Fashion Week : Tausend Farben tief

Wachsjacke oder Teddyfell: Wie begegnet die Berliner Mode diesem Wetter? Ziemlich farbenfroh – von Eisbärenweiß bis Ultramarinblau. Und mit betwitterbaren LED-Jacken Von
© Joern Pollex/Getty Images for IMG
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Weißer und roter Mantel von Bobby Kolade, Wachsjacke von Barbour, Teddyfellmäntel von rebekka ruétz und Lena Hoscheck, Impressionen aus dem Berliner Mode Salon und Gruppenbild der Designer

© Joern Pollex/Getty Images for IMG; Peter Michael Dills/Getty Images for Lena Hoschek; Adam Berry/Getty Images; razer Harrison/Getty Images for Rebekka Ruetz; Björn Jonas/Soto Store Berlin; trafopop

Neun Uhr morgens, das Wasser segelt in dicken Tropfen durch die kalte Luft, spritzt vom Kopfsteinpflaster, tropft von den Schirmen. Am zweiten Tag der Berliner Modewoche verteilen sich die Termine wie der Regen über die Stadt, vom Brandenburger Tor über das Berghain im Osten in die Backsteinburgen am Gleisdreieck. Vom noblen Kronprinzenpalais Unter den Linden bis hinunter an die Spree und schließlich hinüber nach Mitte.

Welcher Mantel hilft gegen so einen Winter und durch diesen Marathon? Eines dieser kastigen Mäntelchen aus Teddyfell vielleicht, wie sie an den Schultern der Bloggerinnen hängen, die durch den Regen zur Schau von Aleks Kurkowski eilen? Die Popularität des Materials scheint auf jeden Fall anzuhalten. Bobby Kolade, einer aus der jüngsten Generation Berliner Designer, schneiderte einen Mantel aus dem waschechten Steiffbärchenstoff. Seine Kollegin Rebekka Ruétz dreht das Thema weiter und schlägt ihrem Publikum gleich den ganzen schmutzig weißen Eisbären vor, natürlich fake fur only

Wer Klassischeres gegen das Mistwetter suchte, der wurde im Berliner Mode Salon fündig. Die brandneue Initiative zur Förderung des deutschen Modedesigns brachte junge und etablierte Könner aus allen Teilen der Republik unter dem klassizistischen Dach des Kronprinzenpalais zusammen. In Tim Labendas abstrakter Gebirgslandschaft aus gebürsteter Wolle (Rock plus Jacke plus Schal) ließen sich harte Tage ebenso überstehen, wie in einem der in hundert Farben schillernden Macro-Tweed-Mäntel von Odeeh. Der Berliner und die beiden Unterfranken verkörpern das, was sich der neue German Fashion Design Council auf die Fahne geschrieben hat: Hoch lebe das Atelier, in dem Mode von Meisterhand entsteht – egal ob sich selbiges in einem Kreuzberger Hinterhof oder im Industriegebiet von Giebelstadt befindet.

Ein Segen war die Konzentration von 18 Marken auf drei Etagen aber nicht nur für Presse und Einkäufer; man sah auch die Designer selbst Kontakte knüpfen, Augustin Teboul etwa mit Talbot Runhof plaudern und Marina Hoermanseder am Stand von Iris von Arnim, vertieft in den Erfahrungsaustausch zum Umgang mit anspruchsvollen Kundinnen. Und während wertvolles Branchenwissen informell von Generation zu Generation wanderte, entstand ein bislang ungekanntes Wir-Gefühl unter den besten deutschen Modemachern. In der Entwicklung der Modestadt Berlin könnte dieser Moment Geschichte werden.    

Aber zurück zur Ausgangsfrage: Wie sich im kommenden Winter gegen Wind und Wetter schützen? Kann nicht auch Technik helfen? Die erste Berliner Fashion Tech Konferenz, organisiert als Nebenprogramm der Modemesse Seek im Glashaus der Arena Treptow, suchte technische Lösungen für modische Probleme. Die dort gezeigten Jacken mit betwitterbaren LED-Leuchten könnten zumindest davor bewahren, im Halbdunkel von einer der in der Modewoche notorischen schwarzen Limousinen überrollt zur werden. Auf sogenannte e-fabrics, sensorische Stoffe, die bei steigender Luftfeuchtigkeit automatisch ihre Fasern imprägnieren sollen, müssen die Käufer dagegen wohl noch länger als ein Jahr warten.

Bis dahin hilft ein Update der guten alten Wachsjacke – so zumindest das Kalkül von Barbour. Die Briten präsentierten am Abend auf der Torstraße eine gemeinsam mit dem Japaner Yosuke Aizawa und seiner Marke White Mountaineerin entwickelte Outdoor-Kollektion. Aizawa hatte zuvor schon beim Luxusdaunenjacken-Hersteller Moncler für etwas Frische gesorgt, warum sollte das nicht auch bei Barbour helfen? Das typische Jägergrün durch Patchwork und knalliges Ultramarin zu ersetzen, fanden mindestens 250 überwiegend junge Gäste so spektakulär, dass sie bis in die späten Abendstunden mit Barbour feierten. Ein wenig war der Andrang wohl auch dem Schnitzeltruck vor der Tür zu verdanken.   

Wer nun noch immer nicht überzeugt ist, das richtige Outdoor-Outfit für kommende graue Zeiten finden zu können, dem bietet das Berliner Konzeptatelier Bless einen Ausweg. Zum 50. Geburtstag von USM setzte sich Bless mit deren modularen Möbeln auseinander – und hängt zwischen projizierte Sideboards eine Hängematte aus Fell. Wer einen dieser Bless-Klassiker sein Eigen nennt, der muss im nächsten Winter gar nicht mehr darüber nachdenken, in was er am besten übers Wasser geht. Er bleibt einfach drin.

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