Um sieben Uhr zum zweiten Mal Aufstehen in der Panorama Lodge. Vor dem Frühstück - schon fast eine Gewohnheit - die gepackte Reisetasche vor die Zimmertür stellen, damit die Dsos beladen werden können für die nächste Etappe. Vor der Lodge großes Hallo: Das US-Filmteam von ABC marschiert heute ebenso weiter wie Peter Hillary mit seiner Tochter. Wunderbarer Blick am Morgen auf die TagesetappeFotos: Bernd Loppow

Nach einer sachten Steigung aus Namche Basar hinaus liegen dann die Eisriesen des Khumbu wie auf dem Präsentierteller vor uns: rechts lugt die Spitze der Ama Dablam aus dem Wolken hervor, unser Weg führt geradeaus auf das Lotse-Massiv zu. Direkt am Weg flattern Hunderte bunter Gebetswimpel am weißen Gedächtnis-Chörten für Tensing Norgay im Morgenwind, tragen das darauf geschriebene heilige Mantra "Om mani padme hum" hinaus in die Weiten des Himalaya. Und vor dem Lotse-Massiv thront auf einem Bergrücken das Ziel unserer heutigen Tagesetappe: das Kloster von Tengboche. Es liegt Luftlinie fast auf gleicher Höhe, aber auf uns warten trotzdem fast 1500 Höhenmeter bergab und bergauf.

Nach einer Stunde, hinter einer Kurve und einem Rhododendron-Hain die erste Teepause in der Ama Dablam Lodge. Reinhold, uns mit der Vorhut wie immer voraus, hat mal wieder einen alten Bekannten getroffen: Mit Lakpa Dorjeals Sherpa hat er 1982 den Kantschenjunga, den dritthöchsten Berg der Erde bestiegen. Inzwischen ist Lakpa Dorje stolzer Besitzer der Ama Dablam Lodge, eine imposante, zweistöckige Herberge aus behauenem Naturstein und mit blauen Fensterrahmen. Der Blick auf die Ama Dablam ist wahrhaft grandios.

Weiter führt der Weg in Schlangenlinien bergab, 400 Meter hinunter bis zum Dudh Kosi, den wir auf einer schwankenden Hängebrücke überqueren. Nächste Rast an einem kleinen Teehaus, zwei Hot Lemon als Stärkung für den steilen Anstieg nach Tengboche: mehr als 600 Höhenmeter geht es nun hinauf. Schritt für Schritt, langsam einen Fuß vor den anderen setzend, geht es bergauf durch den Schatten spendenden Bergwald. Schwere Bergwertung, Kategorie 6 würde man bei der Tour de France wohl sagen. Der Schweiß rinnt in Strömen unter der Schirmmütze hervor, anhalten, trinken, weitergehen. Dann endlich, noch eine Kurve, und die kleine Stupa ist erreicht, die den Eingang zum Tempelbezirk von Tengboche markiert und das Ziel dieses Tages ist. Vor uns im Nachmittagslicht das Kloster, das wir schon von so vielen Bildern kennen, religiöses Zentrum des Khumbu. Zunächst aber interessiert nur die Gompa Lodge und eine große Kanne heißen Lemon Teas, die der schnellere Teil der Gruppe bereits bestellt hat.

Ein wunderbarer Ort: Hinter uns über Namche ein weißgezacktes Bergmassiv, vor uns Lotse und der Everest, dessen Gipfelregionen vom Südsattel bis zur Bergspitze sich klar vom blauen Himmel abzeichnen. Auf dem Hügel das Kloster mit seinen verschiedenen Nebengebäuden. Jetzt am Nachmittag gibt es keine Pujas, buddhistische Messen. Die Mönche sitzen in ihren purpurroten Kutten und Fleecejacken schwatzend auf den Stufen oder schlendern über den Vorplatz. Drei der vier Lodges von Tengboche werden vom Kloster geführt und finanzieren auf diese Weise den Kosterbetrieb mit. Wir quartieren uns in den schlichten, aber sauberen Zimmern der Gompa Lodge ein. Vom Satellitentelefon ein schnelles Telefonat nach Hause für fünf Dollar die Minute. Wolfgang Nairz, der die 2. ZEIT-Gruppe begleitet, hat die Installation vor einigen Jahren mit Spenden aus Österreich initiiert. Seitdem können nicht nur Touristen Lebenszeichen nach Hause schicken, sondern vor allem Helikopter aus Lukla oder Kathmandu geordert werden. So manchem höhenkranken Bergsteiger oder Trekker hat dieses Telefon bereits das Leben gerettet. Das Camp in Tengboche