Gesellschaftskritik Heidis Haltungsschäden

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Aus der Serie: Gesellschaftskritik

Es herrscht Aufregung in deutschen Mädchenzimmern. Gerade war Germany's Next Topmodel überstanden, gerade hatten Mütter ihren modebegeisterten Töchtern die Pumps von den Füßen gezogen und die zarten Fesseln zurück in die Converse gesteckt – wohin Teeniefüße gehören –, da sorgt Heidi Klum wieder für Unruhe. Aktuelle Bilder zeigen die Modellmutter, wie sie mit ihren beiden Töchtern in New York die Straße überquert. Alle drei tragen dabei hochhackige Schuhe. Die zehnjährige Leni ein Exemplar in Lackschwarz, die vierjährige Lou eine zierliche Glitzersandale mit derzeit modischem Kitten Heel. Unverantwortlich!, schnaubte ein deutsches Prominenten-Magazin. Ob Heidi denn nicht wisse, was das für Haltungsschäden verursache.

Wir möchten an dieser Stelle deeskalierend aufklären, wie es in der Wissenschaft üblich ist. Diese Kolumne ist schließlich für die VIP-Forschung, was Science für die Genetik ist. Unsere Erkenntnisse gewinnen wir aus der Beobachtung eines besonders auffälligen Volkes. Dessen traditionelles Siedlungsgebiet sind die Städte New York, Los Angeles, London und Paris. Angehörige zeigen ein sehr wechselfreudiges Paarungsverhalten, und ihre traditionelle Tracht füllt problemlos einen ganzen Flügel des Victoria & Albert Museums.

Zurückgreifend auf die umfangreiche Empirie vergangener Jahre können wir mit Sicherheit sagen, dass die sogenannten "High Heels" für weibliche Mitglieder dieses Volkes zum Alltagshabitus gehören. Die Wahl alternativen Schuhwerks, als "Ballerinas" oder "Flats" verschrien, ist für die Frauen der Gruppe mit erheblichen sozialen Sanktionen verbunden und kann mit dem Ausschluss aus der Gemeinschaft geahndet werden. Besagte Heidi Klum gab in einem Leitfadengespräch an, ohne jene High Heels zu klein zu wirken und so die Erwartungen anderer zu enttäuschen. In ihrer Logik ist es nur richtig, dass sie ihre Töchter schon in jungen Jahren an die Tradition heranführt, um öffentlich die Zugehörigkeit zur Gruppe auszustellen.

Es ist außerdem zu erwarten, dass ihre ältere Tochter Leni demnächst mit ersten Tätowierungen auftritt. Mittels dieser subkutanen Symbolsprache wird allzumeist die Öffnung der Familie gegenüber den Werbungsversuchen junger männlicher Gruppenangehöriger angezeigt.

Sollten Sie derlei Vorgänge auch in Ihrem näheren Umfeld beobachten, bleiben Sie gelassen. Es handelt sich lediglich um kurzweilige Adaptionsversuche, die aus der Faszination am Fremden, einer ethnologischen Begeisterung und aus einem gewissen Exotismus resultieren. Gemeinhin nennt man das Folklore, und die ist gerade ziemlich angesagt.

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Im Buche Heidimaria (18,2-5; vgl. Jeremia 31,29) steht geschrieben: "Sie aber sagte: Wie kommt ihr dazu, dieses Wort im Lande Jetsetael zu gebrauchen? Ihr sagt: Die Mütter tragen hohe Schuhe, und die Töchter bekommen krumme Füße. So wahr ich lebe, spricht Klumwe, die Dame: Diesen Spruch soll keiner von Euch mehr benutzen. Seht, alle Menschen gehören doch mir. Mir gehört das Leben der Tochter und der Tochter. Nur wer sündigt, muß sterben!"
Nach neueren Forschungen zum Buche Esekiel ist offenkundig, daß sich eine apokryphe Tradition schon sehr früh (man nimmt an, mit der Königin von Saba) abgespalten hat, die das vollkommene Mutterrecht über Wesen desselben Geschlechts und gleichen Rollenmodells akzentuiert. Klagelieder hierüber sind typisch patriarchalische Dominanztexte, die - große Göttin sei es geklagt - sich in der Papyri-Überlieferung ungebührlich breitgemacht haben. Erst am zutiefst humanistisch geprägten Hofe der Medici zu Florenz kam ein uralter Überlieferungszeuge des Buches Heidimaria zum Vorschein. Als erste Trägerin von High Heels gilt folgerichtig Katharina von Medici, deren Ausruf "O Belle Pumpe" in Shakespeares "Sommernachtstraum" leicht verderbt eingegangen ist.