von

Einen passenderen Ort hätten sie wirklich nicht finden können. Die Kronprinzen unter den Designern, die vielversprechendsten Talente also, zeigten ihre Mode in dieser Woche ausgerechnet im Berliner Kronprinzenpalais am Boulevard Unter den Linden. Das spätklassizistische Stadtpalais mit der geschwungenen Treppe, dem edlen Parkett und seinem stillen Garten ist wie geschaffen für Modepräsentationen für 100, vielleicht 200 Gäste, die verfolgen, wie sich das Schaffen eines Designers von Saison zu Saison entwickelt. Ganz so, wie damals im Atelier Chanel, Dior oder Saint Laurent in Paris. Die Konzentration auf das Wesentliche, auf Stoffe und Schnitte, auf Ideen von Weiblichkeit und Schönheit, war der Kern, von dem die Kraft zum Aufstieg dieser Marken ausging. Das ist der Weg, den auch Perret Schaad, Vladimir Karaleev und Newcomer wie Tim Labenda im Kronprinzenpalais wählten. 

Es ist ein Treppenwitz der jüngeren Stadtgeschichte: Jahrelang hatte die Medienagentur IMG, der Veranstalter der Mercedes Benz Fashion Week, mit dem Senat um einen zentralen Standort für sein riesiges weißes Zelt gefeilscht. Den Bebelplatz musste IMG auf Druck von Künstlern verlassen, die den historischen Ort vom Kommerz entweiht sahen. Dieses Jahr war die WM-Fanmeile wichtiger und verdrängte das Mode-Zelt in den Wedding. Und jetzt kommt die modische Avantgarde und besetzt beinahe beiläufig genau jenen Quadratkilometer zwischen Brandenburger Tor und Dom, in den die Mercedes Benz Fashion Week immer wollte. Dort war sie dann diese Woche auch zu finden, die Zukunft der Berliner Mode. Ganz ohne Riesen-Zelt.

Nachdem Karl-Heinz Müller am Dienstag angekündigt hatte, mit seiner Messe Bread&Butter nach elf Saisons im Flughafen Tempelhof zumindest für den Winter in Richtung Barcelona zu entschwinden, stellte sich in den vergangenen vier Tagen vielen die Frage: Quo vadis, Berlin Fashion Week? Wird die Modewoche ohne die Streetwear-Messe, die einst 100.000 Besucher in vier Tagen anzog, auf Provinzniveau fallen? Was Müller diese Woche in einem Interview mit der Berliner Morgenpost sagte, ist sicher nicht ganz falsch: Die unterschiedlichen Modemessen kannibalisierten sich gegenseitig, die meisten Präsentationen erfüllten nicht den internationalen Standard.

Es ist aber auch nicht ganz die Wahrheit. Auf der Messe Premium standen die Händler zeitweise Schlange und auch die Messen Seek und Panorama vermeldeten gute Umsätze. Der Kern der Berliner Modewoche sind mittlerweile die Messen, die Marken zeigen, mit denen sich jede kleine Boutique ein Stück lässiger Turnschuh-Hipness oder Avantgarde-Kompetenz in die Regale holen kann. Das Profil der Bread&Butter mit Jeansriesen wie Levi's und Massendesign von Marken wie Scotch&Soda scheint dagegen überholt. Die Hallen des Tempelhofer Flughafens waren am letzten Messetag jedenfalls fast so leer wie das Flugfeld draußen vor den Hangars weit ist.    

Volles Haus dagegen in Berlins sandsteingoldener Mitte. Bei Clemens-en-August, der Münchner Modemarke von Alexander Brenninkmeijer, mussten die Gäste in den hohen Räumen des Palais am Festungsgraben eng zusammenrücken. Inspiriert von der gebrochenen Coolness von Wes Andersons Royal Tenenbaums zeigte Brenninkmeijer schmale, strukturierte Kleider und Anzüge in Wüstenfarben, auch die abgesetzten Bündchen und Zick-Zack-Details erinnerten an traditionelle Muster Nordafrikas. Ein halbes Dutzend Websites übertrug die Präsentation live, dort konnten die Kollektionsteile dann auch gleich bestellt werden. Für Clemens-en-August ist der direkte Kundenkontakt von jeher Teil des Konzepts. Statt an Händler verkauft Brenninkmeijer seine Mode in Galerien, temporären Shops und Showrooms in immer anderen Städten. Die direkte Verbindung von Laufsteg und Online-Shop könnte Schule machen. 

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