Verner Panton Als Wohnen Pop war

Helles Holz, maßvolle Proportionen, schlichte Geradlinigkeit: Design, wie es heute als "typisch skandinavisch" gilt. Diese Formsprache war allerdings nicht immer so unangefochten, wie eine neue Monographie über das Werk von Verner Panton (1926–1998) zeigt. Der dänische Gestalter schwelgte in Knallfarben, experimentierte mit Kunststoff und zog psychedelische Liegelandschaften jeder Sofagarnitur vor. "Man sitzt bequemer auf einer Farbe, die man mag", hat er einmal gesagt, mitten in seiner lustvollen Revolte gegen das wohltemperierte Wohnen.

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Das große Problem solch durchgestalteter Räume ist ihre Unflexibilität und überraschende Sterilität. Die Unflexibilität sollte selbst erklärend sein: solch aufwändig gestaltete Räume, die einem durchorchestrierten Konzept folgen, lassen sich nur schwer bis gar nicht an wechselnde Bedürfnisse anpassen. Nach 1-2 Jahren einfach mal die Möbel umstellen? Bei den vielen, plastischen Wandverkleidungen kann man das dann häufig gleich mal abhaken - gleiches gilt für Möbel wie "Visiona 2" oder der "Multifunctional Living Unit". In den 50s und 60s gab es ja auch sehr oft in Böden eingelassene Sitzgruppen. So schön solche Räume auch wirken mögen, ein Umstellen ist praktisch unmöglich bzw. nur in äußerst begrenztem Umfang möglich. In den eigenen vier Wänden mag das funktionieren, in Mietobjekten kann man das direkt vergessen.

Nun zur kontroverseren Aussage: solch durchstilisierte und orchestrierte Räume wirken steril. Sie wirken nicht wohnlich, weil alles zu stimmig ist. Es sind Katalog- oder Ausstellungsräume. Hier fehlen Brüche, Stilwechsel und auch einmal Profanitäten. In wie vielen Wohnzimmern liegt auf dem Tisch denn nur ein dekorativer Coffee Table Bildband?

Das schöne an Scandinavian Mid Century Design ist die Adaptierbarkeit. Die Möbel sind funktional, können solitär stehen und passen sich in viele Farbkonzepte ein. Genau aus dem Grund wählt man auch sinnvollerweise nur ein oder zwei Eye Catcher und der Rest ordnet sich unter. Man vermeidet so unnötige, teure Neuanschaffungen.