Schon die Nacht war traumhaft schön. Mondheller wolkenloser Sternenhimmel. Außentemperatur -15 Grad. Im Zelt wurde der Gefrierpunkt von 0 Grad zum Glück nicht unterschritten. Es war unsere erste Nacht im Zelt und wir mussten uns erst an die neue Situation gewöhnen. Vor dem Schlafen gehen bekamen wir auf Wunsch heißes Wasser in unsere Thermosflaschen gefüllt. Diese legten wir dann in unseren Schlafsack und schoben sie während der Nacht von den Zehen zum Bauch dann über den Rücken wieder hinunter zu den Zehen um die Wärme gleichmäßig im Schlafsack zu verteilen. Mit dieser Technik konnten alle in unserer Gruppe - egal ob guter Schlafsack oder nicht - den Gipfelsturm ohne Erfrierungen beginnen. Über 5.600 Meter hoch. Eva und Reinhold: Glücksgefühle am Gipfel

Um 6 Uhr früh wurden wir mit Early Morning Tea - welcher uns von unseren Sherpas vor das Zelt serviert wurde - geweckt Ein paar Minuten später kamen die Sherpas nochmals mit einer Schüssel warmen Wassers für unsere Morgentoilette.

Gestärkt durch ein opulentes Frühstück zogen wir dann um 7.30 los. Reinhold Messner versprach uns, solange auf dem Gipfel zu warten bis auch der Letzte von uns oben angekommen ist. Er selbst ging in der Mitte um seine Wartezeit am Gipfel erträglich lang zu machen.

Wir hatten wirklich ein Kaiserwetter und prachtvollen Ausblick auf die Berge. Über die Endmoräne des Changri Nup-Gletschers mehrmals auf und absteigend, bewältigen wir den kräftezerrenden Anmarsch zur Hochalm Gorak Shep (5.200 Meter). Der erste Blick auf unser Ziel, den Kala Pattar (5.643 Meter), war beruhigend. Beeindruckt durch die hohen Berge, die wir schon seit Tagen bewundern durften und vor der mächtigen Eiswand Pumo Ri (7.161 Meter) sah unsere Herausforderung direkt lächerlich aus. Diese psychologische Täuschung gab uns die innere Sicherheit unsere Ziel auch zu erreichen. Denn wir "wissen wo der Berg steht". (R. Messner). Diese Gewissheit ließ uns den Anstieg somit auch voll auskosten.

Reinhold wartete bei unserer letzten Rast vor dem Gipfelsturm in Gorak Shep nochmals auf die ganze Gruppe. Dort gönnte sich die Gruppe nochmals das bewährte Doping: die kräftigende nepalesische Nudelsuppe.

Das Wetter sei unsicher, meinte Reinhold um 11 Uhr: "Wir müssen los!". Für mich bedeutete es keine Nudelsuppe und nur 5 Minuten Pause, da ich gerade erst in Gorak Shep angekommen war. Aber das störte nicht wirklich. Die Hoffnung bei Sonnenschein am Gipfel zu stehen, die Vorfreude auf atemberaubende Fernsicht vertrieb jedwede Müdigkeit und Schwäche. Ich schloss mich nun der mittleren Gruppe mit Reinhold an.