Lernen statt Schlafen – amerikanische Studenten schlucken Ritalin, vor Prüfungen, vor Wettkämpfen oder einfach unter dem normalen Leistungsdruck. Eigentlich zur Beruhigung hyperaktiver Kinder entwickelt, hat die Psychoarznei eine gern genutzte Nebenwirkung: Bei Gesunden wirkt sie als Wachmacher. Hochleistung ohne Ruhepause. Experten sehen hier die Vorboten künftigen "Hirndopings". – Schon lange schlucken Manager Aufputschmittel, Soldaten Angsthemmer. In demselben Maße, wie die Neurowissenschaften die Funktionen im menschlichen Gehirn entschlüsseln, kann die Pharmaindustrie Präparate fürs Neurotuning maßschneidern.

Wissenschaftler unter Führung des Nobelpreisträgers Eric Kandel experimentieren längst an solchen Medikamenten für Gesunde. Doch werden dabei "nur" Lifestyle-Drogen herauskommen? Unwahrscheinlich. Plausibel ist, dass in einer nahen Zukunft jeder, der mithalten will, nicht mehr auf die Aufputscher für Laune und Leistungsfähigkeit verzichten kann – sonst würde er Gefahr laufen, den Anschluss zu verlieren. Normal wird dann nicht mehr gut genug sein.