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Styleguide fürs Büro Was anziehen? Was ausziehen?

Bei 38 Grad fragt man sich schon mal, was man im Büro eigentlich noch anziehen soll. Für alle Ratlosen zeigen wir hier nochmal unseren Styleguide für Männer und Frauen. Von und

Obenrum

Er: Das geht schnell bei Männern. Langärmliges Hemd, oberster Knopf nur auf, Ärmel hochgekrempelt. Mit T-Shirt wird man nichts mehr (schaut an sich selbst herunter), mit kurzärmligem Hemd ist man bereits Pförtner, mit offenem Hemd bis zum Bauchnabel bleibt man hoffentlich auch im Urlaub allein mit sich.

Sie: Auf jeden Fall sollten Hemden langärmlig sein und kein Muster haben, das am Ballermann chic gefunden werden könnte. Halt, nee: Bitte überhaupt kein Muster.

Es (aus dem Off): T-Shirts sind völlig okay. Trägt der Chef auch.

Er: Polohemden, ja oder nein, aus weiblicher Sicht? Aus männlicher Sicht ja: nur auf dem Tennisplatz.

Sie: Polo ja, aber ohne aufgestellten Kragen. Finden auch Marken wie Gucci und Burberry gerade wieder sehr toll. Insofern vielleicht zu fashion forward?

Er: Das sind aber schon zwei Marken, die man, wie überhaupt Polos, nur in Arztpraxen vermutet, nämlich am Chef.

Sie: Dann so richtig superweiß, genau. Problem: Sie sind kurzärmlig. Man sollte vielleicht mal drüber nachdenken, dass man mit wenig Stoff am Leib gar nicht am wenigsten schwitzt. Kommt auf den Stoff an. Leinen zum Beispiel könnte doch angenehm kühlen, besser als Baumwolle, die Fasern leiten Feuchtigkeit gut ab. In der Wüste laufen die Menschen auch mit viel Stoff rum, übrigens. 

Er: Bei Leinen gibt es auch schon wieder ein Männerproblem: Miami Vice und Ein Mann für gewisse Stunden haben Leinen auf alle Zeit getötet, fürchte ich. Frauen tragen das noch?

Sie: Natürlich. Der Kunstlehrerinnen-Look mit Hosenrock und kragenloser Bluse ist sehr beliebt.

Er: Wenn ich mir jetzt sehr kurz mal vorstelle, eine Frau zu sein, dann würde ich mutmaßlich nur im Sommerkleidchen herumlaufen bei dem Wetter. Da hat man vermutlich aber irre lästiges Publikum, die unzerstörbarste Männerfantasie ist ja eben: Frau im Sommerkleidchen.

Sie: Ohne das -chen kommt es hin. 

Er: Also ein Kleid?

Sie: Ein Kleid, ja. Aber nichts, was wie aus Jane Birkins Kleiderschrank in der Gainsbourg-Zeit aussieht. Nichts mit Oh, là, là.

Er: Weil Jane Birkin nie ins Büro gegangen ist? Das ist allerdings auch interessant: Als Mann hat man die halbe Filmhistorie als Modereferenz, in der Männer als Chefs im Büro arbeiten – Frauen waren in Filmen früher nur Sekretärinnen. 

Sie: Als Frau hat man immerhin einen ganzen Kleiderschrank mit Varianten. Nicht nur lange Hosen. Arme Männer.

Es (aus dem Off): Seid ihr jetzt fertig?

Sie: Noch lange nicht fertig. Ich habe noch nichts über Achselhöhlen gesagt. Das ist eine strenge Regel: Sie sollten nicht sichtbar sein. Zu intime Zone. Also geht ein T-Shirt oder eine Bluse. Und kurzärmlig darf es auch sein. Nicht traurig sein, Mann.

Fazit: Wer als Mann alle Würde bewahren will, der zieht auch bei 34 Grad ein unifarbenes Hemd mit langen Ärmeln an. Wem diese Würde zu würdevoll ist, der kann auch Polohemden und T-Shirts tragen. Von Muskelshirts raten wir dringend ab. Bei Frauen ist das leichter: Kleidchen nein, Kleid ja. Achselhöhlen verbergen. Unterarme seltsamerweise weniger schwierig als beim Mann, also Bluse, T-Shirt, egal.


Untenrum

Er: Darf ich kurz draußen rauchen gehen? In der Hitze? In meinem T-Shirt? Und: in der langen Hose selbstverständlich.

Sie: Gegen Jeans ist nichts einzuwenden, wobei das in einer Bank oder einem Versicherungsunternehmen vermutlich anders gesehen wird. Hauptsache, man zieht keine Dreiviertelhose an, weil man denkt, dass der nackte Knöchel den ganzen Körper runterkühlt. Die zehn Zentimeter bringen gar nichts.

Er: Männerbeine sind eine unreformierbare Körperzone – jedenfalls bei ihrer Verwendung in Büros. Deshalb keine kurzen Hosen. Das Grundproblem ist mutmaßlich das der Behaarung: Natürlich belassen wirken Männerbeine ungepflegt, rasiert aber erst so richtig merkwürdig.

Sie: Rasiert nur, wenn man die Tour de France mitfährt. Aber zu Haaren gibt es sicher so viele Ansichten wie Männerbeine, ob Haare nun schön sind oder nicht, und wenn ja, wie viele. Und das Problem ist doch: Wer legt das fest? Kommt dann die Geschmackspolizei und nimmt das Haarmonster mit? Also müssen die Männer mit den schönen Beinen unter den Männern mit den hässlichen Beinen leiden. 

Er: Die Geschmackspolizei wohnt ja in der eigenen Hirnschale, gleich neben der Schamhaftigkeit und dem Body-Shaming-Zentrum. Vor lauter Nachbarschaftsstreit im eigenen Kopf zieht man als Mann am besten lange Hosen an. Dann ist Frieden da oben.

Sie: Um gerecht zu sein: Frauen sollten auch nicht in Shorts ins Büro gehen. Sondern kniebedeckt. Ob das nun ein Rock ist, eine Hose oder ein Hosenrock, egal.

Er: Ich dachte, die Regel gilt nur für Gotteshäuser. Muss ich jetzt so einen Man-wird-doch-wohl-noch-sagen-dürfen-Satz schreiben wie: In Büros darf man als Frau ja wirklich gar nichts mehr! Hey Es, du bist so still! Wir sind hier immerhin in Freudschen Höhen unterwegs gerade – untenrum.

Es (aus dem Off): Ich finde die Mode ist nicht gerecht zu Männern. Wenn Frauen bis zum Knie dürfen, sollen Männer das auch.

Er: Da wir Männer seit Jahrtausenden im Ungerechtigkeits-Business führend tätig sind, ist das schon okay, wenn wir heutzutage ein wenig leiden.

Sie: An den langen Hosen sind die Männer selbst schuld, weil sie sich seit Jahrhunderten den Anzug zur Berufsuniform gemacht haben.

Er: Die Antwort liegt in der Hitze. Aus dem Satz hätte Roland Kaiser früher einen Schlagerrefrain gemacht! Jedenfalls: Einen gewissen Wärmestau um die Beine herum müssen Männer gerade ertragen. Einfach den Schweiß laufen lassen. Sieht ja niemand, wenn es keine zu helle Hose ist.

Es (versteht die Welt nicht mehr): –

Fazit: Männerbeine haben es nach wie vor schwer und dürfen nur in langen Hosen ins Büro. Wenn man nichts gegen Miami Vice hat, auch in luftigen Leinen. Frauen sollten auch nicht in Shorts ins Büro. Alles, was ans Knie reicht, geht. Und für alle Frauen, die sich mit Männern solidarisch zeigen wollen: Lange Hosen gehen natürlich immer.


Ganz untenrum

Sie: Ich zuerst. Das Schlimmste am Sommer sind die Flipflops. Das schlappende Geräusch, die miefige Plastiksohle, auf der die Füße viel mehr schwitzen als in Lederschuhen. Und dieses Veto gilt für Männer und Frauen. Nur am Strand nicht.

Er: Füße sollte man wirklich nicht zur Schau stellen. Ich finde aber schon, dass es da graduelle Unterschiede des Schreckens gibt. Frauenfüße sind irgendwie im Vorteil. Nagellack drauf gepatscht, schon ist alles gut – oft.

Es (aus dem Off): 🙄

Sie: Und warum darf eine Frau Sandalen tragen und ein Mann nicht? Das ist ja auch schon wieder sehr ungerecht.

Er: Wenn man in "lockerer Arbeitsatmosphäre" beschäftigt ist, lässt sich die Frage mit Turnschuhen beantworten. Sonst wären die Unsummen, die Sportartikelhersteller in die Entwicklung sogenannter atmungsaktiver Turnschuhstoffe stecken, rausgeschmissenes Geld gewesen.

Sie: Die Frage ist, ob das funktioniert. Warum wollen so wenige Männer simple Lederschuhe anziehen?

Er: Weil die, wenn man sie vernünftigerweise ohne Socken trägt im Sommer, auch furchtbar knatschen. Das ist sozusagen der umgekehrte Stöckelschuh-Sound: dezent schwitziges Männerfuß-Knatschen in Loafers. Die Flüssigkeit muss ja irgendwo hin, das nennt man glaube ich Physik. Oder Erdanziehung. Im Männerschuh suppt es halt ein bisschen.

Sie: Daher kommt dieses Geräusch also. Ich sage mal: Körperpuder.

Es (aus dem Off): Eure Probleme will ich haben. Was also anziehen?

Er: Ein Unisex-Kompromiss wären leichte Stoffschuhe mit dünner Sohle.

Sie: Keine Sandalen? Och.

Er: Jedenfalls nicht bei Männern. Dafür braucht es auch keine Begründung, es versteht sich von selbst. Ästhetisch, ergonomisch, politisch.

Sie: Prima, ich muss nichts Hässliches über Männerfüße sagen, das hast du schon erledigt. Aber um fair zu bleiben: Von den Frauen sollten es auch so einige lassen. Simple Regel: Vorzüge betonen. 

Er: Was genau sind "Vorzüge" bei Füßen? Außer, dass man auf ihnen laufen kann?

Sie: Da müsstest du mal einen Fußfetischisten fragen. Oder Christian Louboutin.

Es (aus dem Off): Seid ihr jetzt fertig?

Er: Was zieht eigentlich Es ins Büro an?

Es (aus dem Off): Geschlossene Lederschuhe mit unsichtbaren Socken.

Er: Es hat es raus. Warum reden wir eigentlich die ganze Zeit hier noch?

Es (aus dem Off): Eben.

Fazit: Keine Flipflops, keine Flipflops und keine Flipflops. Gilt für alle. Zehenfrei eher schwierig für Männer, Sandalen ganz, ganz schwierig für Männer. Für Frauen sind Sandalen in gewisser Weise okay. Am besten wäre aber für beide Geschlechter ein leichter, geschlossener Stoffschuh mit dünner Sohle.

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