Staubsaugerbeutel finden selten Beachtung. Wie lange der hier schon seinen Dienst verrichtet? Keine Ahnung. Es war halt der letzte in der Packung, die daraufhin im Müll verschwand, und niemand weiß mehr, welches Modell von Beutel in dieses Modell von Staubsauger passt. Okay, der Filter hat eine dunkelgraue Färbung angenommen, und der muffige Geruch des Beutels kündet von einem lebensfrohen Biotop. Aber wird schon nicht so schlimm sein.
"Werden Beutel und Filter nicht spätestens alle drei Monate gewechselt", sagt Heinz-Werner Stockmann, langjähriger Leiter der Prüfstelle für Lufthygiene der Deutschen Montan Technologie GmbH in Essen, "brauchen Sie die Keime, die da hinten rausfliegen, nicht mehr zu messen, die können Sie schon kauen."

Der Sauger wird zum Staubbläser: Was er einsammelt Fasern von Teppichen und Kleidung, Haare, Hautschuppen, Blätter von Zimmerpflanzen, Sand, Straßendreck, Blei, Schimmelpilze und Bakterien, Hunde- und Katzenkot in winzigen Spuren , bildet einen idealen Futterplatz für Schimmelpilze, Milben und Bakterien. Das müffelt dann. Und wird mit 1200 Watt in der Raumluft verteilt.

Überall Staub. Feine Schwebeteilchen sind der dunkle Zwilling unserer Atemluft. Wo Luft ist, ist fast immer auch Staub. Fliegender Dreck, der mit jedem Schnaufer den Weg in unsere Lungen findet. Er ist nicht nur lästig, unbezwingbar und immer wiederkehrend, sondern auch tödlich.

Gerade in letzter Zeit hat Staub eine schlechte Presse. Feinstaub ist der neue böse Bube. 65 000 Deutsche sterben jährlich, weil er in ihre Lungen eindringt, Herz- und Krebserkrankungen hervorruft. Die Lebenserwartung jedes Europäers verringere er um neun Monate, besagt eine EU-Studie. Seit dem 1. Januar gelten strenge Grenzwerte. Fast jede deutsche Großstadt wird sie überschreiten. Da Ruß aus Dieselmotoren heftig zum Feinstaub beiträgt, hält Brüssel drastische Tempolimits, eine Innenstadt-Maut oder gar Fahrverbote für Dieselautos für probate Mittel.

Für den noch fieseren Feinststaub gibt es indes noch gar keinen europäischen Grenzwert. Feinststaub besteht aus Teilchen, die kleiner als 10 Mikrometer sind, mehrere Stunden in der Luft schweben und beim Einatmen bis in die Lungenbläschen vordringen.

Staub tötet auf mehrere Arten. Der Klassiker sind anorganische Substanzen wie etwa Kohlenstaub. Sie dringen in die Lunge ein, greifen das Bindegewebe an und zerstören die Lungenbläschen; eine "Staublunge" ist die Folge. Doppelt gefährlich sind Allergene wie Mehlstaub, Baumwollstaub und Heu. Sie sind häufig mit Schimmelpilzen durchsetzt und können Asthma auslösen. Im Hausstaub ist es der Kot der Milben, der Allergikern schwer zu schaffen macht, am Katzenhaar ist es ein Enzym aus dem Speichel der Tiere.

Für Herzinfarkte sorgt Schwebstaub, indem er Blutplättchen aktiviert, die die Gerinnungsfähigkeit des Blutes erhöhen. Es wird zähflüssiger und bildet leichter Gerinnsel. Über Rezeptoren auf der Oberfläche der Lungenbläschen können die Partikel außerdem das autonome Nervensystem beeinflussen, das den Herzschlag steuert, und den Sympathikus aktivieren, der den Körper in Alarmbereitschaft versetzt. Die Infarktgefahr steigt deutlich.