In der recht komfortablen Lodge von Dingpoche haben wir eine gute Nacht verbracht. Um 8.20 Uhr ist Abmarsch für die heutige Etappe. Ein kurzer, aber steiler Anstieg zu den höher gelegenen Chörten des Ortes läßt mich gleich morgens heftig schnaufen. Hätte ich doch nur nicht so viel zum Frühstück gegessen! Wir werfen einen letzten Blick ins Chukhung-Tal und auf den gegenüberliegenden Eisriesen Ama Dablam. Gemütlich wandern wir einen Höhenweg oberhalb des Pheriche-Tales zum Gletscherfluß des Khumbu-Gletschers. Die Landschaft ist sehr steinig, felsig, karg und hart. Die hohen Berge sind in Wolken gehüllt und es weht ein scharfer Wind. Über eine Steinbrücke gelangen wir zum Weiler Duglha (4.620 Meter). An dieser Stelle sind heute morgen auch die Teilnehmer des Marathonlaufs vom Everest-Basecamp bis nach Namche Basar vorbeigekommen. Wer hat sich diese verrückte Strecke ausgedacht? 33 Teilnehmer hat die Gruppe gezählt. Mächtige Ama DablamFotos: Bernd Loppow

Kurze Rast in der Pumori-Lodge. Eine Tafel weist auf die Speisen und das sonstige Sortiment hin. Es gibt alles, was man als Trekker so braucht: "Good food here and mineral water, Coca Cola, San Miguel Beer, Whisky, Biscuits, Snickers, Mars, Toiletpaper!" Wir entscheiden uns für "hot lemon" - das ist gut gegen den Durst und hat Vitamine.

250 steile Höhenmeter haben wir jetzt vor uns. In kurzen Serpentinen schrauben wir uns hoch über die alte Moräne bis zu den Gedenksteinen für verunglückte Bergsteiger und Sherpas. Ziemlich außer Atem kommen wir oben an und genießen den Panoramablick. Eine schöne Stelle zum Gedenken an die Toten vom Everest! Den eindrucksvollsten Gedenkstein hat Scott Fischer, der 1996 bei der schlimmsten Katastrophe, die sich je auf dem "Dach der Welt" ereignete, sein Leben ließ. Ob sich ein Foto vor den Gedenksteinen und den wehenden Gebetsfahnen schickt?

Weiter geht es in der Mulde zwischen den Lobuche-Bergen und der Khumbu-Seitenmoräne -immer leicht ansteigend. Vor uns liegen die grandiosen Eiswände des Nuptse (7861 Meter ).

Bereits gegen Mittag haben wir unser Etappenziel Lobuche ( 4930 Meter ) erreicht. Es ist ein trostloser Ort - gerade mal eine zusammengedrängte Ansammlung niedriger, baufälliger Hütten.Yaks und Dso's werden beladen oder von ihren Traglasten befreit. Wir steuern gleich die beste Lodge an. Nein, hier können wir nicht bleiben - ab heute verbringen wir die Nächte in Zelten. Nur ungern verlassen wir diesen trockenen, warmen Platz.