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New York Fashion Week Junge Witwen, ab in den Club!

Nächsten Winter haben wir zwei, drei Kleidungsoptionen: Schwarze Kleider, dicke Hip-Hop-Westen und über allem einen schrägen Schal. Das Beste der New York Fashion Week Von

Schwarz, schwarz, schwarz

Ob die düstere weltpolitische Lage Schuld ist? Schon am ersten Tag der New Yorker Modewoche ließ der Designer Alexandre Plokhov seine Models fast ausschließlich in schwarzen, eleganten Mänteln über den Laufsteg schreiten. Darauf folgten tiefschwarze A-Linienkleider und kastig geschnitte Anzüge bei der Schau von Zero + Maria Cornejo. Alexander Wang schickte seine Models als blasse Gestalten mit strähnig gegeltem Haar über den Laufsteg, sie trugen mit silbernen Kugelketten gesäumte schwarze Bomberjacken, Pullis, Maxikleider und Miniröcke, die durch den Kontrast von Seide und Samt Tiefe gewannen. Nie haben mehr Designer im eigentlich farbenfrohen New York gänzlich schwarze Kollektionen gezeigt, als bei diesen Herbstschauen. Doch der geschäftstüchtige Designer Alex Wang sieht sich nicht als Kommentator des Weltgeschehens: "Die Kunden wollen schwarz von mir", sagt er. "Warum soll ich ihnen also keine tiefschwarze Kollektion geben?" Wangs Schwarz ist in der Tat nicht politisch, es ist das Schwarz japanischer Gothic Lolitas, in seiner Kollektion verwebt er Prunk mit Punk und der für ihn typischen Sportswear.

Der Designer Thom Browne widmete seine Kollektion dagegen der Kultur der Trauer. Mit seinem Händchen für handwerkliche Finesse und theatralische Inszenierungen ließ er seine schwarz gekleideten jungen Witwen vor weiß-gewandeten Träumerinnen defilieren. Seine Mode erzählt meisterhaft das Dilemma der jung-verwitweten Frau im 19. Jahrhundert: Sie ist im besten Alter, ist aber aufgrund der gesellschaftlichen Konventionen dazu gezwungen, allein zu bleiben. Doch durch einen kleinen Handgriff an den schmückenden Reißverschlüssen verwandeln sich Röcke und Mäntel von züchtig zu sehr offenherzig. Schwarzer Humor hat in Krisenzeiten noch nie geschadet.

Der schräge Schal

Mantel und Schal von Creatures of the Wind © Getty Images

Wer seine Kleidung nach dem letzten Schrei trägt, weiß, wie man stilsicher für ein Foto posiert (Füße parallel, gerader Blick) und seine Handtasche trägt (hochkant, während die Hand beide Henkel umfasst). Frisch von der New York Fashion Week kommt auch die Anleitung was mit dem Schal um den Hals zu geschehen hat: Wie die Stylisten etwa bei Thakoon, Creatures of the Wind und Jason Wu zeigten, schlingt man ihn nicht etwa dreimal fest um den Hals (was die polare Kälte abwehren würde, die in der Stadt herrscht), sondern man trägt ihn schräg über dem Oberkörper, wie eine Umhängetasche. Hilfreich ist, wenn man die Schalenden dabei im Gürtel fixiert – sonst droht das gute Stück stets wie ein nasses Handtuch von der Schulter zu flutschen.

Ab in den Club, Kid!

Mögen sich die älteren Semester an den 1970ern abarbeiten. Die jungen und zeitgeistorientierten New Yorker nehmen sich den Stil der Neunziger vor, jenes Jahrzehnts, in dem sie selbst aufgewachsen sind. Marcus Wainwright und David Neville recyceln für ihr Label Rag & Bone die Outfits von Rap und R 'n' B-Kombos wie TLC und Salt 'n' Pepa: Glänzende Daunenjacken kombinieren die Rag-&-Bone-Designer mit Seiden-Negligés in leuchtenden Farben. Nur gut, dass diese Elemente der Sportswear so geschickt verfremdet werden und nur schwach an einen frühen Helly-Hansen-Chic erinnern. Public School gehen subtiler vor: "Wir haben an eine House-Party gedacht, bei der ganz verschiedenen Charaktere zusammenkommen, deren gemeinsamer Nenner die Musik ist", sagt Maxwell Osborne, der gemeinsam mit Dao-Yi Chow das Label Public School führt. Zu der Party, auf der Menschen in diesen tiefsitzenden Wollhosen, durchgeknöpften Karokleidern, Daunen-Hoodies und -Parkas unterwegs sind, möchte man auch eingeladen sein.

© Albert Urso/Getty Images

Auftritt des Erben

Als Oscar de la Renta im vergangenen Oktober starb, verfiel die feinere Gesellschaft der amerikanischen Ostküste in Staatstrauer. Entsprechend demütig tritt sein Nachfolger Peter Copping das Erbe an. Vor Beginn seiner ersten Schau legte er eine schriftliche Erklärung auf jeden Platz, in der er sich untröstlich zeigte, nicht wie geplant noch mit Oscar de la Renta gearbeitet zu haben – er hoffe sehr, mit seiner Kollektion das Erbe des Hauses zu würdigen. Ein bisschen limitierend muss all die Ehrfurcht sein, denn Copping hangelte sich eng am Repertoire de la Rentas entlang und zeigte aufgestickte Rosen, ausgestellte Taftröcke, Nerz und Tweed-Ensembles. Doch für Copping, der zuletzt für Nina Ricci schneiderte, besteht Hoffnung. Spitze (auf die auch freigeistigere Labels wie Rodarte und Altuzarra setzten) wäre für Oscar de la Renta wohl zu anrüchig gewesen – Peter Copping setzt sie an einer elfenbeinfarbenen Robe als Rückenausschnitt ebenso überraschend wirkungsvoll wie eigensinnig ein.

© Jewel Samad/AFP/Getty Images)

Kunst am Kleid

Das Format Modenschau wandelt sich ständig. Anfangs empfingen die Designer ihre Kundinnen in intimen Salons, dann wurden die Schauen zu einem Event, dem auch Gäste beiwohnen, die sich mithilfe ihres Selfie-Sticks (die in vielen Museen der USA gerade verboten werden) lieber selbst ins rechte Licht rücken als die Mode anzusehen. Inzwischen kann man die Fashion Week selbst vom Sofa aus verfolgen, per Livestream. Wohl dem, der sich aufraffte, als Carol Lim und Humberto Leon zur Schau von Opening Ceremony einluden. Zuletzt bat das Duo ihren Freund Jonah Hill ein Theaterstück um ihre Kollektion herum zu erfinden und führten es an der Met auf. In dieser Saison zeigten sie ihre Mode im Rahmen einer Ausstellung neben bislang unveröffentlichten Fotografien von Spike Jonze – wiederum aus den 1990er Jahren. Sehenswert waren aber nicht nur die Bilder der Skater und BMXer, sondern auch die Kollektion, ein visuelles Mash-Up aus Spike Jonzes Motiven und dem Logo des Ausstellungssponsors Kodak – das heute gerade die gewisse Old-School-Coolness versprüht.

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