Das eine Getränk sieht unappetitlich aus, das andere klingt abstoßend, das nächste ruiniert die Credibility: Es gibt Mischen, mit denen man nicht erwischt werden will. Doch dabei verpasst man Großes! Wir huldigen zehn verkannten Drink-Sensationen, zum Schlürfen bei allernächster Gelegenheit:
"Es gibt nichts, was mit Remoulade nicht noch besser schmecken würde" – diese Lebensweisheit eines Freundes gilt in my humble opinion eher für Vanilleeis – entscheidende Zutat einer Schlammbowle. Ja, der Name ist ein Problem. Ein noch viel größeres Problem aber ist die Herablassung, mit der in their humble opinion gepflegte Trinker dem Konzept Bowle begegnen. Dabei vereint insbesondere die Schlammbowle das Beste aus mindestens drei Welten: die Cremigkeit eines Desserts, das Prickelnde eines Aperitifs und die Fruchtigkeit eines Obstsalats. Pfirsich Melba oder Split-Eis, nur halt mit Alkohol: Wer könnte etwas dagegen haben? Die einzige Herausforderung besteht darin, den Achtzigerjahre-Studipartyflair, der dem Gemisch zugegebenermaßen anhaftet, zu minimieren. Statt Ananas aus der Dose oder Schattenmorellen aus dem Glas könnte man frische Pfirsich- oder Mangostücke in Wodka einweichen. Saft dazu (Maracuja vielleicht?), zum Schluss Sekt und reichlich Vanilleeis. Man könnte das Eis nicht, wie in gängigen Rezepten beschrieben, im Bowle-Bottich schmelzen lassen, denn das sieht zugegebenermaßen bald nach flüssiger Müllhalde aus. Sondern das Eis erst im Glas frisch oben draufgeben. Dann hat man im Prinzip einen fruchtigen Affogato mit Alkohol statt Kaffee. Und Affogato haben Sie doch im vergangenen Sommer ständig gelöffelt – und hatten dabei das Gefühl, genau das Richtige zu tun. Lisa Seelig