Modedesigner Karl Lagerfeld ist tot

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Er prägte den Stil des Modehauses Chanel und galt als einer der wichtigsten Designer des 20. Jahrhunderts: Karl Lagerfeld ist in Paris gestorben.
Quelle: ZEIT ONLINE, AFP, dpa, kg

Der weltberühmte deutsche Modedesigner Karl Lagerfeld ist tot. Nach Angaben des französischen Modehauses Chanel starb der 85-Jährige am Dienstagmorgen in einem Krankenhaus in Paris.

Der 85-Jährige war bereits auf der Chanel-Modenschau in Paris im Januar nicht aufgetreten, was Spekulationen über seinen Gesundheitszustand ausgelöst hatte.

Lagerfeld gehörte zu den bedeutendsten Modedesignern des 20. Jahrhunderts und prägte mit seinen Entwürfen die Modewelt in den vergangenen 50 Jahren. Seit 1965 arbeitete der gebürtige Hamburger als Chefdesigner des italienischen Modehauses Fendi und seit 1983 in gleicher Position für die französische Traditionsmarke Chanel. Zuvor hatte er mehrere Kollektionen für Balmain, Patou und Chloé entworfen, zuletzt auch unter seinem eigenen Namen.

Chanels Blütezeit

Wann Lagerfeld geboren wurde, blieb zeit seines Lebens unklar. Der Designer, den die Zeitschrift L'Express als "letzten Dandy von Paris" bezeichnete, schwankte selbst in seinen Angaben immer wieder zwischen 1935 und 1938. Der Munzinger zählt auch 1933 auf. Irgendwann bestand Lagerfeld auf dem Jahr 1935 – die anderen Zahlen seien Angaben seiner Mutter Elisabeth, einer Landratstochter aus dem Münsterland. Als sicher gilt der Geburtstag am 10. September und seine Kindheit in wohlhabenden Verhältnissen. Mitte der Fünfzigerjahre zog der Sohn des Dosenmilchfabrikanten Otto Lagerfeld nach Paris und begann seine künstlerische Laufbahn.

Lagerfelds Wechsel an die Spitze des französischen Modehauses war vor allem für Chanel wegweisend. Er verschaffte der Marke nach dem Tod ihrer Gründerin Coco Chanel neue Bedeutung. Das Label galt zu dem Zeitpunkt als verstaubt und als Ausstatterin älterer Pariser Damen. Lagerfeld kreierte moderne Neuinterpretationen, blieb aber gleichzeitig den Klassikern der Marke wie etwa den Tweed-Kostümen treu.

Er habe sich schon immer für Kleider interessiert, ohne zu wissen, dass man das Mode nenne, sagte Lagerfeld einmal in einem Interview. Kritikerinnen und Kritiker bejubelten seine Mode als elegant und innovativ, er habe klassische Formen erneuert und wahre Looks geschaffen. Unvergesslich sind seine Jäckchen, die tiefen Rücken-Dekolletés oder seine Wollmäntel mit Gürtelschließe am Kragen. Zudem gilt er als Entdecker von Models wie Claudia Schiffer und Inès de la Fressange. Zuletzt verhalf er sogar einem Haustier zu Weltruhm. Lagerfelds Katze Choupette warb für Autos und Kosmetik und hatte über 49.000 Follower auf Twitter.

Seine eigene Person gestaltete Lagerfeld zu einer Art Gesamtkunstwerk. Mit Sonnenbrille, weiß gepudertem Zopf, dunkler Krawatte und dem typischen hohen sogenannten Vatermörderkragen erkannte ihn gleichsam jedes Kind. Diese Montur bot zugleich eine undurchdringliche Fassade, hinter der er sich verstecken konnte. Er selbst spottete gern über die eigene Erscheinung – wie über so vieles, etwa die Freizeitkleidung vieler Menschen. "Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren", sagte er einst – um einige Zeit später selbst welche zu entwerfen.

Ich habe ja im Grunde nie etwas gelernt. Ich habe nicht einmal Abitur gemacht und nix.
Karl Lagerfeld

Solche und andere Zitate wurden legendär. Über seine Haut sagte er: "Ich gehe nicht mehr in die Sonne. Schon seit Ewigkeiten nicht mehr. Ich will nicht aussehen wie eine alte Schildkröte." Über seine Ausbildung sagte der Besitzer von 300.000 Büchern: "Ich habe ja im Grunde nie etwas gelernt. Ich habe nicht einmal Abitur gemacht und nix." Despektierlich war sein Urteil über einige berühmte Deutsche. Über den Schriftsteller Günter Grass sagte er: "Er sollte sich mal Schlips und Kragen zulegen." Über das vor allem in den USA und im deutschen Privatfernsehen erfolgreiche Model Heidi Klum befand er: "Die war nie in Paris, die kennen wir nicht."

Zuletzt fehlte er genau da, wo er jedes Mal frenetisch gefeiert wurde – auf dem Laufsteg zum Finale einer Couture-Show von Chanel im Januar. Die offizielle Begründung: Lagerfeld habe sich erschöpft gefühlt. In Paris, wo er nach dem Tod von Yves Saint Laurent der letzte noch verbliebene große Modeschöpfer war, war die Sorge groß. Viele dachten zurück an die Prêt-à-porter-Show von Chanel im Herbst. Damals gab es erste Spekulationen über einen baldigen Abschied des Designers von Chanel. Lagerfeld blieb damals außergewöhnlich lange auf dem Laufsteg, um den Applaus entgegenzunehmen. Ausnahmsweise saßen auch die Eigentümer von Chanel, Vertreter der Familie Wertheimer, im Publikum.

Nach Lagerfelds Tod soll seine langjährige Mitarbeiterin Virginie Viard die Kollektionen des Modehauses Chanel entwerfen. Miteigentümer Alain Wertheimer habe "die engste Mitarbeiterin von Karl Lagerfeld seit 30 Jahren" mit dem Entwurf der künftigen Chanel-Mode betraut, teilte das Unternehmen mit.

Lesen Sie hier unsere Würdigung von Karl Lagerfeld, dem letzten Superstar der Mode.

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