Das Päckchen der Firma supermagnete.de sieht harmlos aus. Eine Schachtel liegt darin, abgefedert mit Styroporchips. Verpackt man so etwa einen "Todesmagneten"? Außerdem entdecken wir eine Stange aus silbernen Klötzchen, klein wie Zuckerwürfel, "Hautklemmer" heißen sie im Fachjargon. Es dauert nicht lange, herauszufinden, warum. Mühsam losgerissen, saust eines der Würfelchen zu seinen Kollegen zurück. Autsch! Ein schmerzendes rotes Mal am Zeigefinger. Am Ende des Tages werden es Dutzende sein.

"Nichts für Kinder und Schwachmagnetspieler", hatte der Versender gewarnt. Da scheint sich einiges getan zu haben, dachten wir und erinnerten uns an die schwächelnden Magneten aus unserem Angelspiel zum fünften Geburtstag oder an die monstergroßen, aber schwachbrüstigen Hufeisenmagneten aus dem Physikunterricht. Südpol grün, Nordpol rot. Aber schon damals hat uns die unsichtbare Anziehung zum Rumspielen verleitet. Neodym-Eisen-Bor heißt die potente Legierung (siehe Kasten auf Seite 99) des Stärksten unter den Anziehern, der alle herkömmlichen Magneten weit hinter sich lässt. Er glänzt silbern wie die Zukunft. Das hier wird kein Kindergeburtstag.

Reflexartig reagieren wir auf den Totenkopf, der die Schachtel ziert. Selbst der Anbieter weiß nicht genau, was man mit dem Todesmagneten "sinnvollerweise anfangen könnte", und rät zu kleineren Ausführungen. Zu stark seien die magnetischen Kräfte. "Aber wenn Sie das Monster unbedingt haben müssen: VORSICHT!!!" Da wir überhaupt nichts Sinnvolles anfangen wollen, ist er genau der Richtige für uns.

Ausgepackt. Der Kraftprotz ist überraschend klein: fünf mal fünf Zentimeter, etwa halb so dick. 83 Kilo Haftkraft, steht in der Gebrauchsanleitung. Das wollen wir doch mal sehen. Der Magnet soll an einen Stahlträger an der Decke, dann wird er beladen. Am besten halten Magneten an so genanntem Weicheisen, das ist Eisen mit niedrigem Kohlenstoffanteil. Unser Träger aus billigem Baustahl tut es aber auch, die Haftkraft ist nur fünf Prozent geringer als bei Weicheisen, versichert der Händler.

Langsam nähern wir den Magneten dem Stahl. Plötzlich, als hätte er eine unsichtbare Grenze überquert, donnert das Teil mit Wucht an den Träger. Eine Ecke splittert ab. Wir kriegen ein bisschen Angst.

Vorsichtshalber fangen wir klein an und hängen den Inhalt eines Werkzeugkastens an den Todesmagneten: drei Zangen, eine Säge, einen Hammer, etliche Schraubenzieher, verbunden mit kleinen Magneten. Die zwei Meter lange Werkzeugkette hält. Wir rüsten auf: mit einem Hollandrad, dem Panzer unter den Fahrrädern. Auch kein Problem für den Todesmagneten.

Eigentlich müsste er auch eine von uns tragen. Wir klicken einen eigens geschweißten Handgriff an den Magneten. Amélie macht sich lang, packt die Stahlstange und lässt sich langsam hängen. Schön gleichmäßig belasten! Sie hebt erst einen, dann beide Füße vom Boden. Es hält! Sie kann sogar ein bisschen schaukeln, bevor sich der Magnet mit einem Ruck vom Stahlträger löst.