Gesellschaftskritik Die Jogginghose des Herrn

© Franco Origlia / Getty Images

Wer prominent ist, bekommt Geschenke. Oft sogar sehr viele Geschenke. Das ist ungerecht. Schließlich brauchen berühmte Menschen weniger Gaben. Sie können sich ja alles kaufen. Der Mensch, der am wenigsten Geschenke braucht, ist der Papst. Als Papst wohnt man in einer fertig eingerichteten Immobilie und muss nicht selbst im Vatikan-Supermarkt einkaufen. Außerdem pflegt man als Kirchenoberhaupt die Genügsamkeit, und predigt wider den Konsumwahn.

Der Papst bekommt allerdings besonders viele Geschenke. Neulich erst musste er einen ganzen Haufen davon verlosen. Darunter waren drei Fahrräder, ein Tandem, ein iPhone, eine Espressomaschine und ein Fiat Panda. Ebenso ein Gürtel. Da ist schon viel Gedankenlosigkeit dabei. Wozu braucht jemand, der stets eine weiße Soutane trägt, einen Gürtel? Und mit wem sollte der Papst Tandem fahren? Mit dem Heiligen Geist?

Die traurige Wahrheit ist: Die Leute, die den heiligen Vater beschenken, meinen mit ihrer Gunst gar nicht ihn, sie huldigen sich selbst. Das geht durchaus konform mit der Bibel. Im Alten Testament gibt es Geschenke niemals ohne Hintergedanken: Im Buch der Könige etwa spricht der kranke König zu Hasaël: "Nimm Geschenke mit dir und geh dem Mann Gottes entgegen und befrage den HERRN durch ihn, ob ich von dieser Krankheit genesen könne." Wer Gottesmänner beschenkt, hat also seit jeher auch das eigene Heil im Sinn. Allerdings waren es einst Öle, Gold und Myrrhe, die man den Männern Gottes brachte, damit sie den Allerhöchsten gnädig stimmen würden. Man wäre nicht auf die Idee gekommen, seine Heiligkeit mit ein paar Hosen bestechen zu wollen.

Renzo Rosso, Chef der italienischen Jeansmarke Diesel, kam durchaus auf diese Idee. Bei seiner Audienz beim Papst schenkte er ihm eine eigens für ihn geschneiderte weiße Jogginghose. Wohl in der Vorstellung, dass Franziskus einfach mal ein paar lässige Klamotten braucht. Das sieht doch jeder, dass er kaum etwas zum Anziehen hat und immer im gleichen weißen Normcore-Outfit herumläuft.

Ähnlich dachte man wohl auch beim FC Bayern. Der Verein war einige Wochen zuvor im Vatikan zu Besuch. Man überreichte dem obersten Hirten unter anderem ein FC Bayern-Trikot mit dem Namen Franziskus und der Nummer 1. Gerade so, als wäre es für den Pontifex eine besondere Ehre, Angestellter von Karl-Heinz Rummenigge zu sein. Obwohl in der Logik eines Rummenigge der Unterschied zu Franziskus' aktuellem Vorgesetzten nicht besonders groß sein dürfte.

Kommentare

0 Kommentare Kommentieren