Psychotrick 1: Selbst anfeuern
Spitzensportler lernen, ihre mentale Form durch Selbstgespräche zu steuern. Im Wettkampf müssen sie sich motivieren ("Gib jetzt nicht auf!"), sich auf Stärken besinnen ("Ich bin besser vorbereitet als der Gegner") oder den enormen Druck relativieren ("Ein dritter Platz ist auch okay"). "Selbstgesprächsregulation" ist der Fachbegriff. Zweifel und Selbstbeschimpfungen ("Ich schaffe es nicht") müssen sie in jedem Fall vermeiden. Bei National-Torwart Oliver Kahn scheint das gut zu klappen. Dagegen scheiterte Stabhochspringer Tim Lobinger oft im entscheidenden Wettkampf.

Psychotrick 2: Alles Störende ausblenden
Die "Aufmerksamkeitsregulation" soll dem Athleten helfen, sich nur noch auf seine Bewegung zu konzentrieren. Alle störenden Gedanken über den Sinn der Quälerei oder über die Folgen einer Niederlage muss er ausblenden: Eine Schwimmerin stellt sich vor, ganz allein, ohne Gegnerinnen oder Zuschauer, zu kraulen.

Psychotrick 3: Auf Kommando locker bleiben
Wer zu aufgeregt ist, kann keine Höchstleistung bringen. Deshalb setzen Sportpsychologen auf "Aktivationsregulation". Der Mentaltrainer bringt dem Sportler Entspannungstechniken bei - zum Beispiel autogenes Training -, um im Wettkampf ruhig zu bleiben. Zu ruhig darf er aber auch nicht werden: Für Höchstleistungen braucht der Athlet ein mittleres Erregungsniveau.

Psychotrick 4: Aufschlag im Kopf
Der Sportler stellt sich einen Bewegungsablauf immer wieder so intensiv vor, dass er ihn automatisch abrufen kann. Diese "Vorstellungsregulation" soll helfen, großen Druck auszuhalten. Tennisspieler lernen so, auch bei 15:40-Rückstand noch sicher aufzuschlagen. Und NBA-Profi Dirk Nowitzky setzt den Ball notfalls blind in den Korb.

Psychotrick 5: Wettkampf spielen
Profis müssen lernen, ihre Trainingsleistung auch im Wettkampf sicher zu erreichen. Leichtathleten wie die Kugelstoßerin Astrid Kumbernuss müssen im Training zu einem vorher festgelegten Zeitpunkt auf Anhieb ihre Weite, Höhe oder Zeit schaffen. Diesen simulierten Wettkampfdruck nennen Fachleute "Kompetenzerwartung".

Ohne Psychotrick: Stur weiterstrampeln
Ausdauersportler suchen eher selten die Hilfe des Psychotrainers. Radrennfahrer wie Jan Ullrich können sich auf ihr Team verlassen - außerdem müssen sie normalerweise nicht alles auf eine Karte setzen, sondern haben mehrere Gelegenheiten zum Angriff. Ob sie den Wettkampfdruck aushalten, ist wohl eher eine Typfrage. Nur wer sich immer wieder durchbeißt und psychisch belastbar ist, schafft es an die Weltspitze.

Quelle unserer Tricks: Hans Eberspächer: "Mentales Training"; Copress Verlag, München 2004; 120 S., 11,90 Euro