Dorothee Bär Das ist ihnen Schluppe

© Bernd von Jutrczenka/dpa
Wer als Frau bei den Christdemokraten was werden will, trägt Schluppenbluse. Das ist praktisch beim Zieleinlauf: Die Bugwelle ist immer bisschen früher da als die Frau. Von
Aus der Serie: Gesellschaftskritik

Wenn Frauen nach der Macht greifen, dann tragen sie gerne Schluppenbluse. Zumindest in der CDU und CSU. Und manchmal tragen sie sogar die gleiche. Dorothee Bär (CSU) jedenfalls freute sich während der Koalitionsverhandlungen sehr darüber, dass auch Julia Klöckner (CDU) mit weißer Bluse und locker geschlungener Schleife auftrat und tat ihre Freude darüber auf Instagram kund: "Die bezaubernde @juliakloeckner und ich haben auch noch beide einen suuuuuuper Geschmack." Sechs U, auf dem Bild dazu jubeln die zwei, als bräuchte man mindestens zwölf. Als designierte Digitalministerin fügte Bär dann noch diverse Hashtags an, #schneeweißchen, #rosenrot, #schwester oder #sachengibts. Ja, Sachen gibt's.

Dass Dorothee Bär Märchenfiguren einfallen, obwohl das Damenoberteil eher nach einer Kaufhausempfehlung für flotte Bürokleidung aussieht: Daran zeigt sich doch schon, was für ein ambivalentes Kleidungsstück die Schluppenbluse ist, stilistisch wie politisch. Man kann nur davor warnen. Wie übrigens vor allem, was mit dem Attribut "flott" belegt werden kann.

In der Schluppenbluse ist zunächst der etwas kleinmädchenhafte Wunsch versteckt, sich auf die artige Tour hübsch zu machen. Für Frauen, die danach trachten, hat die Modeindustrie ohnehin an allen Ecken und Enden der Kleidung Schleifen, Schlaufen und Maschen vorgesehen, an Hosennähten und Rocksäumen, an Socken und Dessous, deren Sinn nicht allen gefällt. Letzteres hat die Moderatorin Sarah Kuttner gerade auf Twitter folgendermaßen kommentiert: "Liebe BH-Hersteller! Was soll das immer mit den niedlichen Schleifen vorne? Ich habe Brüste, wie viel besser kann es noch werden?"

Ursula von der Leyen trägt blaue Schluppe. Februar 2018 © Frederic Sierawowski/Getty Images

So ein Schleifchen am Büstenhalter hat allerdings nicht die Wirkung einer Schluppe an der Bluse, die Frauen stets eine Art von Bugwelle verleiht: Der Stoff liegt wie die Gischt vor der Brust, die Bluse ist immer schon ein bisschen eher da als die Frau. Vielleicht ja praktisch beim Zieleinlauf? Wahrscheinlich ist die Schluppenbluse aber sehr viel kompetitiver, als man denkt, schließlich hat sie auch die als Eiserne Lady bekannte frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher getragen: mit Schleifen wie in Stahl gegossen. Nur so wird die Schluppenbluse zum Zeichen der Stärke, zur Rüstung, als Pendant zur militärisch steifen Anzugbrust des Mannes, der sich nie fragen muss, ob er nicht heute mal was Flottes für die Koalitionsverhandlungen anziehen sollte.

Angela Merkel, Helmut Kohl und Claudia Nolte, Letztere mit historischer Bluse © Getty Images

Doch man muss sich auch sorgen um die Frauen, die in der CDU Schluppenbluse getragen haben. Rita Süssmuth: out of business. Ursula von der Leyen: out of Africa. Angela Merkel hingegen, die mächtigste Frau der CDU, hat die Schluppenbluse immer gemieden, was auch damit zu tun haben könnte, dass sie in Claudia Nolte (CDU), die nach ihr 1994 Familienministerin wurde, ein warnendes Beispiel vor Augen hatte. Nolte überstand nur wenige Jahre in der Bundespolitik, sie hatte es blusentechnisch einfach allzu sehr übertrieben: Ihre Spitzenbluse mit vielfach gefälteltem Jabot war in ihrer Stofffülle damals aufsehenerregender als jedes Nacktfoto.

Wie also macht man es blusenmäßig richtig in der CDU, so auf lange Sicht gesehen? Annegret Kramp-Karrenbauer trägt relativ konsequent kragenlose Oberbekleidung, blusenmäßig ist sie also Merkels engste Vertraute. Wenn sie jetzt nicht eine Schleife dreht, dann steht ihr bei den Christdemokraten eine wirklich große Karriere bevor.

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