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Berlin Fashion Week: Nächster Halt: Zukunft

Die Berlin Fashion Week feiert zehnjähriges Jubiläum. Und verabschiedet ihren Hauptsponsor Mercedes-Benz. In einer Stadt voller Selbermacher setzt das neue Kräfte frei. Von

Hier sehen Sie Bilder der Herbstkollektionen 2017 von Hien Le, William Fan, Malaikaraiss, Dorothee Schumacher, Dawid Tomaszewski, Nathini van der Meer, Atelier About, Steinrohner und Rianna und Nina. 

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Zehn Jahre lang haben die Berliner mit ihrer Fashion Week gehadert. Zehn Jahre, in denen der Hauptsponsor Mercedes-Benz gemeinsam mit der Agentur IMG viel Geld in die Organisation, Durchführung und Vermarktung einer Modewoche in Berlin gesteckt hat. Zehn Jahre, in denen manchen das Zelt am Brandenburger Tor zu pompös und anderen nicht pompös genug war. In denen die Fashion Week immer ein anderes Berlin zu repräsentieren schien als jenes, das die Modemacher, die in dieser Stadt zu Hause sind, kannten. Ein Berlin der schwarzen Limousinen und der Champagner-Cocktails nämlich, der vollgestopften Goodie-Bags und operierten Gesichter, das ihrer Stadt, dieser dreckigen, billigen Hinterhof-Metropole, die sie sich für ihre Mode ausgesucht hatten, nicht entsprach.

Die Berliner Fashion Week fand nun zum letzten Mal unter dem Dach von Mercedes-Benz statt. Diesem Großsponsor, der auf der ganzen Welt Mode auf Laufstege bringt. Aber für Berlin eben doch eine Nummer zu groß war. Nicht zu groß für die Designer, die trotz des schweren Stands, den sie in diesem modefernen Land haben, anspruchsvolle Arbeit leisten. Aber vielleicht doch zu groß für die Stimmung, die Mentalität, die in der deutschen Modebranche herrscht. Marken wie Vladimir Karaleev, William Fan, Malaika Raiss, Perret Schaad oder Hien Le sind lange etabliert und zeigen ihre neudeutsche (Un-)Sachlichkeit lieber im kleinen Kreis, in Locations, die zu ihnen, ihrer Mode und ihren Kunden passen: zum Beispiel im Kronprinzenpalais, das sich auch wegen des dortigen Vogue Salons zu einem wichtigen Ort der Begegnung entwickelt hat. Trotzdem ist der Abschied von Mercedes-Benz kein Ende mit Schrecken.

Das bewies nicht zuletzt die junge Designerin Nathini van der Meer, die ihre lebensnahe und fröhliche Kollektion voller Strickpullover, Lederjacken, farbiger Anzughosen und bedruckter Socken vor überlebensgroßen Malereien ihrer Berliner Musen präsentierte. Auch wenn das Neue mit traditionellen Mitteln geschaffen wird, schaut die Modestadt Berlin nach vorne.

Denn der Versuch, Berlin in eine Reihe mit Paris, London oder New York zu stellen, ist aller Ehren wert gewesen und hat das Profil der Modestadt in den letzten Jahren geschärft. Mittlerweile gibt es neben den Schauen zehn Modemessen, die Käufer aus der ganzen Welt anlocken. Und das German Fashion Council, das Christiane Arp von der Vogue gemeinsam mit Anita Tillmann, Chefin der Messe Premium, gegründet hat, bietet Nachwuchsförderung und dringend nötige Lobbyarbeit. So fühlte sich diese letzte Mercedes-Benz Fashion Week ein bisschen an wie die letzte Station vor dem nächsten Halt: der Zukunft.

Kommentare

8 Kommentare Kommentieren

Ich sehe nichts, was mich zum kaufen animieren könnte.

Natürlich ist das Geschmackssache, aber gab es wirklich keine Kollektionen mit mehr qualitativer Anmutung, mehr Originalität, mehr Stil? Was hier zu sehen ist, könnte auch aus einem Second-hand Laden stammen, oder scheint wie für H&M, ZARA oder C&A gemacht. Es gibt in Berlin doch kreativere und qualitativ bessere Mode als das was auf den gezeigten Bildern zu sehen ist.