House of Glam: Jede Wohnung kann wie Hollywood sein

Das Bauhaus-Jubiläum konnte einem manchmal ganz schön lang vorkommen, oder? Noch ein sachlicher Sessel, noch ein bis zur Leblosigkeit aufgeräumtes Wohnzimmer, noch eine Diskussion über die Schlichtheit der Teekanne. Das ist alles sehr rational, aber oft eben doch reine Kopfsache. Das beweisen diese glamourösen, herrlich unvernünftigen Interieurs, für die sich Menschen ins Einrichten geschmissen haben, als seien Federn und Farben, Samtsofas und Seeigelvasen ab morgen ausverkauft. Da laufen metallene Riesenameisen über bonbonrosa Wände, der Blick wird in tiefrote Bibliotheken gesogen oder verliert sich zwischen fantastischen Tierwesen, die von Hand an die Wand gemalt wurden. Manches wirkt, als habe man den Fundus eines großen Filmstudios in Hollywood geplündert, so eklektizistisch ist die Mischung aus Möbeln und Dekoration. Dennoch ist das Ergebnis kein Sammelsurium, sondern ein Gesamtkunstwerk – übrigens ist dieses Wort in Ermangelung zutreffenderer Begriffe auch im englischsprachigen Raum sehr gängig. Noch ein Vorteil haben die Interieurs, die der Gestalten Verlag in "The House of Glam" versammelt hat: Sie sind ungemein fantasieanregend. Man sieht sich darin eigentlich nie mit einem Tässchen Hagebuttentee dasitzen, sondern mindestens mit einem Kelch Champagner.

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