Fashion Week China: Die Macht der Mode

Paris, Mailand, London, New York: Das sind die großen vier – die etablierten Fashion Weeks, die den Rest der Welt beeindrucken und die Trends setzen. Doch diese Gesetzmäßigkeit ändert sich gerade. Mode entsteht längst an anderen Orten, Märkte verschieben sich – gen China zum Beispiel, in ein Land also, von dem man lange herablassend annahm, es sei zufrieden mit den Kopien westlicher Luxusmode. Die noch bis zum 31. März laufende China Fashion Week zeigt: Das war einmal. Das, was chinesische oder chinesischstämmige Modedesigner zeigen, ist geprägt von einem internationalen Stil, denn Sportswear wird auf der ganzen Welt getragen, Trends gehen heute an keiner Metropole mehr vorbei. Neu aber ist, dass China kreiert, nicht kopiert. Die Designer der jungen Generation haben zwar oft in London studiert, denn die Ausbildung dort ist begehrt. Oft haben sie danach auch in Paris gearbeitet, das immer noch als die Stadt der Mode gilt und Sehnsuchtsziel geblieben ist. Doch mittlerweile kehren viele von ihnen zurück und gründen in der Heimat ihr Label. Die Marktentwicklung gibt ihnen recht: Laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung McKinsey soll China 2019 die USA als größten Markt für Bekleidung überholen. Kein Wunder also, dass längst auch westliche Designer wie Nicole Miller in China Modenschauen durchführen. Und dabei feststellen, wie neulich Dolce & Gabbana, dass sie über Codes noch eine Menge lernen müssen. Einer Chinesin, die in einem Werbeclip Pizza mit Stäbchen zu essen versucht, begegnet dieses Land nicht mehr mit einem Lächeln. Sondern mit einem ganz neuen Selbstverständnis, kulturell wie kostümhistorisch. Die Wintermäntel der Mao-Zeit werden nun aus metallisch glitzerndem Jacquard geschneidert – der rote Stern der Arbeiterbewegung kommt zur Zierde auf den Rucksack.

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