© David LaChapelle Studio/Courtesy of TASCHEN

David LaChapelle "Um an Gott zu glauben, braucht es Mut"

Der Fotograf David LaChapelle hat zwei Bildbände über Glauben, Liebe und Verlust vorgelegt. Selten war das Erhabene so schön. Die Geschichte einer Erleuchtung Interview:

"Yes! Wonderful! Brilliant!" David LaChapelle hockt auf einer Leiter, eine leuchtende Neonröhre in der Hand, und blickt traurig einem etwas überdrehten Fotografen in die Linse. Hinter der Kamera stehen kennt er ja: LaChapelle, der Starfotograf, der kritische Chronist der amerikanischen Konsumgesellschaft, dessen artifizielle Bildkompositionen wie Malerei von Hieronymus Bosch auf Amphetaminen aussehen. Nun ist er wehrloses Objekt eines anderen. LaChapelle ist nach Berlin gekommen, um seine beiden neuen Bildbände Lost & Found, Part I und Good News, Part II vorzustellen. Darin geht es ums Ganze. Es ist seine Version der biblischen Schöpfungsgeschichte, inklusive großer Sintflut und Flucht ins Paradies. Geflohen ist David LaChapelle vor ein paar Jahren selbst, vor dem Glamour der Modewelt und anstrengenden Kunden wie Madonna. Heute lebt er überwiegend auf Hawaii, wo er ein Haus besitzt. Ein Gespräch über das Aufwachsen in der Provinz, den Glauben an Gott und die Angst vor der amerikanischen Hexenjagd.

David LaChapelle: Entschuldigung, dass Sie so lange auf mich warten mussten. Der Porträtfotograf eben war sehr aggressiv und hat mich nicht gehen lassen.

ZEITmagazin ONLINE: Empfinden Sie diese Aggressivität als abstoßend?

LaChapelle: Nein, ich verstehe sie total. Er schien sehr enthusiastisch zu sein und das war auch gut so. Vor allem für jemanden wie mich, der eigentlich sehr ungern vor der Kamera steht.

ZEITmagazin ONLINE: Warum lassen Sie sich fotografieren?

LaChapelle: Ich wäre doch ein großer Heuchler, wenn ich mich als Fotograf nicht fotografieren ließe. Den berühmten Menschen, mit denen ich gearbeitet habe, ergeht es doch noch viel schlimmer. Die können nicht mehr allein vor die Tür gehen.

Radikaler Träumer: Der Fotograf David LaChapelle hat mit seinen extremen Bildern die Ästhetik von Mode und Popkultur neu definiert. © Thomas Schwiegert

ZEITmagazin ONLINE: Warum sind Menschen vom Ruhm so fasziniert?

LaChapelle: Keine Ahnung, aber die meisten wissen gar nicht, was wahrer Ruhm bedeutet.

ZEITmagazin ONLINE: Die Schattenseiten des Ruhms zeigen Sie auch in Ihren Arbeiten. Dort kippt die Anbetung der Stars schnell in Hysterie um.

LaChapelle: Klar. Ich habe immer gedacht, dass die meisten wirklich berühmten Menschen mehr gegeben als zurückbekommen haben, "they give more than they get".

ZEITmagazin ONLINE: Sie haben in den 1980er-Jahren als Fotograf für das Interview Magazine von Andy Warhol gearbeitet. Warhol hat als einer der ersten erkannt, welche Rolle der Ruhm in unserer Gesellschaft spielt.

LaChapelle: Die sprichwörtlichen "15 minutes of fame".

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