Zunächst tröpfelt das Wasser in sanftem Andante. Pitschpatsch. Dann blitzt der Horizont. Pitsch. Plötzlich kracht ein Donner ohrenbetäubend herab. Die Tropfen fallen im Stakkato: Pitschpitschpitsch. Und schon pladdert der Tropenregen mit Gewalt herab. Lehmboden schmatzt. Banenstauden biegen sich unter der Last des Wassers. Man hört kaum sein eigenes Wort, bis sich der Schauer wieder beruhigt. Dann erst vernimmt man das geschäftige Gluckern der Regenrinne, die Tropfen auf den Erdboden (helles Klatschen) im Unterschied zu Regentropfen in Pfützen (mehr ein Knistern) und den Tropfen auf dem Dach (dunkles Klopfen).

In den Pausen zwischen den Wolkenbrüchen, wenn es nur regnet, aber nicht stürmt, zwitschern schnell ein paar aufgeregte Vögelchen, so als ob sie die Ruhe noch ausnützen wollten, um ihr Mitteilungsbedürfnis zu stillen. Manchmal meint mein Auge zu erkennen, dass es sich in irgendeiner Himmelsrichtung aufhellt. Und dann, ganz unvermittelt, so plötzlich als drehte einfach jemand den Hahn auf, werde ich wieder eines besseren belehrt, es blitzt, das Trommeln und Rauschen schwillt wieder an, dicke Fäden pladdern herunter, ein Donner kracht ins Ohr. Die Sicht ist völlig verhangen. Wegen des heftigen Niederschlags sind in der Regenzeit manche Felder monatelang überschwemmtFotos: cp

Tropenregen ist anders. Er ist weich und warm, und fällt in so dicken Tropfen, dass sie durch den Regenponcho hindurch den Nacken massieren. Die tropischen Regenschauer scheinen aus dem Nichts zu kommen, heftig und wild, mit Blitz und Donner, und setzen Unmengen von Wasser frei. Die Natur schöpft hier unbekümmert und verschwenderisch aus dem Vollen. Alles hier in Costa Rica ist so üppig überdimensioniert, die Hitze, die Schwüle, die Pflanzen – und eben auch die Regengüsse. Es regnet seit Tagen immer wieder, doch in dieser Nacht bin ich erstmals aufgewacht, weil der Regen wie ein Wasserfall auf unser Dach knallte. In der Nässe sehen viele Pflanze besonders reizvoll aus

Rund um die Veranda sind in dieser Nacht Flüsse und Teiche entstanden, die sich im Regen wie unter tausend zappelnden Tieren zu bewegen scheinen. Der Bungalow ist eine Insel, umringt von einem See aus Regenwasser. Man kann ihn nicht mehr erreichen, ohne durch den knöcheltiefen Burggraben zu waten.

Es gibt nur zwei Jahreszeiten in den Tropen: Den trockenen Sommer und den regenreichen Winter, eine strikte Trennung ist allerdings kaum möglich. Obwohl das Land so klein ist, herrschen an der pazifischen Küste und an der karibischen Küste Costa Ricas recht unterschiedliche klimatische Bedingungen: Am Pazifik ist von Mai bis November Regenzeit, und die Dauer der Regenzeit verlängert sich, je weiter man nach Süden reist. Auf der karibischen Seite beginnt die Regenzeit schon im April und dauert bis Ende Januar. In nur zwei Monaten im Jahr kann mit dauerhaftem schönen Wetter gerechnet werden.

Wir haben diese Reise bewusst mitten in der Regenzeit angetreten, und es ist eine interessante Erfahrung. Keiner der Teilnehmer zeigt sich enttäuscht. Regelmäßig werden wir durchnässt, aber alle behalten die Fassung. Die Kleidung trocknet schon seit Tagen nicht mehr, denn die Luftfeuchtigkeit beträgt 100 Prozent. Die Schuhe sind verschlammt und die Hosen bespritzt, alles fühlt sich klamm an - niemanden kümmerts. Die Regencapes laufen zur Höchstform auf. Sie sind DAS Kleidungsstück dieser Reise, und wer in naivem Optimismus keinen Regenmantel aus Europa mitgebracht hat, hat sich spätestens nach dem dritten Tag hier einen gekauft. Und so wackeln wir jeden Tag wie kleine rot-blaue Zelte durch die Landschaft, die sonst ganz menschenleer ist. An diesen grellbunten Regencapes erkennt man uns Touristen, die der Regenzeit trotzen. Die Ticos versuchen erst gar nicht, sich gegen die Macht des Wetters aufzulehnen. Es regnet, so lange es regnet. Unentbehrliche Kleidungsstücke: die Regencapes