Der Mann redet langsam, als müsse er seine Worte erst mit dem Spaten aus dem gelblichen Boden graben. Seine Augen liegen tief in viel zu großen Höhlen, sie wirken verloren wie ein Ruderboot im Ozean. Tut mir leid, sagt er, leider ist dieser Teil des Vulkans Privatbesitz. Ich kann nichts erzählen über das Gelände, ich bin nur Aufseher.

Er bewacht ein Gelände, auf dem die Griechen einst den Zugang zur Unterwelt vermuteten. Hier spielte eine Schlacht, in der es um die Weltherrschaft ging, Zeus gegen die Giganten. Die Schlacht war blutig, sie wurde mit Hilfe von Feuer geführt, das aus dem Boden kam. Zeus gewann. Die Griechen nannten den Platz "Die brennenden Felder", und so heißt er heute noch: Campi Flegrei, Phlegräische Felder.

Das Feuer ist immer noch dort, tief unter der Erde brennt es, und wenn es an die Oberfläche tritt, wird es wieder Unheil anrichten. Die Phlegräischen Felder, nördlich von Neapel, sind der größte Vulkan Europas. Der Aufseher steht auf einem Quadratmeter Supervulkan.

Über ihm hängt die Sonne im blauen Himmel wie eine fette Spinne in einem zu kleinen Netz. Der Gestank fauler Eier wabert über das Gelände, in Löchern blubbert heißer Schlamm, Schwefelgase zischen aus dem Boden. Der Aufseher ist hier, um Leben zu retten, er soll aufpassen, dass niemand in die Gase gerät und erstickt.

Im Hintergrund liegt ein Campingplatz, viele Franzosen verbringen hier ihre Sommerferien. Auf einem Hügel, keine 50 Meter von den Zelten der Franzosen entfernt, bricht ein Feuer aus. Die Flammen breiten sich schnell aus, die Feuerwehr lässt sich Zeit. Der Aufseher guckt zu. Ich freue mich immer, wenn so was passiert, sagt er, hier ist es sonst recht unspektakulär. Er kenne diesen Vulkan und wisse, dass man sagt, der Vulkan werde Europa eines Tages mit in den Untergang nehmen.

Unter uns, sagt der Mann, für mich sind die ganzen Phlegräischen Felder nichts als ein Haufen stinkender Sand.

Hier ist ein tiefes Tal, es gibt keinen hohen Berg, was für ein komischer Vulkan soll das sein? Wegen seiner heißen Dämpfe haben die Römer Teile des Geländes als natürliche Sauna benutzt. Angeblich. Im Hintergrund wird die Feuerwehr hektischer, die Flammen nähern sich dem Camp, sie fressen sich durch das Unterholz wie eine Raupe durch ein Salatblatt. Als sie eine staubige Schneise zwischen Unterholz und Camp erreichen, verhungern sie.