Durch ein Labyrinth von Betonpfeilern kurven wir zum verabredeten Treffpunkt. In der Tiefgarage öffnen wir eine schwere Stahltür, Qualm quillt nach draußen, drinnen zucken farbige Lichtstrahlen. Es sieht aus wie in einer Großraumdisco oder einem Bond-Bösewicht-Labor. Tatsächlich jedoch befinden wir uns im Hörsaal 36 des Physikalischen Instituts der Universität Regensburg.

Dort haben sich etwa 80 Menschen versammelt, die Spaß mit Lasern haben. Organisiert hat das Ganze der Vorlesungsassistent Erich Hans zusammen mit der Vereinigung LaserFreak. Bastler aus ganz Deutschland, aus Frankreich, Großbritannien, Belgien und den Niederlanden sind angereist, um sich gegenseitig ihre Gerätschaften und Shows vorzuführen: Wer hat den stärksten Laser, die schönsten Farben, die trickreichste Strahlsteuerung, die witzigste Show?

Natürlich haben wir auch eine Lasershow mitgebracht. Sie passt auf eine postkartengroße Plastikplatte: Eine Laserdiode wird so eingespannt, dass der Strahl von zwei winzigen Spiegeln im Zickzack abgelenkt wird. Zwei kleine Motoren drehen die Spiegel, rechts und links, langsam und schnell. Das Showmodul kann man selbst basteln, wir haben es bei einem Internet-Versandhandel bestellt: 3,99 Euro, da konnten wir nicht widerstehen. Die Schwingungen der Spiegel sollen sich überlagern und tolle Bilder produzieren, Lissajous-Figuren, benannt nach einem französischen Physiker, der sie im 19. Jahrhundert entdeckt hat, damals noch ohne Laser.

Der erste Laser wurde 1960 gebaut. Wissenschaftler und Ärzte, Fertigungs- und Messtechniker, aber auch Soldaten haben seitdem das gebündelte Licht genutzt. Doch auch in der Disco und auf der Showbühne haben Laser ihren großen Auftritt. Wir sind begeistert von unserer Lasershow im Postkartenformat. Mit ordentlich Nebel kriegen wir sogar einen richtigen Lichttunnel hin mit Wänden wie aus Seide. Darauf stehen die Profis. Wir müssen aber zugeben: Deren Laser sind größer, stärker, bunter - und ihre Muster bewegen sich zur Musik.© Manfred Mahn

Winfried Brand hat einen länglichen schwarzen Kasten dabei, von dem ein dünnes grünes Kabel in eine weitere Kiste führt, die optische Bank. Daraus sticht ein blaugrüner Strahl in den Raum. »Laser Klasse 4« steht auf der schwarzen Box. Das heißt nach DIN EN 60825-1: »Die Laserstrahlung ist sehr gefährlich für das Auge und gefährlich für die Haut. Sie kann Brand- oder Explosionsgefahr verursachen.« Wir gehen mal lieber auf Abstand. Unsere Diode hat zur Sicherheit nur die Klasse 3a, sie wird also erst richtig gefährlich, wenn man die Strahlen mit einer Linse zusätzlich bündelt. Reingucken sollte man trotzdem nicht, immerhin hat sie mit drei Milliwatt mehr als dreimal so viel Leistung wie ein Laserpointer.

Brand kann da nur grinsen. Aus seinem Laser schießt ein Strahl mit vier Watt. Dafür muss er aber auch 12 000 Watt hineinpumpen. Der Rest gurgelt als Abwärme in den Ausguss: Der Gaslaser wird mit Wasser gekühlt, acht Liter heizt er pro Minute auf Badewassertemperatur. Gefüllt ist er mit den Edelgasen Argon und Krypton, heraus kommt zunächst grünes, blaues oder rotes Licht. Mit einem kleinen Kästchen, in dem ein Kristall steckt, kann Brand außerdem bestimmte Wellenlängen abzweigen und so andere Farben fabrizieren. Der ausgewählte Laserstrahl flitzt dann durch das grüne Glasfaserkabel in die optische Bank. Dort wird er von zwei Spiegeln, die sich bewegen, dirigiert. Fast so wie bei unserer Lasershow, nur dass das Ganze 22 000 Euro gekostet hat, mit gebrauchtem Laser.

Mit vier Watt ist Brands Laser der leistungsstärkste bei dem Treffen. Aber nur, weil ein Kollege mit seiner 7,5-Watt-Kiste abreisen musste. Dessen Showlaser streikte, deshalb muss der Zweitlaser her. Was die Leistung angeht, können einige Geräte also mit den Anlagen in Großraumdiscos mithalten: Der Regensburger Funpark bestrahlt seine Gäste mit fünf Watt. Das wollen sich die Laserliebhaber mal ansehen. Die Physiker, Mechatroniker und sonstigen Laserfreaks machen also eine Exkursion in die Disco, wir bleiben im Hörsaal. Eine gute Gelegenheit, die kleineren Geräte auszuprobieren.