Das einzige neue Schlankheitsmedikament, das an diesem Belohnungssystem ansetzt, soll schon 2006 zugelassen werden und heißt Rimonabant: ein Gegenspieler der Endocannabinoide, die sowohl im Gehirn als auch in den Verdauungsorganen entstehen. Ihre Wirkung ähnelt dem von Tetrahydrocannabinol (THC) aus Cannabis. Wer schon mal gekifft hat, weiß, wie hungrig das macht. Wenn körpereigene Cannabinoide auf bestimmte Nervenzellen treffen, regen auch sie den Appetit an. Rimonabant verhindert das, indem es Cannabinoid-Rezeptoren in bestimmten Bereichen des Hypothalamus blockiert. Die Folge ist reduzierter Hunger. Der Hersteller Sanofi Aventis hat in einer abschließenden Studie schon gezeigt, dass Rimonabant wirklich dünner macht: In Kombination mit einer Diät verlor nach einem Jahr gut jeder Dritte etwa zehn Prozent seines Körpergewichts.

»Für Mediziner ist das durchaus ein befriedigendes Ergebnis, weil damit auch die Risikofaktoren für schwere Krankheiten abnehmen«, meint die Ernährungsforscherin Klaus. Die Patienten aber seien von einer so mageren Ausbeute oft frustriert. »Die wollen nicht weniger dick, sondern richtig dünn sein. So wie es heute eben das Ideal ist.«

Besonders schlimm wäre das, wenn sich zeigen sollte, dass ein bisschen Übergewicht sogar gut für uns ist. Sicher beeinträchtigt schwere Adipositas die Gesundheit, über die tatsächlichen Auswirkungen von BMIs zwischen 25 und 30 wird aber noch heftig gestritten. Im Frühjahr hat eine Studie des nationalen amerikanischen Krebsforschungsinstituts festgestellt, dass leichtes Übergewicht gesünder als Normalgewicht ist und lebensverlängernd wirkt. Unser Hormonsystem strebt keinen BMI von 20 an - jedenfalls nicht von selbst. Möglicherweise hat das einen guten Grund. 


Hunger entsteht im Gehirn - als Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels von Botenstoffen. Sie alle wirken auf den Hypothalamus (oben rechts) und dort auf drei seiner »Kerne«: Endocannabinoide (3) signalisieren dem paraventrikulären Nukleus (PVN) und dem lateralen Hypothalamus (LH) unsere Gelüste. Im Bodenkern (ARC), auf den auch die Hormone CCK (1), Leptin (2), PYY (4) und Ghrelin (5) wirken, wird daraus eine Hungerbotschaft zusammengesetzt, die sowohl das Großhirn als auch den Bauch erreicht - und den Magen knurren lässt.© ZeitWissen BILD