Gesellschaftskritik: Und was trägt Papa?

© Pascal Le Segretain/Getty Images

Ein Kind verändert alles. Plötzlich ist jede Sekunde alleine eine zu viel und die Abschiede nicht nur auf Kinderseite tränenreich. Prominente Mütter sind da klar im Vorteil. Sie können ihre Kleinen den ganzen Tag mit sich herumtragen, so wie Kim Kardashian. Seit der Geburt ihrer Tochter North geht Kim nicht mehr nur mit Ehemann Kanye West als Kimye im Partnerlook, sondern auch mit North. Sozusagen als Kimorth. Wenn Mama Kim die Kleine nicht gerade im Hotel vergessen hat, geht Kimorth in Leder und schwarzer Spitze zur Fashion Show von Givenchy, streift im grauen Hoodie durch die Straßen von Los Angeles oder stöckelt mit gegeltem Haar und Yves-Saint-Laurent-Tasche zur nächsten Limousine. Die Zornesfalte, die sich dabei manchmal auf Baby Norths Stirn bildet, lässt sich ja zum Glück bald mit Hyaluronsäure behandeln. Dafür beschäftigt die Kleine mit noch nicht einmal anderthalb Jahren einen eigenen Maßschneider. In dessen Atelier in der Villa Kardashian-West trug sich neulich folgendes zu: 

Kim: Guillaume, Darling, was ist denn das hier? 

Kim zupft an einem weißen Schlauchkleid mit Federapplikationen.

Guillaume, der Schneider: Baby Norths Outfit für die Limofahrt nächsten Dienstag. Dein Motto war doch slick and chic, non?    
Kim: Guillaume, ma cherry, hab ich dir das nicht schon tausendmal erklärt? Dienstag ist Kosmetik-Tag. Am Kosmetik-Tag ist Weiß doch keine Farbe. Am Kosmetik-Tag trägt Kimorth Nude. Nicht wahr, North?
North: Chacha. 
Kim: Du sagst es mein Nordlicht, die nudefarbene Boulet-Jacke von Chanel.
Guillaume, der Schneider: Mon dieu, Boulet… C’est Bouclé. Bouclé. 
Kim: Was flüsterst du da?
Guillaume, der Schneider: Nichts nichts…
Kim: Guillaume, Darling, während unseres letzten Smoothie-Sit-Downs mit Kanye hatten wir doch besprochen, dass in dieser Villa nicht geflüstert wird. Deal?

Guillaume vermisst gerade Norths Oberschenkel. 

North: Baba?
Kim: Gute Frage, mein Juwel. Was trägt Papa. Also, er trainiert ja gerade seine Brustmuskulatur. Deshalb ist unser Motto nächste Woche: tief, tiefer, am tiefsten.
Guillaume, der Schneider: Ich dachte, tiefer sinken geht nicht mehr…
Kim: Was sagst du?
Guillaume, der Schneider: Ich dachte, das Baby braucht noch mehr.
Kim: Wovon?
Guillaume, der Schneider: Von den Leder-Pampers. 
Kim: Du hast so Recht, Guillaume, wenn wir dich nicht hätten. Leather is the new black.
North: Riri.
Kim: North, ich fass es nicht. Wie kannst du mir das antun? Und dann auch noch vor Guillaume! Mein Rihanna-Komplex ist privat. Nicht mal Jesus, äh, Papa weiß davon.

Kim verlässt überstürzt das Atelier. Vorher schnappt sie sich noch Norths Puppe Gaga, heute im Spitzenkorsett von Givenchy.

Guillaume, der Schneider: North, mein Stern, sag mal: Bravo… Braaa-vooo!
North: Babo.

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"Prominente Mütter sind da

"Prominente Mütter sind da klar im Vorteil. Sie können ihre Kleinen den ganzen Tag mit sich herumtragen, so wie Kim Kardashian." "Die Zornesfalte, die sich dabei manchmal auf Baby Norths Stirn bildet, lässt sich ja zum Glück bald mit Hyaluronsäure behandeln. Dafür beschäftigt die Kleine mit noch nicht einmal anderthalb Jahren einen eigenen Maßschneider." -- Zynismus kann eine tolle Sache sein. Ich würde es an dieser Stelle jedoch nicht unter "Gesellschaftskritik", sondern Kitsch firmieren. Ich verstehe nicht, was sich die Redaktion dabei gedacht hatte. Vielleicht hilft es, ab und an einen Blick auf das große Vorbild New York Times zu werfen.